Kolumne: Digital total

Silicon Valleys Paulus wird zum Saulus

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 03.05.2022 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Auf unserer Internetseite erscheint sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Dienstags geht es immer um Digitales.

Es gibt gute Gründe Elon Musk nicht zu mögen, aber dass er die freie Meinungsäußerung auf Twitter wiederherstellen will, gehört sicher nicht dazu. Musk, der ein Unternehmen gegründet hatte, welches später zu PayPal wurde und sein damit erwirtschaftetes Vermögen anschließend in den Aufbau der Weltraum-Firma SpaceX und des E-Auto-Herstellers Tesla investierte, galt in Silicon Valley lange Jahre als Genie. Genau wie bei Bill Gates habe ich nie wirklich verstanden, wieso. Beide taten sich immer wieder eher durch extrem skrupellose Business-Taktiken als durch das Erfinden von Produkten oder Prozessen hervor. Ähnlich wie auch Steve Jobs kein Erfinder, sondern ein reiner Managertyp war, der alle Lorbeeren für die Innovationen seiner Business-Partner Steve Wozniak und Jony Ive einheimste. Aber Silicon Valley scheint solche Blender zu mögen. Am Ende zählt in der dortigen High Society vor allem, wie viel Geld man auf dem Konto oder in Aktien hat.

Jetzt hat Musk leider aber den Makel, dass er einige in Silicon Valley vorherrschenden politischen Vorurteile nicht teilt. Deswegen stimmt er auch mit der einseitigen Meinungsmache der dortigen Eliten auf Web-Plattformen wie Facebook und Twitter nicht überein und hat Twitter gekauft, um dort Dinge zu ändern. Nachdem Silicon Valley seit Jahren einseitige Löschung von Beiträgen mit dem Argument verteidigt hatte, dass Firmen auf ihren Plattformen schließlich machen können, was sie wollen, geht dort nun die Angst um. Denn Twitter gehört jetzt auf einmal jemandem, der dieses Argument gegen dessen Urheber anwenden könnte.

In Deutschland sollten wir uns allerdings dieser Empörung tunlichst nicht anschließen, denn die letzten 50 Jahre der hiesigen Geschichtsforschung zeigen deutlich, dass Meinungsfreiheit keine Gefahr für die Demokratie darstellt. Ganz im Gegenteil. Wenn wir uns vor etwas fürchten sollten, dann vor der politischen Instrumentalisierung solcher Plattformen durch selbsternannte Wahrheitshüter.

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