Handball
Titel in der 3. Handball-Liga: Ihrhoverin ist Heldin von der Talsperre
Die Frauen des BV Garrel machten am Dienstagabend in Hamburg die Meisterschaft in der 3. Liga perfekt. Einen Aufstieg in die 2. Bundesliga wird es nicht geben.
Garrel/Ihrhove - Am Mittwochmorgen um 9.30 Uhr hätte unsere Zeitung beinahe den Wecker gespielt. „Der hat erst vor ein paar Minuten geklingelt“, sagte die 21-jährige Lisa Noack am Handy und lachte. Denn nach dem größten sportlichen Erfolg ihrer Handball-Laufbahn am Abend zuvor und einer Spontan-Party bis um 3.30 Uhr in der Nacht wartete nun einmal die Arbeit. Auf die Feier wollte die Ihrhoverin verständlicherweise nicht verzichten. Schließlich hatte der kleine Dorfklub aus der Nähe der Thülsfelder Talsperre am Dienstagabend Großes vollbracht. Mit einem 35:25-Triumph in Hamburg beim SC Alstertal-Langenhorn machte die Mannschaft die Meisterschaft in der 3. Liga und den größten Erfolg in der Geschichte des kleinen Vereins perfekt.
Die ostfriesische Rückraumspielerin Lisa Noack hatte maßgeblichen Anteil daran. Beim Sieg, der Titel und Sektdusche bedeutete, war sie mit zehn Treffern die erfolgreichste Werferin. Und mit 120 Saisontoren rangiert sie auf Platz sieben der Drittliga-Torjägerliste. So hatte sich die ehemalige Spielerin des SC Ihrhove 07 die Glückwünsche der vielen Fans, Umarmungen und das ein oder andere Getränk wahrlich verdient.
Feier bis morgens um halb vier
Bis kurz vor Saisonschluss sah der SV Henstedt/Ulzburg wie der kommende Meister aus. Nach einem Patzer des Konkurrenten wendete Garrel nun noch das Blatt. Die Heldinnen von der Talsperre jubelten vor 60 mitgereisten Fans am Dienstag erst in Hamburg und machten nach der Rücktour am späten Abend in Garrel in der „Caféteria“ die Nacht zum Tag. „Wir haben gefeiert – mit allem, was dazugehört“, sagt Lisa Noack. „Ich war um halb vier tatsächlich eine der Ersten, die nach Hause gegangen sind.“
Die angehende Heilerziehungspflegerin hatte nämlich keinen freien Mittwoch. So begann sie zwar etwas müde, aber äußerst beschwingt den Arbeitstag. Seit Sommer 2016 wirft sie schon die Tore für den BV Garrel. Jahrelang fuhren ihre Eltern die damalige Jugendspielerin die 55 Kilometer zum Training und hinterher wieder zurück. Mittlerweile sind die 100-Kilometer-Tage nicht mehr nötig. „Ich wohne in Garrel. Der Ort ist meine zweite Heimat geworden“, erzählt sie. „Und unsere Mannschaft ist wie meine große Familie.“
Mehrheit war gegen Aufstiegsrunde
Vor eineinhalb Jahren erlag Noack trotzdem einmal dem Ruf des bis dahin populäreren Drittligisten SFN Vechta. „Aber es war die Corona-Saison. Da hat es nicht gepasst.“ Nach einem verkorksten Jahr kehrte sie zur alten Handball-Familie zurück, ließ nun den Rivalen aus Vechta in der Tabelle weit hinter sich und will nun auch nicht mehr weg aus Garrel. Dabei gab es kürzlich „innerfamiliär“ unterschiedliche Meinungen zur Zukunft. „Ich hätte gerne an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga teilgenommen“, erzählt die Linkshänderin. „Die Mehrheit aber war wegen des Aufwandes dagegen. Und das kann ich sogar nachvollziehen.“
So begeben sich Lisa Noack und der BV Garrel auch künftig in der 3. Liga auf Torejagd. Noack feierte am Dienstag bereits die dritte Meisterschaft mit dem BV-Damenteam. Vor vier Jahren stieg sie mit dem Verein erstmals in die 3. Liga auf. Nach dem Abstieg folgte sofort die Rückkehr in diese Spielklasse. Und nach dem Intermezzo in Vechta gewann sie nun den nächsten Titel.
Bundesliga aktuell kein Thema
Als herausragende Torschützin und als überall begehrte Linkshänderin hätte sie gewiss das Zeug für noch höhere Ligen. „Für die nächste Saison habe ich in Garrel schon zugesagt“, wiegelt sie ab. Aber kategorisch ausschließen möchte die Torjägerin ein späteres Bundesliga-Abenteuer nicht. „Man sollte niemals nie sagen.“
Doch derzeit genießt die junge Frau, die einst bei Concordia Ihrhove ihre ersten Bälle warf, und später beim Ortsrivalen SC 07 ihre Laufbahn vorantrieb, das Leben und den Handballsport in Garrel.
Gelegentlich schaut Lisa Noack natürlich zu Hause in Ihrhove vorbei. Auch ihre handballerischen Wurzeln hat sie nicht vergessen. „Ich gucke mir immer noch gerne mal Spiele des SC Ihrhove an.“