Arbeitsmarkt
Fehlen für die Energiewende die Handwerker?
Dächer dämmen und Heizungen modernisieren – die Deutschen wollen Energiekosten sparen, wo es nur geht. Auch in Ostfriesland ist die Nachfrage enorm. In der Branche könnte das den Fachkräftemangel verschärfen.
Ostfriesland/Berlin - Neue Heizungen und Fenster, Dämmung und Solaranlagen: Für mehr Klimaschutz müssten in Deutschland mehr Häuser energetisch saniert werden. Doch dem Handwerk fehlen Leute, die die Arbeit machen können, wie Branchenverbände und IG Metall mitteilten. „Der Fachkräftemangel und die Arbeitsauslastung im Handwerk bedrohen eine erfolgreiche Klima- und Energiewende.“ Schon jetzt fehlten bundesweit rund 190.000 Handwerker.
Auch in der Region ist das Problem angekommen, wie Albert Lienemann, der Präsident der Handwerkskammer (HWK) für Ostfriesland, sagte: „Wir haben Mitarbeiter genug, aber viel zu viel Arbeit.“ Er selbst ist Chef eines Betriebs für Wärmetechnik in Großefehn – rund 280 weitere gebe es ostfrieslandweit im Bereich Heizungs- und Sanitäranlagen. „Die haben alle gut zu tun.“ Zuletzt sei die Nachfrage deutlich gestiegen, wenn es um die Modernisierung von Heizungen und die Installation von Wärmepumpen gehe. „Erst waren die Gaspreissteigerungen da, dann kam der Ukraine-Krieg.“
Materialmangel ist eine weitere Herausforderung für das Handwerk
Seitdem Russland seinen Angriff Ende Februar begonnen hat, setzt die Bundesregierung darauf, die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas zu reduzieren. Doch damit dies klappe, brauche es genügend Fachkräfte im Handwerk, so Michael Hilpert, der Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima: „Wir brauchen die gezielte Unterstützung der Politik, die erforderlichen Personalkapazitäten aufzubauen und zu sichern.“ Berufsschulen und Bildungseinrichtungen des Handwerks brauchten eine bessere Ausstattung.
Die berufliche Bildung müsse gegenüber dem Studium aufgewertet werden. Staatliche Förderung für energetische Sanierung dürfe es nur geben, wenn die Handwerker nach Tarif bezahlt würden. Das sieht ein Forderungskatalog vor, der von mehreren Branchenverbänden formuliert wurde.
Der HWK-Chef sieht das Problem in der Region hingegen weniger im Nachwuchsmangel: In Ostfriesland seien die Ausbildungszahlen „eigentlich gut“, so Lienemann. Mehr Lehrlinge, als die Betriebe jetzt schon ausbilden, könnten sie eigentlich auch nicht aufnehmen. Es sei die durch die hohen Energiepreise sowie den Krieg angetriebene Nachfrage, die den Betrieben Probleme bereite, weil sie beim Abarbeiten der Aufträge nicht mehr hinterherkämen. „Eine Herausforderung ist momentan aber auch, an Material zu kommen“, sagte Lienemann. Bei Wärmepumpen etwa gebe es momentan – wie bei fast allen elektronischen Geräten – lange Wartezeiten.
Mit Material von DPA