Kolumne: Artikel 1, GG

Die psychische Gesundheit ist wichtig

Canan Topçu
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Eine Kolumne von Canan Topçu
| 27.04.2022 09:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topçu
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Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Mittwochs geht es immer um das Thema Recht.

„Ärgern Sie sich nicht über Dinge, die Sie nicht ändern können!“ Ich bemühe mich, diesem Ratschlag zu folgen. Bekommen habe ich ihn von meiner Therapeutin. Ja, ich habe eine Psychotherapie gemacht und mache bewusst kein Geheimnis darum. Denn noch immer wird diese Behandlungsform tabuisiert und denken Menschen über die, die sich in Psychotherapie begeben, dass diese „nicht ganz dicht im Kopf“ seien. Ich habe nie verstanden, warum Psychotherapie bei so vielen Menschen auf Ablehnung stößt und mit Geisteskrankheit assoziiert wird. Wer den psychischen Ursachen seiner Probleme – und dazu gehören auch körperliche – auf den Grund geht, hat mehr Verstand als all die, die… (Vervollständigen Sie gerne den Satz.)

Zur Person

Canan Topçu (56) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.

Sich von Verhaltensweisen und von Annahmen über sich selbst befreien zu wollen, weil man erkannt hat, dass sie einem körperlich und seelisch schaden, ist ein mutiger Schritt. Diesen Schritt wagen viele nicht, weil die Konsequenzen ihnen vermutlich Angst machen. Und vielleicht stempeln sie deswegen Psychotherapie als eine nicht ernstzunehmende Behandlungsmethode ab. Wer die Ursachen seines Leidens professionell – also mit Psychologen/Psychotherapeuten und -analytikern – herausfinden will, sollte das aber unbedingt ohne Sorge um soziale Ächtung und berufliche Nachteile machen können! Damit komme ich zudem, warum ich mich heute diesem Thema widme: Die Tochter eines guten Freundes will keine Psychotherapie machen – aus Angst, dass das rauskommt und in ihrer Akte vermerkt wird. Das nämlich würde, wie sie recherchiert hat, sich nachteilig auf ihre Verbeamtung als Lehrerin auswirken.

Wenn das stimmt, dann ist das mehr als ärgerlich! Dass angehende Lehrerinnen und Lehrer einen Bogen um eine wissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethode machen, weil es ihrem beruflichen Werdegang schadet… Hallo? Geht’s noch? Wer schadet Schülern wohl mehr? Die, die sich um ihre seelische Gesundheit kümmern oder die, die sie ignorieren?

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