Ernährung

Oberledinger setzen sich gegen Lebensmittelverschwendung ein

Geertje Wehry
|
Von Geertje Wehry
| 02.05.2022 10:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Andrea Meiners mit zwei Funden aus ihren Vorräten. Die Kuchenbackmischung war bereits abgelaufen, wird jedoch trotzdem verbacken. Foto: Wehry
Andrea Meiners mit zwei Funden aus ihren Vorräten. Die Kuchenbackmischung war bereits abgelaufen, wird jedoch trotzdem verbacken. Foto: Wehry
Artikel teilen:

Am 2. Mai ist Tag der Lebensmittelverschwendung. Von den rund 75 Kilogramm Lebensmittelabfällen, die jährlich in der Tonne landen, sind einige noch genießbar – Oberledinger retten einige davon.

Oberledingerland - 75 Kilogramm Lebensmittelabfälle landen laut einer Studie des Thünen-Instituts von 2019 jährlich in Deutschland in den Mülleimern. Doch davon sind lange nicht alle unvermeidbare Abfälle wie Knochenreste oder Kaffeesatz. Rund 47 Prozent davon wären eigentlich noch genießbar. Weggeworfen werden sie trotzdem, weil das Haltbarkeitsdatum überschritten ist, es falsch eingekauft wurde oder einfach zu viel gekocht wurde. Inzwischen gibt es zahlreiche Initiativen, die versuchen, diese Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Eine davon ist die Facebookgruppe „Wir retten Lebensmittel im Overledingerland“. Es ist eine von zahlreichen Lebensmitteltauschgruppen aus der Region. Anlässlich des Tags der Lebensmittelverschwendung am 2. Mai hat diese Zeitung mit Andrea Meiners, Gründerin der Gruppe über den sparsamen Umgang mit Lebensmitteln gesprochen.

„Eigentlich jeder, der eine Abstellkammer oder einen Keller hat, hat Vorräte, die immer nach hinten geschoben werden und die teilweise schon abgelaufen sind“, sagt sie. Ihr sei beim Aufräumen die Idee der Gruppe gekommen, als sie Fehlkäufe erneut ganz hinten ins Regal schob. „Es wird viel zu viel weggeschmissen und jeder einzelne kann dazu beitragen, dass es weniger wird“, ist sich die Langholterin sicher. Neben der Müllvermeidung wird so auch gleichzeitig der Geldbeutel geschont, denn was anderswo nicht gegessen oder getrunken wird, ist bei jemand anders gefragt.

Im großen Stil tauschen

Und genau darum geht es. „Der Tee, der mir nicht schmeckt, ist für jemand anders vielleicht super lecker“, sagt Meiners. Aber auch Ernteüberschüsse aus dem Garten könnten so gut verteilt werden. „Ich kannte das schon von der Arbeit, dass man es da mitgebracht hat, aber warum nicht auch im größeren Stil tauschen?“, fragt sie. Wenn sie große Mengen Obst oder Gemüse hat, kocht sie ein. „Da bin ich ganz altmodisch“, sagt sie lachend. Dabei liegt Einkochen inzwischen wieder voll im Trend. So werden aus einem zehn Liter Eimer Tomaten zahlreiche kleine Gläser Tomatensauce, die dann bei Bedarf über die Nudeln gegeben werden. Alternativ wird Frisches bei Familie Meiners häufig eingefroren und wartet so auf seinen Einsatz.

Nicht selten werden abgelaufene Lebensmittel in der Gruppe angeboten. Eben Fehlkäufe, die sich erst im Laufe der Zeit als solche entpuppen. Doch das ist kein Grund, diese gleich in der Tonne verschwinden zu lassen. Wie die Verbraucherzentrale schreibt, sind Produkte häufig nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) „noch zu genießen und nicht automatisch verdorben“. Jedoch sollte die original verschlossene Verpackung richtig gelagert sein. Um zu testen, gilt es dann, die eigenen Sinne einzusetzen. Sieht es noch gut aus, riecht es in Ordnung und schmeckt es normal - das seien die Fragen, die man sich stellen sollte, bevor etwas einfach in die Tonne wandert. „So wird es in der Regel auch bei Lebensmitteln gemacht, die gar kein MHD tragen, zum Beispiel bei Obst, Gemüse oder Brot vom Bäcker“, so die Verbraucherzentrale. Meiners hat noch einen weiteren Tipp. „Ich habe von meiner Mutter gelernt, wenn sich bei Milchprodukten der Deckel nicht wölbt, sind sie meist noch gut“, sagt sie.

Keine Konkurrenz

Wichtig ist Meiners, dass ihre Gruppe keine Konkurrenz zur Tafel sein will. Es ginge nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen, sondern Dinge, die sonst weggeschmissen würden, weiterzugeben. Ein ähnliches Konzept hat auch Foodsharing. Die deutschlandweite Initiative, die auch Gruppen in Rhauderfehn und Leer hat, holt überschüssige Lebensmittel in Restaurants und Supermärkten ab. Bereits seit 2015 kooperieren Foodsharing und die Tafel dabei eng miteinander. Während die Tafeln häufig auf größere Mengen angewiesen sind, werden von Foodsharern, wie sich die Mitglieder nennen, auch einzelne Lebensmittel etwa spontan abgeholt. Sie werden dann gratis an Foodsharer oder andere Haushalte verteilt.

Geplanter geht es dagegen bei der App „To good to go“ zu. In ihr können Lebensmittelgeschäfte und Cafés sowie Restaurants Reste melden. Nutzer erhalten dann eine Übersicht mit Anbietern in ihrer Nähe. Dort können sie gegen Bezahlung Reste abholen. Im Oberledingerland bieten überwiegend Bäckereien zum Feierabend hin gemischte Tüten an. Diese werden dann mit Resten des Tages gefüllt. So landet das Gebäck letztendlich doch auf dem Tisch und nicht in der Tonne.

Ähnliche Artikel