Influencer aus Ostfriesland
Hiermit mach ich‘s öffentlich
Die Macht von sozialen Netzwerken und Plattformen wie Instagram, TikTok und Co. ist enorm. Worauf Influencer aus Ostfriesland setzen – und welche Reichweite sie damit haben.
Ostfriesland - Zugegeben: Mit 43 Jahren zähle ich nicht zu den Digital Natives, also der Generation, die von Kindesbeinen an in digitalen Netzwerken unterwegs gewesen ist. Als Facebook in den späten Nullerjahren um sich griff, stand ich schon im Berufsleben. Aber wer wie meine Kinder in dieser Zeit geboren wurde, kann sich einen Alltag ohne Youtube, Instagram, TikTok und Co. kaum vorstellen. Die Kanäle haben eine enorme Strahlkraft und verschaffen Nutzern mit hohem Sendungsbewusstsein eine Reichweite, von der klassische Medienhäuser oder Verlage nur träumen können.
Was und warum
Darum geht es: die Bedeutung und Funktion von sozialen Netzwerken
Vor allem interessant für: Internetnutzer, die die Aktivitäten von Influencern spannend finden, sowie diejenigen, die mehr über die Unterschiede der vier größten Plattformen wissen möchten.
Deshalb berichten wir: Der Autor ist Vater von zwei Kindern und staunt noch immer über die Anziehungskraft von TikTok, Instagram, Facebook und Co. und darüber, wie viel Zeit vor allem Jugendliche in digitalen Netzwerken verbringen. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Wir haben darüber mit drei Influencern oder besser strategischen Social-Media-Akteuren aus Ostfriesland gesprochen. Zusammen erreichen sie mit ihren Bildern, Texten und Videos tagtäglich Hunderttausende.
Bevor Wilke Zierden, Tarik Mensen und Sylvie Gühmann zu Wort kommen, richtet sich der Blick auf die vier bedeutendsten Kanäle, auf denen sie senden. Was kennzeichnet sie und worin unterscheiden sie sich?
Es ist nicht das erste, aber das mit Abstand etablierteste und noch immer erfolgreichste digitale Netzwerk. Die Grundidee ist ein interaktives Freundebuch, in dem eigene Profile erstellt sowie Fotos, Videos und Statusmeldungen geteilt werden.
Facebook lebt vom Austausch und hat sich von einer anfänglich vor allem von Studenten und Jugendlichen genutzten Plattform zu einem Netzwerk auch für deutlich ältere Nutzerinnen und Nutzer entwickelt. Die Bedeutung in der Altersgruppe der 14- bis 19-Jährigen hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen
Youtube
Youtube stellt das zentrale Videoportal und ist laut JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest unangefochtene Nummer eins bei den beliebtesten Internetangeboten unter den 12- bis 19-Jährigen.
Im Gegensatz zu andHiermit mach ich‘s öffentlicheren Anbietern mit Schwerpunkt Bewegtbild werden bei Youtube auch deutlich längere Filme eingestellt, weshalb die 2005 gegründete Plattform von Influencern und Firmen für Produktwerbung besonders gerne genutzt wird.
In einer vom Statistikdienst Statista veröffentlichten Erhebung zu den Nutzerzahlen im Januar 2022 wird dieser zur Facebook-Mutter Meta gehörende Anbieter hinter Facebook und Youtube auf Rang drei gelistet.
Ursprünglich lag der Schwerpunkt auf Bildern, Bilderserien und Selfies, die mit Filtern bearbeitet werden können. Inzwischen werden vermehrt auch Videosequenzen gezeigt. Instagram ist besonders in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen verbreitet.
TikTok
Erst 2016 trat dieser Dienst einer chinesischen Entwicklerfirma seinen Siegeszug an. Laut der App-Analyseplattform Sensor Tower lag TikTok im Juli vergangenen Jahres mit 63 Millionen Downloads vor Facebook und dem Messengerdienst Whatsapp. Zielgruppe sind vor allem Jugendliche. TikTok lebt von oft mit Musik unterlegten Kurzvideos, die anfangs auf 15 Sekunden begrenzt waren.
Mittlerweile können die Sequenzen bis zu drei Minuten lang sein. Wie bei Instagram wird stark mit Filtern und anderen Bildbearbeitungselementen gearbeitet. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal von TikTok ist die Möglichkeit, mit eigenen Videos kreativ-kunstvoll auf die Videos von anderen zu reagieren.
Der professionelle Influencer
Wilke Zierden ist – gemessen an Reichweite – der erfolgreichste Produzent von privaten Social-Media-Inhalten in Ostfriesland. Angefangen hat er 2017 mit dem You-Tube-Kanal „Udo & Wilke“. Zusammen mit Udo Tesch, dem Platzwart des Sportvereins SuS Steenfelde, veröffentlicht er selbstgedrehte Videos. In kurzen Episoden geraten die beiden regelmäßig aneinander – im Spaß. Die Folgen, die sie jeden Mittwoch und Sonntag ausspielen, werden von rund 365.000 Nutzerinnen und Nutzern abonniert. Aus der anfänglichen Spielerei und Blödelei ist ein ernst zu nehmendes Geschäft auf etlichen Kanälen geworden. „Nur mit Udo & Wilke haben wir 1,4 bis 1,5 Millionen Abonnenten“, sagt Zierden, der von seinen Social-Media-Aktivitäten längst leben kann. „Man verdient gutes Geld“, gibt er gerne zu. Wie viel genau, sagt er nicht. Die starke Internet-Präsenz des Influencers hat allerdings seinen Preis.
Planen, Filmen, Schneiden, Hochladen und Kommentieren: Zierden sagt, dass er so gut wie alles in Eigenregie mache und der Aufwand dafür von vielen unterschätzt werde. „Es ist enorm viel Arbeit.“ Neben „Udo & Wilke“ hat er weitere Kanäle geöffnet, auf denen er aus seinem Privatleben, aus dem Verein oder von seinen Bauprojekten berichtet. Um Youtube, Facebook, TikTok und Instagram regelmäßig zu bespielen, habe er eine tägliche Bildschirmzeit von etwa 17 Stunden.
Die wichtigste Plattform für den gebürtigen Leeraner ist Facebook. Alleine der gemeinsame Kanal mit Udo Tesch zählt 650.000 Abonnenten. Während er TikTok „nur aus Spaß nebenbei“ bediene, verlangt dieses Netzwerk mehr Aufmerksamkeit. Um die Leute bei Laune zu halten, reagiert Zierden auf Kommentare und geht mit vielen Nutzern direkt in Kontakt. „Auf Facebook gibt es eine sehr lebendige Community“, sagt er. Diese Anhängerschaft will gepflegt werden.
Der Hobby-Influencer
Tarik Mensen aus Emden setzt bei seinen Internet-Aktivitäten auf TikTok. Der 35-Jährige lädt nebenberuflich täglich mindestens ein Kurzvideo hoch und zeigt sich im Schnitt drei Mal pro Woche etwa eine Stunde lang live. Groß geworden ist er mit Beiträgen über sein Hobby: Animes und Mangas, japanischen Zeichentrickfilmen und Comics. „Im vergangenen Jahr ist es richtig losgegangen“, sagt er. In kurzer Zeit stieg die Zahl seiner Follower auf 111.500. Deren Kommentare und Likes seien für ihn der Ansporn, sagt er: „Leben kann ich davon nicht.“ Allerdings wurden Unternehmen wie der Carlsen-Verlag auf ihn aufmerksam. Dieser engagiert ihn als Botschafter und lässt Veröffentlichungen von Tarik Mensen rezensieren.
Für TikTok habe er sich entschieden, weil dieser Anbieter in den vergangen ein-zwei Jahren unter Jugendlichen „einen Megahype“ erfahren habe, sagt der Büroangestellte. TikTok würde es ihm außerdem leichter machen als andere Plattformen, auf die Internetgemeinde zuzugehen. „Es ist schnell“, sagt er und meint damit auch unverbindlicher. Youtube und Facebook sind tendenziell (zeit-)aufwendiger – sowohl für die Konsumenten als auch die Produzenten von Web-Inhalten.
Die Autorin im Netz
Bei den Web-Aktivitäten von Sylvie Gühmann geht es weniger um kurze, tägliche Videos und schnelle Fotos, sondern vor allem um ihre eigentlich Tätigkeit außerhalb der Sozialen Netzwerke: „Am Ende des Tages ist mein Hauptziel, Autorin zu sein“, sagt die ehemalige Journalistin aus Leer, die in Hamburg lebt und mehrere Bücher veröffentlicht hat.
Um sich und ihre Arbeit bekannt zu machen, setzt sie vorrangig auf Instagram. Ihr folgen dort 2200 Nutzerinnen und Nutzer. „Obwohl es eine Bilderplattform ist und ich feststelle, dass die Aufmerksamkeitsspanne bei vielen immer kürzer wird“, stelle sie auch längere Texte ein. Dass sie dafür nicht auf Facebook zurückgreift, erklärt sie mit der Zielgruppe, die eher in ihrem Alter zu suchen sei.
Außerdem liege ihr das geschriebene Wort näher. „Ich scheue mich nach wie vor, in eine Kamera zu sprechen, sagt die 27-Jährige. Die Sozialen Netzwerke sieht sie nicht als einzigen Weg in die Öffentlichkeit. „Es gehört zum Job dazu. Aber mein Ziel ist es nicht, Influencerin zu sein“, so Sylvie Gühmann.