Berlin

Nach Sinneswandel von Xavier Naidoo: Wendler und Hildmann entsetzt

Jakob Patzke, Carl Lando Derouaux, AFP User
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Von Jakob Patzke, Carl Lando Derouaux, AFP User
| 20.04.2022 08:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Xavier Naidoo hat in einem Video öffentlich Stellung zu seinen verschwörungstheoretischen Aussagen genommen. Foto: dpa/Alexandra Wey
Xavier Naidoo hat in einem Video öffentlich Stellung zu seinen verschwörungstheoretischen Aussagen genommen. Foto: dpa/Alexandra Wey
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Sänger Xavier Naidoo bittet in einem Video um Verzeihung und begründet einen Sinneswandel. Andere prominente Verschwörungstheoretiker reagieren erbost.

„Servus, ihr Lieben“, begrüßt Naidoo die Menschen zum Start des dreiminütigen Videos mit dem Titel „#OneLove“, das der Sänger am Dienstagabend auf seinem YouTube-Kanal hochgeladen hat. Darin kommt er schnell zum Grund, warum er sich nach längerer Zeit bei seinen hinterbliebenen Fans und Anhängern meldet. „Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe. Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue.“

Xavier Naidoo war zuletzt durch krude Verschwörungstheorien aufgefallen. Unter anderem solidarisierte er sich mit den Reichsbürgern und der QAnon-Bewegung. Zudem griff er die Corona-Politik der Bundesregierung an und äußerte sich dabei mitunter antisemitisch. Vergangenes Jahr entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der Künstler als Antisemit bezeichnet werden darf.

Im Video: Xavier Naidoo begründet seinen Sinneswandel

Der Grund, warum Naidoo einen vermeintlichen Sinneswandel erlebt, liegt nach seinen eigenen Angaben im Ukraine-Krieg begründet. Die russische Invasion habe ihn „bestürzt und aufgerüttelt.“ Seine Frau stamme aus der Ukraine. „Und aus diesem wunderschönen Land musste ich jetzt Familie und Freunde rausholen, weil dort Angst und Schrecken herrschen.“

Wegen dieser Ereignisse habe er sich auch selbst reflektiert. „Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe.“ Für seine „verstörenden Äußerungen“ wolle er sich entschuldigen, er habe mit seinen Aussagen Familie, Freunde, Fans und andere Menschen „irritiert und provoziert.“

Die Suche nach Wahrheit sei ein zentraler Punkt seines Charakters, erklärt Xavier Naidoo. Er habe sich auf den Weg gemacht und sich dabei „letztlich verrannt“. Er habe sich „Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage.“ Er habe Dinge gesagt und getan, die er heute bereue, so der Sänger.

Video: Reaktionen unter anderem von Experten zur Entschuldigung von Xavier Naidoo

Das von Naidoo veröffentlichte Video löste bei anderen prominenten Verschwörungstheoretikern offenbar negative Reaktionen aus. So soll Attila Hildmann, ehemals bekannt als veganer Koch und nun eine bekannte Stimme in dubiosen Telegram-Gruppen, die Bekanntmachung Naidoos als „Verrat“ bezeichnet haben. Naidoo sei mit seinem Video „komplett auf BRD-Linie.“ Es würde ihn außerdem nicht wundern, wenn Naidoo demnächst sein Profilbild blau-gelb färben würde. Mit der Distanzierung Naidoos habe er der Telegram-Gemeinschaft einen „Dolchstoß“ verpasst, wurde der Verschwörungstheoretiker in mehreren Medienberichten zitiert.

Auch dem Schlager-Star Michael Wendler, der in jüngerer Vergangenheit mit kruden Thesen über die Corona-Pandemie aufgefallen war, schien der Sinneswandel Naidoos gehörig zu missfallen. Wendler ist ebenfalls eine prominente Stimme auf Telegram. Er soll in einem Kanal gewettert haben, die Wahrheit sei unverhandelbar. Naidoo würde mit seinen Aussagen „die Freiheitsbewegung schockieren“, viele würden sich fragen, was seine Aussagen zu bedeuten hätten.

Andere Nutzer, vermutlich aus einem ganz ähnlichen Spektrum, bezweifelten gar die Echtheit der Videobotschaft. Es handele sich um einen sogenannten Deepfake, wurde geunkt. Bei Deepfakes werden Videos mithilfe künstlicher Intelligenz manipuliert. Der angebliche Hinweis auf die Manipulation: Nie zuvor habe man Xavier Naidoo ohne Sonnenbrille gesehen.

Xavier Naidoo war 2020 aus der Jury der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ geworfen worden, nachdem ein Video von ihm aufgetaucht war, in dem er sich rassistisch äußert. In dem nun vorliegenden Video distanziert sich der Künstler von etwaigen Einstellungen. „Ich stehe für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar. Und ich verurteile diese aufs Schärfste.“

Der in Mannheim geborene Sänger wurde unter anderem als Gründer der Musikgruppe Söhne Mannheims bekannt. Später war er auch als Solosänger und Musikproduzent tätig. Neben seiner Mitgliedschaft im Juroren-Team von „Deutschland sucht den Superstar“ war Naidoo auch Gastgeber des TV-Formats „Sing meinen Song“. Nachdem er immer mehr durch verschwörungstheoretische und antisemitische Aussagen auffällig geworden war, verzichteten viele Radiosender darauf, seine Musik zu spielen.

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