Stadtentwicklung
Weeneraner wollen keine Touristenmassen im Hafen
Der historische Hafen ist der Publikumsmagnet von Weener und soll sich touristisch weiterentwickeln. Die Anwohner wollen dabei ein Wörtchen mitreden. Bei einem Diskussionsabend gab es viele neue Ideen.
Weener - Die Weeneraner sind stolz auf ihren historischen Hafen. Sie brennen förmlich darauf, ein Wörtchen mitzureden, wenn es um dessen Weiterentwicklung geht. Dafüt gibt es ganz unterschiedliche Ideen und Anregungen. In einem Punkt ist man sich aber einig: Touristenmassen wie in Greetsiel und an manchen Tagen in Ditzum sind hier nicht erwünscht. Das wurde bei dem Diskussionsabend am Donnerstag deutlich. Mehr als 50 Interessierte aller Altersgruppen waren der Einladung der Stadt Weener zu der Veranstaltung im Event-Lokal „Hafen 55“ gefolgt.
Was und warum
Darum geht es: Um die Frage, wie sich der Hafen nach Vorstellung der Weeneraner in Zukunft weiterentwickeln soll.
Vor allem interessant für: Anwohner des Weeneraner Hafens, Eigner von historischen Schiffen und Segeljachten und alle die sich gerne am Hafen aufhalten
Deshalb berichten wir: Die Stadt Weener hatte zu einer Veranstaltung im Hafen 55 eingeladen, um zu erfahren, wie sich die Weeneraner die Entwicklung des Hafens vorstellen. Wir haben zugehört. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Welche Entwicklungen wünschen sich die Weeneraner und welche tragen sie mit? Das war für Bürgermeister Heiko Abbas zentrale Frage an diesem Abend. Hintergrund ist das Hafenentwicklungskonzept, das der Rat im Juni vergangenen Jahres beschlossen hatte. Einige Punkte, beispielsweise die Gestaltung des Hafens und die Verkehrsführung, waren damals bei Anwohnern und Gastronomen auf starken Widerstand gestoßen. „Wir wollen erfahren, welche Punkte sich umsetzen lassen, ohne dass die Anwohner das Rathaus stürmen“, machte der Bürgermeister sein Ansinnen deutlich. Das Hafenkonzept sei keineswegs in Stein gemeißelt, aber wichtige Voraussetzung für die Beantragung von Fördergeld für dringend notwendige Maßnahmen, wie die Sanierung der Spundwand und ihrer maroden Abdeckung. Kritik und Anregungen gaben die Besucher an dem Abend zu unterschiedlichen Themen.
Schiffe
Die Idee der Verwaltung, mit Hausbooten eine neue Übernachtungsmöglichkeit im Hafen zu schaffen, wird kritisch gesehen. Die Sorge, dass Weener ein Hausboot-Eldorado werden könnte, räumte der Bürgermeister aber aus. „Im historischen Hafen sind keine Liegeplätze geplant“, machte er deutlich. Das mache wegen der hohen Kai-Kante keinen Sinn, passe aber auch nicht zum Bild des historischen Teils des Hafens. „Außerdem müssen wir mit dem Landkreis klären, ob es generell möglich ist, für zehn bis 13 Hausboote Liegeplätze zu schaffen.“
Ein Ärgernis für viele sind die maroden Schiffe, von denen bereits mehrere aus dem Hafen geholt werden mussten – zum Teil auf Kosten der Stadt. „Es sollten ausgewählte Traditionsschiffe in den Hafen gelassen werden“, machte Günther Prahm deutlich, der in der Altstadt und am Hafen schon einige historische Häuser saniert hat. Catharina Bockhacker regte an, eine Kommission mit Fachkundigen zu bilden, die beurteilen, welche Schiffe einen dauerhaften Liegeplatz im Hafen bekommen.
Tourismus
„Wir müssen einen Bekanntheitsgrad erreichen, der es der Gastronomie ermöglicht, ganzjährig zu überleben“, sagte Hilmar Bockhacker, der mit seiner Frau Catharina das Event-Lokal „Hafen 55“ betreibt. Er wünscht sich mehr Leben auf den Wasserflächen und möchte dazu einen Beitrag leisten: in Form von Hafenrundfahrten mit einem Beiboot. „Vielleicht lässt sich auch das Drachenbootrennen der DLRG wieder aktivieren.“
Stadtführerin Geziena Scholtalbers regte an, am Hafen kleine Buden aufzustellen. „Dort könnten selbstgemachte Marmeladen oder Urlaubsmitbringsel für Touristen verkauft werden.“ Sie empfindet die Entwicklung mit der Sanierung vieler alter Häuser am Hafen als positiv. „Der Hafen ist die Puppenstube von Weener, an der sich die Besucher erfreuen.“ Eine Tourist-Info wäre dort direkt vor Ort ideal angesiedelt.
Auf den Prüfstand müssten nach Auffassung einiger Anwohner auch die Stellplätze für Wohnmobile. „Mitunter wird durch sie der Blick auf den Hafen komplett vesperrt“, so die Kritik der Anwohnerin Christine Tonndorf. Ein junger Weeneraner machte den Vorschlag, mehr Veranstaltungen in den Hafen zu verlegen. „Der Hafen sollte das Zentrum von Weener werden.“
Infrastruktur
Ein Anwohner machte seinem Ärger über die Versäumnisse der Verwaltung Luft. „Schlick und Schleuse, Spundwand und Schrottschiffe – die Stadt hat in den letzten Jahren gepennt“, kritisierte der Weeneraner, „das, was man hat, muss man auch in Schuss halten“. Ein anderer Anrainer warnte davor, dass Weener seinen Charakter als Wohnhafen verlieren könnte. „Viele ältere Anwohner werden ihre Häuser bald verkaufen“, sagte er.
„Schon heute sind acht Häuser nicht mehr dauerhaft bewohnt.“ Es müsse verhindert werden, dass noch mehr Ferien- und Monteurswohnungen hinzukommen. Der Verkehr im Hafen stößt einigen Anwohnern auch sauer auf. Ottfried Fischer wünscht sich eine Tempo-30-Zone. „Die Lkw, die hier durchfahren, sind eine Belastung für die Anwohner und die alte Bausubstanz.“
Arbeitskreise
Alle Weeneraner, die ihre Ideen bei der Entwicklung des Hafens aktiv mit einbringen wollen, können bei Arbeitsgruppen mitmachen, die zu den Themenschwerpunkten Infrastruktur, Tourismus, Segel- und Sportbootfahrer, Traditionsschiffe und Sponsoring gebildet werden. Interessierte können sich im Rathaus der Stadt dazu anmelden und mitteilen, in welchem der Arbeitskreise sie mitarbeiten wollen.