Berlin

Marine Le Pen im Portrait: Ihr Vater, ihre Skandale, ihr Verhältnis zu Putin

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 21.04.2022 21:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Am Sonntag entscheidet sich, ob Marine Le Pen die neue französische Präsidentin wird. Foto: dpa/AP/Virginia Mayo
Am Sonntag entscheidet sich, ob Marine Le Pen die neue französische Präsidentin wird. Foto: dpa/AP/Virginia Mayo
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Am 24. April wählt Frankreich ein neues Staatsoberhaupt. Sollte Marine Le Pen gegen Emmanuel Macron triumphieren, hätte das weitreichende Konsequenzen - für Frankreich, Deutschland und Europa. Wer ist die Frau hinter dem „Rassemblement National“?

Bereits im Wahljahr 2017 trafen Emmanuel Macron und Marine Le Pen im Kampf um das französische Präsidentenamt aufeinander. Fünf Jahre später ist vieles anders. Le Pen tritt deutlich gemäßigter auf, sie gibt sich volksnah und sozial. Trotzdem hat die 53-Jährige ein bewegtes Leben hinter sich, darunter auch einige politische Skandale in der Vergangenheit, die sie nun wieder einholen.

Marion Anne Perrine Le Pen wird am 5. August 1968 im Pariser Vorort Neuilly-Sur-Seine als Tochter von Pierrette Lalanne und Jean-Marie Le Pen geboren. Immer wieder hat Le Pen erzählt, dass sie es unter der Ägide ihres Vaters nicht leicht hatte. Dieser gründete in den 1970er Jahren die rechtsextreme Partei „Front National“. In den Jahren fiel er immer wieder durch rechte, sexistische und antisemitische Äußerungen auf, die in der Leugnung des Holocausts gipfelten. Trat Marine Le Pen als Parteimitglied zunächst noch an der Seite ihres Vaters auf, distanzierte sie sich später mehr und mehr von ihm.

Als Vorsitzende des „Front National“ begann sie einen Kurs der „Entdiabolisierung“ zu fahren. Dieser sah unter anderem ein Verbot von offenem Rassismus und der Leugnung des Holocausts vor. Missachtet ein Mitglied diese Regeln, muss es die Partei verlassen. Das gilt auch für den Gründervater Jean-Marie Le Pen, der schließlich 2016 vom „Front National“ ausgeschlossen wird. Marine hat sich mittlerweile so weit von ihrem Vater entfernt, dass sie meist nur noch mit ihrem Vornamen angesprochen werden möchte und die Partei in „Rassemblement National“ umbenennen ließ.

Marine Le Pen war bisher zweimal verheiratet. Zunächst ehelichte sie 1997 den Geschäftsmann und Funktionär des „Front National“ Franck Chauffroy. Aus der Beziehung gingen drei Kinder hervor. 1998 wurde ihre Tochter Jehanne geboren, ein Jahr später folgten die Zwillinge Mathilde und Louis. Im Jahr 2000 ging Le Pens Ehe mit Chauffroy in die Brüche. 2002 heiratete sie Eric Iorio, ebenfalls Mitglied des „Front National“. Auch diese Ehe hielt nicht lange, im Jahr 2006 reichte das Paar die Scheidung ein. Zuletzt war Marine Le Pen mit Louis Aliot liiert, der Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und seit 2020 Bürgermeister der französischen Stadt Perpignan ist. Die Beziehung hielt von 2009 bis 2019.

Trotz all der Distanzierungen hängt Jean-Marie Le Pen offenbar weiter wie ein dunkler Schatten über der Familie. Einst sagte Marine Le Pen über ihre drei Kinder: „Ich sage ihnen: ‘Macht euch darauf gefasst, dass man euch unangenehme Fragen stellt.’ Ich selbst mache das auch schon seit Jahrzehnten mit.“

Wer mehr über Marine Le Pens Einstellung zu Deutschland und der EU erfahren möchte, muss dazu nur in ihr Programm schauen. „Ich bin mir der wirtschaftlichen Verflechtungen und der gemeinsamen kulturellen Einflüsse von Deutschland und Frankreich bewusst. Aber die französische Blindheit gegenüber Berlin, die es unter Emmanuel Macron und Angela Merkel gegeben hat, werde ich beenden.“ Fest steht, dass ein Wahlsieg Le Pens weitreichende Konsequenzen für Deutschland hätte.

So will die Französin die deutsch-französischen Rüstungsprojekte zur Entwicklung eines Kampfpanzers und eines Kampfjets durch eigene französische Programme ersetzen. Darüber hinaus will Le Pen nach eigenen Angaben die deutsche Bewerbung um einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat nicht länger unterstützen. Auf der anderen Seite spricht sie davon, für mehr Deutschunterricht an Schulen und Universitäten eintreten zu wollen.

Während Emmanuel Macron ein Freund der europäischen Idee ist, setzt Marine Le Pen mehr auf nationale Souveränität. Daneben möchte sie bilaterale Bündnisse mit EU-kritischen Ländern wie Polen und Ungarn weiter ausbauen. 2017 warb sie noch mit einem Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union, jetzt ist davon nichts mehr zu hören. Trotzdem geht Le Pen voll auf Konfrontationskurs. So will sie etwa den französischen Beitrag zum europäischen Haushalt um fünf Milliarden Euro kürzen und französisches Recht über europäisches Recht stellen.

„Wenn Sie von Russland sprechen, dann sprechen Sie von Ihrem Geldgeber“, griff Emmanuel Macron im TV-Duell Marine Le Pen scharf an. Die Vergangenheit hatte die französische Präsidentschaftskandidatin zu diesem Zeitpunkt eingeholt. 2017 hatte sie sich bei einer russischen Bank um eine Parteifinanzierung bemüht. Nach übereinstimmenden Medienberichten zahlt die Partei noch heute das Darlehen ab.

Auch sonst hätte der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine für Le Pen nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Sofort ließ sie alle Broschüren und Plakate vernichten, die sie an der Seite von Russlands Präsidenten Wladimir Putin zeigten. Dabei hatte die Französin nur wenige Wochen zuvor ganz andere Töne angeschlagen. „Ich glaube absolut nicht, dass Russland in die Ukraine einmarschieren will“, ließ sie da in einem Interview wissen.

Le Pens Bewunderung für Putin ist nicht von der Hand zu weisen. Im März 2017 trafen die beiden sich zu einem Austausch. Später erklärte sie in einem Interview mit der BBC, von Politikern wie Donald Trump oder Wladimir Putin inspiriert zu sein. Während der Maidan-Proteste solidarisierte sich Le Pen klar mit Putin und sagte, dass für sie die Krim zu Russland gehöre.

Dennoch hat der Ukraine-Krieg Le Pens Einstellung zum russischen Präsidenten beeinflusst. Anfang April sprach sie von „Kriegsverbrechen“, die in der Ukraine geschehen seien. Putin möchte sie bisher jedoch nicht einen Kriegsverbrecher nennen. Zudem sprach sie sich gegen ein Energieembargo gegen Moskau und kritisiert auch sonst die Sanktionen der EU.

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