Immobilien in Ostfriesland

Teilverkauf: Lohnt sich der Verkauf eines halben Hauses?

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 03.05.2022 18:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In Leer hängen die Plakate der Deutschen Teilkauf beispielsweise an der Logabirumer Straße. Foto: Kierstein
In Leer hängen die Plakate der Deutschen Teilkauf beispielsweise an der Logabirumer Straße. Foto: Kierstein
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Es ist ein unübliches Geschäftsmodell, das nun seinen Weg nach Ostfriesland findet: Senioren können einen Teil ihrer Immobilie verkaufen. Das hat Vorteile aber auch Nachteile für die Eigentümer.

Ostfriesland - Die eigenen vier Wände. Für viele Ostfriesen ist es das, auf das sie hinarbeiten. Ein Häuschen mit Garten oder eine Eigentumswohnung. Doch was, wenn man im hohen Alter Geld benötigt, um sich einen Herzenswunsch zu erfüllen?

Was und warum

Darum geht es: Immobilien sind Wertanlagen. Es gibt verschiedene Modelle, sie zu Geld zu machen. Eins davon ist der Teilverkauf.

Vor allem interessant für: Senioren, die über einen Verkauf der Immobilie nachdenken

Deshalb berichten wir: Die Deutsche Teilkauf engagiert sich nun auch in Ostfriesland.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Neben der Suche nach einen passenden Kredit könnte der Weg auch zum Teilverkauf der Immobilie führen. Dabei verkaufen die Inhaber vereinfacht gesagt einen Teil ihrer Immobilie. Viele Unternehmen und Banken bieten dieses Modell an. Darunter auch die Volksbanken und Engel&Völkers. In Ostfriesland tritt nun ein neues Unternehmen aus diesem Spektrum auf: die Deutsche Teilkauf. Sie wirbt mit Plakaten unter anderem in Leer, Rhauderfehn, Aurich und Emden. Zielgruppe dieses Geschäftsmodells sind Senioren. Doch wie funktioniert das Modell und was haben Teilverkäufer für Vor- und Nachteile?

Das Modell

„Wir werden nie eine Immobilie übernehmen. Es geht um maximal 50 Prozent. Es geht aber auch weniger“, erklärt Geschäftsführer Marian Kirchhoff. Gleichzeitig investiert die Deutsche Teilkauf minimal 100.000 Euro. Das bedeutet: Ein Haus muss minimal 200.000 Euro wert sein, damit das Unternehmen investiert. Was dann folgt, ist quasi eine Wette auf die Zukunft. Das Unternehmen investiert nämlich nur in Immobilien, bei denen sie eine Wertsteigerung erwarten. Bei einem zukünftigen Verkauf würde das Unternehmen also Gewinn machen.

Ein Beispiel: Die Deutsche Teilkauf erwirbt 50 Prozent eines Hauses, das 200.000 Euro wert ist. Einige Jahre später will der Teilverkäufer das Haus ganz verkaufen. Dann wird das Haus neu geschätzt. Ist das Haus nun 300.000 Euro wert, teilt man sich das Geld. „Wir räumen den Kunden dabei einen Bonus ein, wenn die Wertsteigerung bei über 17 Prozent liegt“, so Kirchhoff. So würde in diesem Beispiel der ursprüngliche Eigentümer etwa 153.000 Euro erhalten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Teilverkauf mit einer Nutzungsgebühr einhergeht. Diese liegt bei 2,9 Prozent der Investition. In diesem Beispiel müsste der Verkäufer der Deutschen Teilkauf jedes Jahr 2900 Euro überweisen.

Nutzungsgebühr und Verkauf

Diese 2900 Euro pro Jahr würden dann auf eine monatliche Rate runtergerechnet. So ist aber auch klar, dass der Bonus, den das Unternehmen bei einem Verkauf einräumt, durch diese Gebühr egalisiert wird.

Ein Verkauf würde zudem generell über die Deutsche Teilkauf laufen. Das Unternehmen kann jedoch nicht entscheiden, ob eine Immobilie verkauft wird. Das entscheidet der ursprüngliche Eigentümer. „Der Verkauf läuft dann über uns. Wenn der Eigentümer natürlich jemanden findet, der mehr zahlt, kann er uns diesen gerne nennen“, so Kirchhoff. Da die Zielgruppe für sein Unternehmen Senioren sind, wird potenziellen Erben ein Vorkaufsrecht eingeräumt.

Vorteile des Teilverkaufs

Laut der Deutschen Teilkauf sei der größte Vorteil, dass Senioren schnell und unkompliziert an eine größere Summe Geld kommen, um sich Herzenswünsche zu erfüllen. Zudem bleibe das Haus quasi in ihrem Besitz.

Auch hätten die Senioren oder ihre Kinder später nichts mit dem Verkauf der Immobilie zu tun und auch die Deutsche Teilkauf ist nicht daran interessiert, eine Immobilie unter Wert zu verkaufen.

Nachteile des Teilverkaufs

Der größte Nachteil ist: Der Eigentümer müsste auf einmal eine Art Miete für sein Eigentum zahlen. Diese ist zudem nur auf einige Jahre auf 2,9 Prozent gedeckelt. „Das kann man auch fünf, zehn oder 15 Jahre festschreiben: Danach wird sie entweder variabel werden oder sich an den dann geltenden Zinsniveaus orientieren“, so Kirchhoff. Es könnte also teurer werden.

Die Verbraucherzentrale rät allen Senioren, die sich mit dem Modell auseinandersetzen, sich mehrere Angebote zuschicken zu lassen und diese genau zu prüfen. Zudem sollte man auch das Gespräch mit verschiedenen Banken suchen, sollte Geld benötigt werden. Es gebe auch für Senioren die Möglichkeit Kredite zu erhalten, die günstiger seien als ein Teilverkauf. Zudem sei es ein Mythos, dass Darlehensnehmer noch zu Lebzeiten den Kredit ganz zurückzahlen müssten. Die Verbraucherzentrale rät dazu, verschiedene Anbieter zu kontaktieren und die Angebote genau durchzurechnen.

Einige Experten raten ab

Laut Verbraucherzentrale würden sich die Unternehmen, die einen Teilkauf anbieten, auch nicht an Investitionen in das Haus beteiligen wollen. Die Kosten bleiben dann beim ursprünglichen Eigentümer. Das ist auch bei der Deutschen Teilkauf so. Von einer Wertsteigerung durch die ARbeiten profitieren bei einem Verkauf allerdings beide Seiten.

Das Portal „Finanztipp.de“ rät generell vom Teilverkauf ab. Bei einem gewöhnlichen Verkauf bekomme man den Kaufpreis und kann damit eine kleinere, günstigere Wohnung beziehen. Im besten Fall bleibt noch ein Überschuss, mit dem man seinen Lebensabend finanzieren kann. Bei einem Teilverkauf läuft das anders. Man verkauft zwar nur einen Teil der Immobilie und kann dafür dort wohnen bleiben. Doch einen Teil des Kaufpreises muss man wieder in eine monatliche Nutzungsgebühr investieren. Deshalb solle man für die nächsten Jahre genau kalkulieren, wie viel Geld zur freien Verfügung bleibt. Bei einigen Anbietern könne es nämlich dazu kommen, dass man ausziehen muss, kann man die Nutzungsgebühr nicht mehr zahlen.

Hinzu kommt eine mögliche Wertsicherungsklausel. Diese betrage in den meisten Fällen 17 Prozent. Das heißt: Wird die Immobilie verkauft und hat keine Wertsteigerung von 17 Prozent erzielt, muss der ursprüngliche Eigentümer dem Unternehmen die Differenz zahlen. Unter dem Strich bleibt: Der Teilverkauf an sich ist eine Möglichkeit für Senioren, schnell an eine größere Summe Geld zu kommen. Es kann eine sehr gute Möglichkeit sein, das kommt auf die Wünsche an.

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