Wirtschaft
Grüner Wasserstoff kommt bald aus Friesoythe
Die Wiesbadener Firma Hy2gen will südlich der B72 Grünen Wasserstoff produzieren. Die Stadt hat ein Grundstück reserviert. Es gibt Synergieeffekte mit der Anlage von revis im c-Port.
Friesoythe - An der Bundesstraße 72 soll eine Anlage zur Produktion von sogenanntem Grünen Wasserstoff und E-Methanol entstehen. Die Wiesbadener Firma Hy2gen startet dafür mit der Revis Bioenergy aus Münster, die im c-Port eine Biomethananlage baut, jetzt die erste Projektphase. Baubeginn ist für das erste Quartal 2024 angesetzt, Fertigstellung der Anlage soll 2026 sein. Das Gesamtinvestitionsvolumen des auf den Namen „Nautilus“ getauften Projekts beläuft sich auf rund 130 Millionen Euro. Die 6 bis 7 Hektar große Anlage soll auf der südlichen Seite der B72 in Höhe der Abfahrt zur Sedelsberger Straße entstehen. „Das Grundstück ist gesichert und für Hy2gen reserviert, der Bebauungsplan war bereits im Verwaltungsausschuss“, sagt Bürgermeister Sven Stratmann.
Da das Grundstück der Stadt gehört und nicht auf dem Gelände des c-Ports liegt, würden die anfallenden Gewerbesteuern bei einer Realisierung der Anlage voll in den Friesoyther Stadthaushalt fließen. Derzeit läuft die Vorstudie, in der alle Beteiligten verbindliche Erkenntnisse zu Machbarkeit, Risiken und Nutzen erarbeiten. Stadtspitze und Investor haben das Projekt Mitte Februar sowohl den Fraktionsvorsitzenden der beiden Stadtratsparteien als auch Umwelt- und Energieminister Olaf Lies vorgestellt. „Wir waren uns alle einig, dass wir hier an einem Strang ziehen müssen“, sagt Stratmann. „Mit der Umsetzung eines der größten Wasserstoffprojekte Deutschlands in Friesoythe sehe ich eine große Chance für das Oldenburger Münsterland.“
Synergie-Effekte mit revis-Anlage
Das Projekt stelle für die Entwicklung im Bereich Erneuerbare Energien einen Meilenstein dar, Friesoythe käme damit eine zentrale Rolle in der Energiewende zu. In der Anlage sollen hauptsächlich grüner Wasserstoff und grünes E-Methanol für den Einsatz im maritimen Sektor, also für den Betrieb von Schiffsmotoren, produziert werden. Hy2gen steuert in dem Projekt die Expertise für Bau und Betrieb der Anlage bei, Revis liefert Kohlenstoffdioxid als Nebenprodukt aus der eigenen Biogasanlage. „Grüner Wasserstoff und vor allem E-Methanol sind zur Dekarbonisierung der Schifffahrt unverzichtbar“, sagt Cyril Dufau-Sansot, Co Gründer und CEO von Hy2gen. „Wir freuen uns, dass das Umweltministerium und die Stadt Friesoythe die Umsetzung des Projektes ermöglichen.“
Revis-Chef Simon Detscher verweist auf die Synergie-Effekte der beiden Anlagen. Er sieht darin einen „Meilenstein für die Region, sich als Standort für innovative und klimafreundliche Kraftstoffe deutschland- und europaweit einen Namen zu machen.“ Umweltminister Lies schließlich verweist auf die ökologische und ökonomische Bedeutung synthetischer Kraftstoffe. „Grünes Methanol, das mithilfe von grünem Wasserstoff erzeugt wird, wird uns helfen, klimaneutral und unabhängig von fossilen Energieträgern und deren Lieferanten zu werden“, sagt er.
Investitionen von weit über 200 Millionen Euro
Auch deswegen hofft Stratmann, dass sich die Proteste gegen das Projekt in Grenzen halten werden. „Inwieweit mit Widerstand zu rechnen ist, kann ich nicht abschätzen“, sagt er. „Aber gerade angesichts des Ukrainekriegs muss man ja eigentlich die Sinnhaftigkeit solcher Anlagen anerkennen.“ Sein Blick richtet sich vor allem auf die Bedeutung, die eine Realisierung des Projektes für Friesoythe haben würde. „Revis und Hy2gen hätten dann zusammen weit über 200 Millionen Euro auf dem platten Land in Friesoythe investiert“, sagt er.
Und das, hofft er, wäre noch nicht das Ende der Fahnenstange, schließlich könnten sich auch vor- und nachgelagerte Firmen in der Region ansiedeln. „Unser Ziel muss es jetzt außerdem sein, auch Forschung und Entwicklung hier zu etablieren“, betont er. Und nicht zuletzt müsse man prüfen, ob der c-Port als Umschlaghafen für die Produkte von Hy2gen profitieren könne.