Gammelschiffe im Hafen Darf jeder Kahn in Leer festmachen?
Der Zustand der Schiffe im Leeraner Hafen schwankt enorm. Vor Jahren war die Sirius hier gesunken. Dennoch kann die Stadt kaum etwas wegen des Pflegezustands unternehmen.
Leer - Die Sonne scheint und bei knapp 20 Grad zieht es sowohl Leeraner als auch Besucher immer wieder an den Hafen. Das Wasser glitzert und kleine Wellen schlagen an die dort liegenden Boote. Dabei fällt schnell auf: Einige der Sportboote wirken gut gepflegt und sind sauber. Andere wiederum starren vor Schmutz. Doch welche Kriterien muss ein Boot eigentlich erfüllen, um im Hafen liegen zu dürfen?
Was und warum
Darum geht es: Im Hafen liegen Schiffe, die sehr gepflegt aussehen. Andere hingegen starren vor Dreck.
Vor allem interessant für: Alle, die sich regelmäßig am Hafen aufhalten
Deshalb berichten wir: Ein Leser wollte wissen, welche Kriterien es für die Boote im Hafen gibt. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Auffallend ist der Umstand vor allem an der Nessebrücke. Hier liegt ein Segelschiff. Der Lack ist großflächig abgeplatzt und auch die Deckaufbauten sind schmutzig. Ein Name des Boots ist nicht mehr zu erkennen. Es wirkt, als sei lange niemand an Bord gewesen. Nur ein paar Schritte weiter liegt die „Prinz Heinrich“. Ein topgepflegter Dampfer. „Guck dir das Schiff mal an. Sowas kann doch nicht wahr sein“, sagte eine Spaziergängerin am Montag zu ihrem Begleiter. Die beiden wollten namentlich nicht genannt werden. Was sie meint: Schiffe im Hafen sollten in einem Topzustand sein.
Kriterien für den Liegeplatz
„Die Frage, ob Boote in unserem Hafen liegen dürfen, kann und darf nicht anhand von optischen Kriterien beantwortet werden. Vielmehr ist ein ganz anderes Kriterium ausschlaggebend: das Thema Sicherheit“, sagt Edgar Behrendt, Sprecher der Stadtwerke Leer.
Die Stadtwerke als Hafenbetreiber hätten diesen Aspekt in enger Zusammenarbeit mit der Hafenbehörde der Stadt Leer stets im Blick. „Das ist ein fortlaufender Kontrollprozess, in dessen Verlauf sich Einschätzungen auch verändern können“, betont Behrendt. Bedeutet: Die Schiffe, die im Hafen liegen, sind sicher. Da hatten die Stadtwerke auch einmal schlechte Erfahrungen gemacht.
Untergang der „Sirius“
Vor neun Jahren sank im Leeraner Hafen der Kutter „Sirius“. Weil der Eigner eine Frist zur Bergung verstreichen ließ, ergriffen die Stadtwerke schließlich die Initiative. Mit einem großen Kran wurde das Schiff im November 2013 gehoben und nach Papenburg gebracht. Nach der Pleite des Unternehmens, bei dem das Boot lag, kam der Kutter zurück nach Leer. Seither liegt das Boot auf dem Platz eines Schrotthandels. Im Jahr 2018 hatte das Landgericht Aurich den Eigener dazu verurteilt, 75.000 Euro für die Bergung zu zahlen. Die Stadtwerke hatten 105.000 Euro gefordert. Der Rechtsstreit läuft bis heute.
„Entscheidend ist: Wir können nur dann tätig werden, wenn von einem Boot eine akute Gefahr ausgeht“, so Behrendt. Diese Gefahr sei bei dem Segler an der Nessebrücke nicht gegeben. Eine Gefahr würde zum Beispiel dann bestehen, wenn ein Boot mit größeren Mengen Öl und Kraftstoff an Bord im Leeraner Hafen zu sinken droht. „Es konnte aber vor Ort weder eine erhebliche Beeinträchtigung der Umwelt durch Auslaufen von Kraftstoffen noch eine Schieflage des Schiffes festgestellt werden“, sagt der Sprecher.
Zeugnis kann verlangt werden
Aufgrund dessen gebe es momentan keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Boote sinken könnten. „Somit besteht kein Bedarf für ein Eingreifen durch die Hafenbehörde und den Hafenbetreiber“, betont Behrendt.
Doch es gibt auch eine Möglichkeit, die Besitzer in die Pflicht zu nehmen. So kann die Hafenbehörde vom Eigner verlangen, ein Schwimmfähigkeitszeugnis vorzulegen. Unabhängig davon gebe es auch die Möglichkeit, sich einen Versicherungsnachweis und gegebenenfalls Ergebnisse einer Gasprüfung zeigen zu lassen. „Sofern diese Unterlagen beigebracht werden können, gibt es auch in dieser Hinsicht keine Handhabe, Boote aus dem Hafen zu verweisen oder Skippern die Einfahrt in den Hafen zu untersagen“, erläutert Behrendt.
Schiff steht zum Verkauf
Ein weiteres Schiff, das immer wieder auffällt, liegt an der Rathausbrücke. Es ist die „Dutch Princess“. Dieses Schiff fällt allerdings nicht durch seinen Pflegezustand auf, sondern dadurch, dass es verkauft werden soll. Immer wieder wird die „Durch Princess“ bei Ebay-Kleinanzeigen eingestellt. 285.000 Euro möchte der Besitzer für den Zweimaster bekommen. Die Gründe für den möglichen Verkauf sind unklar. Vor Kurzem wurde bekannt, dass auch ein Schiff der Familie Brinkmann, die verschiedene Kreuzfahrten anbietet, zum Verkauf stand.
Hierbei ging es jedoch mehr darum, den Marktwert des Schiffes herauszufinden. Zudem brauche man die „Hafenmusik“ für die nun gestartete Saison. Somit wurde ein Verkauf nicht realisiert.
Derzeit liegen rund 20 Sportboote im Leeraner Hafen. Eine Warteliste gebe es nicht. Wer am Hafen spazieren geht, sieht auch einige freie Liegeplätze auf beiden Seiten. Aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für den Hafen geht zudem hervor, dass Liegeplätze grundsätzlich frei gewählt werden können, es sei denn dieser Platz ist davon explizit ausgenommen.