Medien
Auf die Ohren: Podcasts aus dem Landkreis Leer
Podcasts erfreuen sich großer Beliebtheit - und auch Menschen aus dem Landkreis Leer produzieren sie. Wir stellen regionale Podcasts vor und haben einen Experten gefragt, worauf es bei einem erfolgreichen Podcast ankommt.
Landkreis Leer - Die Art und Weise des Medienkonsums verändert sich. Immer mehr Menschen, wollen nicht zu einer bestimmten Tageszeit einschalten, sondern selbst entscheiden, wann sie etwas lesen, sehen oder hören.
Gerade seit der Corona-Pandemie gibt es immer mehr Podcasts, eine Art kleine Radiosendungen, die immer und überall abrufbar sind. Auch aus dem Landkreis Leer gibt es einige Beispiele:
1. Von Frauen für Frauen: „Zonta Teetied“
Beim dem Podcast vom Zonta Club Leer-Ostfriesland, einem „Club von Frauen für Frauen“, heißt es jede Folge „Eine Tasse Tee mit...“.
Die Moderatorinnen Susanne Tertilt und Ute Watermeyer laden zu ihrem Interviewpodcast „Zonta Teetied“ nämlich Menschen ein, „die etwas zu Frauen- und Mädchen-Themen sagen können“, erklärt Tertilt von der Organisation, die sich für die Rechte von Mädchen und Frauen einsetzt. Als sie im Mai 2020 damit anfingen, war der Podcast eigentlich eher für die Zonta-Mitglieder gedacht. „Wir wollten im Club in Kontakt bleiben, da wir uns durch Corona nicht mehr regelmäßig treffen konnten. Dann hat das Fahrt aufgenommen und wir haben das ausgeweitet“, erzählt Susanne Tertilt. Inzwischen gibt es 42 Folgen, die zwischen 15 und 30 Minuten lang und auf allen gängigen Portalen wie Spotify, Apple Podcasts oder Audible abrufbar sind. „Ich hatte die Idee und Ute Watermeyer ist in der Zonta-Welt gut vernetzt“, sagt Tertilt zu der Zusammensetzung des Moderationsduos. „Wir machen das einfach über Skype und zeichnen das auf. Es soll vor allen Dingen authentisch sein.“
2. Digitalisierung greifbar gemacht: „Digitales Ostfriesland“
Ein Interviewpodcast aus Leer ist „Digitales Ostfriesland“ von Andre Schneider und Andre Prygoda. Die Idee dafür stammt von Andre Prygoda, ein Leeraner Unternehmer für „Strategien, Technologien und Marketing für digitales Business“. Für ihn ist es wichtig, „echte Beispiele aus der Region für digitale Prozesse“ zu haben. Denn der Leeraner ist der Meinung: „Nicht nur in Hamburg und den großen Städten gibt es Vorreiter in Sachen Digitalisierung“, sagt Prygoda. Deshalb sei der Pilsumer Leuchtturm Teil des Logos. Er solle in der Pixel-Darstellung gleichzeitig für Ostfriesland sowie für das digitale Thema stehen.
Neben der Inspiration für andere ostfriesische Unternehmen sei es dem Unternehmer zudem wichtig, die an vielen Stellen sehr abstrakten Prozesse der Digitalisierung greifbarer zu machen. Von 2018 bis 2020 gab es bisher zehn Folgen, die zwischen 18 und 51 Minuten lang sind. Derzeit befinde sich der „Digitales Ostfriesland“-Podcast in einer Pause, da sein Kollege sich umorientiert habe, so Prygoda. Schon bald soll es aber neue Folgen geben. „Ich habe schon eine Liste mit neuen Menschen, die ich in unseren Podcast einladen möchte“, verrät Andre Prygoda.
3. Predigten als Podcast
Kein Podcast im ursprünglichen Sinn, aber ganz nah dran ist das, was die Leeraner Baptistenkirche macht: Auf der Webseite wird nämlich jede Woche die aktuelle Predigt hochgeladen. „Die Idee dazu hatten unsere freiwilligen Techniker und ich war sofort dafür. Es war uns besonders während Corona wichtig, als wir noch keine Live-Übertragung der Gottesdienste hatten, die Predigten für alle zugänglich machen zu können. Auch für die, die vielleicht gerade nicht in die Kirche kommen können“, erklärt Pastor Frank Timmermann. Von ihm ist ein Großteil der inzwischen über 100 Audio-Predigten. Er versuche dabei immer, mit Beispielen aus dem Alltag den Menschen das Evangelium nahzubringen.
Aber auch, wenn der Pastor der Baptistenkirche in Leer mal im Urlaub ist, gebe es jede Woche einen neuen Audio-Beitrag. „Das sind nicht immer Pastoren, auch mal Gemeindemitglieder oder Gastprediger“, sagt Timmermann. Die Predigten werden bei den Sonntagsgottesdiensten in der Kirche aufgezeichnet und im Anschluss noch am selben oder nächsten Tag hochgeladen. Die einzelnen sind zwischen 13 und 36 Minuten lang. Es bestehe sogar die Möglichkeit, sich die Predigten einzeln herunterzuladen.
4. Laber-Podcast: „Teetied mit Andy und Uke“
„Entspanntes Schnacken von der Dauer einer guten Kanne Tee.“ – So steht es in der Beschreibung des Podcasts der beiden „Exilostfriesen“ Andy Strauß und Uke Bosse. Denn sie stammen zwar aus dem Landkreis Leer – der eine aus der Stadt Leer, der andere aus Neukamperfehn – jedoch hat es beide mittlerweile in die Großstädte Hamburg und Berlin verschlagen.
Durch einen Zufall lernten sie sich kennen, da beide mal für die Hamburger Medienproduktionsfirma Rocket Beans gearbeitet haben. „Wir haben uns dann irgendwann mal getroffen und beschlossen, einen Podcast zusammen zu machen“, erinnert sich Uke Bosse. „Das passte, weil wir beide Ostfriesen sind.“ Der Schauspieler bezeichnet ihre gemeinsame Arbeit als „teegetränkten Laber-Podcast“, da sie über das sprechen würden, was sie bewegt. Als sie im März 2019 damit anfingen, haben sich Andy und Uke noch persönlich getroffen, seit der Pandemie hätten sie den Podcast immer digital zusammen aufgenommen. „Ich hoffe, dass wir bald wieder zur physischen Realität zurückkehren können“, sagt Uke Bosse. Zurzeit zählt ihr „Teetied“-Podcast 37 Folgen, die zwischen einer halben und ganzen Stunde lang sind – so lange die zwei Exilostfriesen eben für eine Kanne Tee brauchen.
5. Regionale Vielfalt: „Netzwerk Ehrenamt!“
Auf der Webseite der Stabsstelle Ehrenamt und Freiwilligenagentur des Landkreises Leer gibt es ebenfalls einen Podcast. Denn alle vier Wochen sind die Mitarbeiterin der Stabsstelle Lena Busboom oder die Leiterin Monika Fricke als Moderatorinnen der Sendung „Netzwerk Ehrenamt!“ auf dem Sender „Radio Ostfriesland“ vertreten.
Thomas Trauernicht vom Radio-Sender begleite die Aufnahmen und mache den Mitschnitt. Dieser werde dann – natürlich ohne die Musik dazwischen – auf der Seite der Stabsstelle hochgeladen. In den zurzeit 13 Folgen, die online sind, „kommen Ehrenamtliche zu Wort, es wird informiert und Vereine, Projekte sowie Aktionen werden vorgestellt“, heißt es in der Beschreibung. „Damit möchten wir die nahezu unendliche Vielfalt des Ehrenamtes in der Region vorstellen“, teilt der Landkreis mit. Außerdem solle so unter anderem das Ehrenamt und Engagement in Ostfriesland gefestigt und gestärkt und die Menschen in der Region ermutigt werden, sich freiwillig zu engagieren. Der Name „Netzwerk Ehrenamt!“ hängt damit zusammen, dass der Podcast dazu beitragen solle, „das Netzwerk für das Ehrenamt nachhaltig auszubauen“.
Was ist ein Podcast?
Seit Beginn der Pandemie gibt es immer mehr Podcasts. Auch im Landkreis Leer gibt es einige Menschen, die solche Audio-Beiträge produzieren. Experte Martin Geißler erklärt, was ein Podcast ist.
von Dorothee Hoppe
Landkreis Leer/Friedberg - Podcasts gibt es schon seit über zehn Jahren, damals hatten sie aber „noch nicht so die Relevanz wie heute“, weiß Martin Geißler, Inhaber der mgp Studios. Sein Unternehmen hat sich auf Musik- und Audioproduktion spezialisiert und sitzt in Friedberg, nahe Augsburg. „Durch die Corona-Pandemie sind Podcasts ein Trend geworden“, sagt Geißler. Fast vier von zehn Menschen in Deutschland hören Podcasts, das geht aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom von 2021 hervor.
„Ein Podcast ist ein Audio-Beitrag, den man kostenlos und jederzeit auf allen auditiven Medien abrufen kann“, erklärt der Experte. Am leichtesten können Podcasts über das Smartphone gehört werden. Neuere Geräte haben meist von vornerein eine Podcast-App installiert. Neben diesen Standard-Programmen gibt es aber auch viele andere Apps, die man herunterladen kann, zum Beispiel Spotify, Audible und Podimo. Dabei gibt es viele verschiedene Arten, einen Podcast zu gestalten. Es gebe Formate, die eher „seichte Unterhaltung“ bieten, zum Beispiel während der Autofahrt oder beim Kochen. Vielen sind sie bekannt als „Laber-Podcasts“. Weitere Podcast-Formate sind Reportagen, Interviews und Hörspiele. Aber auch einige Unternehmen nutzen die Möglichkeit, sich und ihre Expertise durch die Audio-Beiträge darzustellen. So könnten in Podcasts gut „komplexe Themen in der Tiefe, aber dennoch verständlich erklärt werden“, beschreibt Geißler. Sein Unternehmen unterstützt deutschlandweit Unternehmen bei der Konzeption, Umsetzung und Vermarktung von Podcasts.
Neben Unternehmen wie Geißlers produzieren Radiosender, Verlage, aber auch Privatpersonen ihre eigenen Beiträge. Dabei gibt es allerdings etwas zu beachten, rät der Experte: „Viele gehen davon aus, dass man sich einfach vor ein Mikrofon setzt und redet.“ Vorherige Planung und eine Strategie seien wichtig, wenn man mit einem Podcast wirklich Erfolg haben möchte. „Es müssen viele Zahnräder ineinandergreifen, damit ein guter Podcast entsteht.“ Auch der General-Anzeiger in Rhauderfehn, der wie die OZ zur ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH gehört, hat einen Podcast: „Fertig, los!“
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