Osnabrück
Alte Mozart-Messe im Dom jung und mitreißend interpretiert
Wolfgang Amadeus Mozart und Olivier Messiaen standen auf dem Programm des siebten Sinfoniekonzerts, das gemeinsam mit den Chören am Dom stattfand.
Hier passt der Titel eigentlich nicht, denn das siebte Sinfoniekonzert ist im Grunde keines mit Mozarts Messe in c-moll und Olivier Messiaens „L’Ascension“, die Himmelfahrt also, passend zum bevorstehenden Fest. Das moderne, inzwischen aber immerhin auch schon 90 Jahre alte Werk macht den Anfang, und das Osnabrücker Symphonieorchester lässt seine Farben erstrahlen. Der erst 23-jährige Messiaen zeigt in dieser frühen Komposition einen großartigen Sinn für Klänge und Kontraste, die bei diesem Konzert im Dom eindrucksvoll umgesetzt werden.
Dabei setzt der Organist Olivier Messiaen das Orchester oft so ein, als würde er zwischen den verschiedenen Werken der Orgel wechseln. Die Bläser beginnen allein, die Trompeten führen mit majestätischem Glanz. Später gibt es einstimmige Abschnitte für das Holz und fast süßliche Passagen des Streichorchesters. Natürlich fehlen auch prächtige Höhepunkte des ganzen, groß besetzten Orchesters nicht. Es gibt dissonante Strukturen, die sich aber bald wieder klären, düster drohende und rhythmisch-tänzerische Episoden, und Dirigent Andreas Hotz hält all das unter Hochspannung.
Doch ist dieser erste Teil des Konzerts am Ende des Abends schon fast vergessen: Mozarts als absolutes Kontrastprogramm gesetzte Messe macht in einer fulminanten, gleichsam auf der Stuhlkante musizierten Umsetzung so starken Eindruck, dass sie alles andere praktisch neutralisiert.
Mozart wandte sich den Molltonarten wesentlich seltener zu als den Durtonarten, aber wenn er es tat, dann hatte er auch etwas Besonderes mitzuteilen. Seine „Große“ Messe in c-moll übertrifft seine anderen Messen wohl deutlich, ist sie doch unglaublich einfallsreich. Nur der Solotenor und Solobass, hier Georg Poplutz und Erik Rousi, könnten das womöglich anders sehen, denn ihnen schrieb Mozart nur eine Minimalpartie.
Klanglich sehr klar und präsent sind die Chöre am Dom, diesmal ohne den Opernchor. Andreas Hotz gestaltet die Chorsätze immer wieder besonders zupackend, verlangt intensive Dynamik, und die Sänger liefern auf den Punkt: Transparente Fugen etwa oder ein mächtig-imposantes, mitreißendes Gloria. Im Orchester sorgen historische Hörner und Posaunen für besonders knackige Akzente. Sopranistin Hanna Zumsande, in Osnabrück häufig zu hören und wohl längst die klare Favoritin des Publikums im Fach Messe/ Kantate/ Oratorium, singt auch hier wieder mit heller, beweglicher Stimme, virtuos vor allem im technisch anspruchsvollen „Laudamus te“.
Doch der klare Höhepunkt in diesem Konzert ist das „Et incarnatus“. Ohnehin ein wirklich bezauberndes Stück, und hier wird der lateinische Text „dem heiligen Geist und der Jungfrau Maria geboren und Mensch geworden“ unsagbar zart und berührend gesungen von Julie Sekinger. Was für eine Mozart-Stimme: Jung, frisch, angenehm und weich, keine Spur von Schärfe. Wunderbar flankiert wird ihr lyrischer, innig beseelter Gesang von den Solobläsern. Andreas Hotz, der sich sonst meist für lebhafte bis rasante Tempi entschieden hat, geht hier vom Gas, lässt der Solistin alle Freiheiten – um gleich darauf mit dem nächsten Choreinsatz wieder die Spannung zu erhöhen.
Mozart hat diese Messe vor rund 240 Jahren komponiert, doch alt wird diese Musik wohl niemals – vorausgesetzt, sie wird genau so gespielt: Frisch und inspiriert.
Das Konzert wird wiederholt am Montag, 9. Mai um 20.00 Uhr im Dom.