Energiepreise
Heizen in Ostfriesland wird wohl noch teurer
Der Oldenburger Energieversorger EWE wird wahrscheinlich weiter an der Preisschraube drehen müssen. Das könnte schon zum 1. Juli passieren. Es geht für jeden Kunden um Hunderte Euro pro Jahr.
Oldenburg/Ostfriesland - Die Kunden des Oldenburger Energielieferanten EWE müssen sich wohl auf noch höhere Gaspreise einstellen. Wie EWE-Vorstandschef Stefan Dohler am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz andeutete, geht insbesondere der Preis für Erdgas „in Richtung Erhöhung“. Als Grund nannte er vor allem den Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Versorgungsunsicherheit.
„Bei uns ist jeden Tag Krisenalarm“, sagte Dohler. Der Krisenstab tage täglich. EWE hatte bereits zuvor angekündigt, die Energiepreise nicht mehr nur jährlich, sondern in der anhaltenden Krise mindestens vierteljährlich zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. „Wir wollen uns nicht reich machen“, sagte der Manager. „Aber wir müssen auch unser Unternehmen sichern.“
Erhöhung bereits zum April
Bereits zum 1. April hatte die EWE ihre Gaspreise im Vorjahresvergleich um mehr als 40 Prozent erhöht. Strom wurde fast zehn Prozent teurer. Weitere „Preisanpassungen“ im Verlauf dieses Jahres waren schon Anfang Februar nicht ausgeschlossen worden. Für Hunderttausende Menschen auch in Ostfriesland stiegen die Energiekosten damit empfindlich an. Und zu dem Zeitpunkt war der Krieg in der Ukraine noch nicht einmal ausgebrochen, die Gaspreise aber schon im Steilanstieg.
Wie die EWE damals in einer Online-Pressekonferenz verkündete, waren zunächst 460.000 Kunden in der Grundversorgung betroffen – also jene, die die Tarife „EWE Erdgas Comfort“ und „EWE Strom Comfort“ gebucht hatten. Die bezahlten nach Berechnungen der EWE im Schnitt ab April im Vergleich zum Vorjahr insgesamt etwa 740 Euro mehr pro Jahr. Genauer: Ein sogenannter Standardhaushalt mit zwei bis drei Personen und einem Stromverbrauch von 2800 Kilowattstunden im Jahr bezahlt seit April 95,50 Euro mehr; bei Gaskunden mit einem Verbrauch von 17.500 Kilowattstunden im Jahr sind es 644 Euro mehr. Wer von den insgesamt 1,5 Millionen EWE-Kunden einen sogenannten Laufzeitvertrag mit festen Preisen gebucht hat, war von der Preiserhöhung zum 1. April zunächst einmal nicht betroffen. Wenn deren Verträge verlängert werden, trifft aber auch sie eine Preisanpassung. So weit der Stand von vor fast drei Monaten.
Versorgung erst einmal gesichert
Nun könnte es mit den Preisen weiter bergauf gehen. „Wir haben in der letzten Zeit eine Verfünffachung des Gaspreises erleben müssen“, sagte Dohler zur seit Ende vergangenen Jahres laufenden Energiepreiskrise. Beim Strompreis sei es eine Vervier- bis Verfünffachung gewesen. Kurzfristiges Hauptziel der EWE sei es nun, die Versorgungssicherheit der Menschen im Nordwesten Deutschlands zu sichern. „Unsere Gasspeicher sind derzeit zu 36 Prozent gefüllt“, sagte EWE-Chef Dohler. Aktuell muss sich also niemand Sorgen machen, die Wohnung nicht warm zu bekommen oder nicht kochen zu können.
Es gibt allerdings auch ein „Aber“: Sollte Russland nämlich seine Gaslieferungen - so wie in Polen und Bulgarien - abrupt stoppen, „würde uns das sehr hart treffen“, sagte Dohler. „Das hätte massive Auswirkungen. Und deshalb müssen wir so schnell wie möglich aus dieser Abhängigkeit raus.“
EWE setzt auf Wärmepumpen
Die EWE will sich deshalb Schritt für Schritt vom Gas verabschieden. Dohler kündigte an: „Ab dem kommenden Jahr wird es zunehmend EWE-Standard sein, Neubaugebiete nicht mehr mit Gasanschlüssen zu versorgen.“ Stattdessen setzt EWE ab sofort auf strombetriebene Wärmepumpen.
Gemeinsam mit Herstellern und lokalen Handwerkern soll die Umrüstung auf Wärmepumpen massiv vorangetrieben werden. „Wir wollen nicht einfach nur Kilowattstunden verkaufen“, sagte Dohler. Vielmehr bietet man den Kunden nun etwa auch ein Finanzierungsangebot für Wärmepumpen.