Kolumne: Alles Kultur
Interessiert das hier jemanden?
Auf unserer Internetseite erscheint sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Montags geht es um Kultur.
Ich möchte über so vieles schreiben, schließlich heißt die Kolumne hier „Alles Kultur“, das bietet schier unbegrenzte Möglichkeiten, könnte man meinen. Doch allein bei der Themenauswahl und beim Schreiben stelle ich mir Sie alle vor. Es ist mir auch klar, dass das nicht geht, ich kann mir nicht jeden einzelnen Menschen hinter den Zeitungsblättern oder an den Tablets vorstellen, wie Sie so auf Seite 2 anhalten und bei der Kolumnenüberschrift überlegen, ob Sie heute meine Kolumne lesen oder nicht. Kleines Geheimnis übrigens: Ich schreibe die Überschriften nicht selbst, das macht die Redaktion.
Wenn ich überlege, ob ich über etwas schreiben sollte, dann stelle ich mir keine schwammige Lesemasse vor, sondern lande gedanklich meistens bei mir bekannten Menschen, von denen ich weiß, dass sie die Zeitung lesen. Ich lande bei meinem Großonkel am Kanal, der Freundin auf der anderen Kanalseite, den Menschen, die mir jeden Montag Leserbriefe schreiben und die beiden Buten-Oostfresen in Hamburg, die meine Kolumne von ihrer Freundin, die in Loga wohnt, zugeschickt bekommen.
Und dann fange ich an, Themen zu streichen, tausche Wörter aus, Anglizismen oder gar Fremdwörter und ja, sogar das ein oder andere Gendersternchen, weil ich weiß, dass es manche von Ihnen stört. Je nachdem, wer mir an dem Tag am präsentesten vor dem inneren Auge erscheint. Am Ende kann ich nur voll richtig oder total daneben liegen.
Wie ich darauf komme, das überhaupt aufzuschreiben? Weil es einen deutschen Ableger einer Serie auf Netflix gibt, in dem fünf queere Menschen das komplette Leben von Anderen auf den Kopf stellen. Ein bisschen wie fünf regenbogenfarbene Tine Wittlers, die sich um Ernährung, Wohnungseinrichtung, Mode, Haare und die mentale Verfassung kümmern. Und ich mich beim Schreiben bei jedem zweiten Wort frage, ob das hier jemanden interessiert und ob die Leserschaft etwas mit den Begriffen und Makeover, Fab Five und Queer anfangen kann. Und was ist mit Tine Wittler, kennt man die eigentlich noch?