Kolumne: Klare Kante

„Ideologie-Schrott“

Dieter Weirich
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Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 14.04.2022 09:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Dieter Weirich
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Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Donnerstags gibt es klare Kante.

„Ideologie-Schrott“ nennt Bundeskanzler Olaf Scholz seine einstige Rolle als Klassenkämpfer . Hat der sozialdemokratische Regierungschef seinem früheren, in Juso-Zeiten praktizierten Glauben an den staatsmonopolitischen Kapitalismus seit langem abgeschworen, so fällt so viel „geistige Enteignung“ seinem grünen Koalitionspartner selbst in Zeiten energiepolitischer Erpressbarkeit nicht ein. Eher macht der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck tiefe Bücklinge vor arabischen Despoten, als der „Anti-Atomkraft-Ideologie“ seiner Partei den Laufpass zu geben. Tesla-Gründer Elon Musk hält das für verrückt und die Welt schaut dem zweiten deutschen Traumtanz für eine langfristige Energieversorgung zu.

Zur Person

Dieter Weirich (76), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.

Dabei hatte Habeck in seiner Not eine „ideologiefreie Prüfung“ zu einer Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke versprochen. Alle Optionen sollten streng und ernsthaft geprüft werden. Was die Nutzung der Nuklearenergie angeht, gab es eine Blitzprüfung mit gewissem Ausgang, war das mit vielen grünen Spitzenfunktionären durchsetzte Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz doch mit von der Partie. So war die Beerdigung erster Klasse garantiert. Schließlich kann nicht sein, was nicht sein darf.

Atomausstieg völlig übereilt

Dabei geht es entgegen der Behauptung der Bundesregierung nicht nur um die Strom produzierenden Kraftwerke Emsland bei Lingen, Neckarwestheim und Isar 2 bei München, sondern auch um die drei Ende letzten Jahres abgeschalteten Kraftwerke. So liegt in Grohnde und Brokdorf die Rückbaugenehmigung noch gar nicht vor, in Grundremmingen hat der Rückbau kaum begonnen.

Der Atomausstieg erfolgte 2011 völlig übereilt, Länder in unserer europäischen Nachbarschaft setzen auf diese Technologie oder verlängern die Laufzeit ihrer Kraftwerke. Hinzu kommt, dass Kernkraft zur Verringerung des CO2-Ausstiegs beiträgt, von der EU-Kommission als umweltfreundliche Energie mit grünem Label eingestuft wird.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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