Kolumne: Intern

„Sie berichten zu wenig über Gemeinde ...“

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 29.04.2022 09:12 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Joachim Braun
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Unsere Leserinnen und Leser sind anspruchsvoll und klug. Sie wissen immer genau, was wir Journalisten versäumt haben. Damit haben Sie Recht – ändern wird das allerdings nichts.

Die Klage ist, glaube ich, so alt wie die Lokalzeitung: Wir berichten immer zu wenig, ob über Leer („Früher stand viel mehr in der Zeitung“), über Emden („Über die größte Stadt Ostfrieslands veröffentlichen Sie zu wenig“), über Wiesmoor („Über uns bringen Sie gar nichts“) und auch über Hollen, Gemeinde Uplengen („Bei uns passiert so viel, aber die Zeitung schreibt darüber nicht“). Nie ist es unseren Lesern genug - und das verstehe ich auch. Schließlich interessiert am meisten das, was im eigenen Nahraum passiert. Dafür wird eine Lokalzeitung schließlich abonniert.

Zur Person

Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.

Andererseits können wir täglich nicht mehr als 32 Seiten drucken, müssen ganz Ostfriesland im Blick haben, und die Arbeitskapazität der Redaktion ist auch nicht unbegrenzt - selbst wenn bei uns kaum jemand abends auf die Uhr schaut.

Ich habe es gerade extra mal nachgezählt: Die OZ und der GA haben 27 Reporterstellen für ganz Ostfriesland. Dazu kommen vier Mantel- und fünf Sportredakteure, sechs Blattplaner, fünf Digitalredakteure, drei Redaktionsassistentinnen, acht Volontäre, die vierköpfige Videoredaktion von OTV und die zweiköpfige Chefredaktion. Klingt nach viel, ist es für einen Verlag unserer Größe heutzutage auch, aber am Ende ist es immer zu wenig. Nach 37 Jahren in diesem Beruf kann ich sagen: Das war noch nie anders.

Darum müssen wir das tun, was unsere wichtigste Aufgabe ist: Auswählen und weglassen. Am Ende machen wir‘s immer verkehrt: Für den Fußballer zu wenig Fußball, für den Angler zu wenig Angeln und für den Politikinteressierten zu wenig Politik. Weil jeder Leser etwas vermisst. Natürlich ist unsere Auswahl subjektiv. Natürlich spielt eine Rolle, was am jeweiligen Tag sonst noch los ist. Natürlich machen wir Fehler und schätzen Themen falsch ein. Trotzdem bin ich zufrieden mit dem, was wir zuwege bringen, mit der Vielfalt der Themen und dass es uns im Großen und Ganzen gelingt, das Leben in Ostfriesland abzubilden. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Kontakt: j.braun@zgo.de

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