Kolumne: Artikel 1, GG
Die Suche nach dem Trotzdem in einem selbst
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Mittwochs geht es immer um das Thema Recht.
Auf der Webseite der Wochenzeitung „Die Zeit“ las ich einen Artikel über das Thema Hoffnung. Entdeckt habe ich den Text zufällig. Wobei: Es gibt keine Zufälle! Abergläubisch wie ich bin, sehe ich in dem Zeitpunkt einen Wink von „oben“. Just zu der Zeit, in der ich total niedergeschlagen war, hoffnungslos ob der Nachrichten über die Gräueltaten von Menschen an Menschen in Nah und Fern, niedergeschlagen auch wegen persönlicher Probleme (Krankheiten, Immobilität und damit verbundene Gewichtszunahme), wegen des Mich-überfordert-Fühlens durch berufliche Verpflichtungen und all der auf mich wartenden Arbeiten im Haushalt und Garten . . . Just in dieser mich komplett niedergeschlagen fühlenden Zeit stieß ich also auf den Artikel mit der Überschrift „Das große Trotzdem“.
Zur Person
Canan Topçu (56) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.
Mir hat die Lektüre gutgetan! Sie hat das erweckt, was ich in mir ja eigentlich auch habe, aber ob des Zuviels an Negativen um mich herum zugeschüttet war: Es ist das TROTZDEM! Eine Lebenseinstellung, die dazu beiträgt, sich nicht kleinkriegen zu lassen, sich nicht zum Objekt werden zu lassen, nicht die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren und nach einer lethargischen Phase wieder zuversichtlich zu werden.
Falls Sie sich darüber wundern, dass ein Text es schaffen kann, einer niedergeschlagenen Person wieder Zuversicht zu verschaffen: Welche neuronalen Prozesse das bewirken, kann ich nicht erklären, aber versichern, dass es bei mir funktioniert. Wenn ich es erst einmal geschafft habe, mich auf erbauende Lektüre einzulassen, dann habe ich danach eine andere Haltung als davor.
Die wieder erweckte Trotzdem-Haltung ist mit einem Vorsatz verknüpft: jeden Morgen einen ausgiebigen Spaziergang in der Natur machen, also was Gutes für mich tun, um wieder Kapazitäten für andere zu haben.
Womit halten Sie sich in schwierigen Zeiten über Wasser? Was baut Sie auf?
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