Speyer
Feministin und Familienmensch: Was über Anne Spiegel bekannt ist
Der politische Druck wurde zu groß: Familienministerin Anne Spiegel tritt zurück. In der Vergangenheit sprach die 41-Jährige auch über private Probleme, Dauerstress in der Familie und ihren Mann, der in seiner Rolle als Vollzeitvater diskriminiert wird.
Ihr Ehemann erlitt im März 2019 einen Schlaganfall, ihre Kinder kamen mit der Corona-Pandemie nur schlecht zurecht: Die zurückgetretene Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) gab in ihrer Rede am Sonntagabend mit stockender Stimme private Details bekannt, mit der sie ihre Frankreich-Reise unmittelbar nach der Flut-Katastrophe im Ahrtal rechtfertigte. Was ist sonst noch über die 41-Jährige bekannt?
Wer ist Anne Spiegel?
Spiegel wurde am 18. Dezember 1980 in Leimen (Baden-Württemberg) geboren. Die 41-Jährige hat unter anderem romanische Vorfahren, ihre Großmutter mütterlicherseits stammt aus Sizilien, einer ihrer Großväter aus Rumänien. Spiegel ist in Speyer und Ludwigshafen am Rhein aufgewachsen, besuchte die Albert-Schweitzer-Grundschule und machte am Heinrich-Böll-Gymnasium im Jahr 2000 ihr Abitur. Im Anschluss studierte sie an der TU Darmstadt Politik, Philosophie und Psychologie mit Stationen an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, der Uni Mannheim und der Universität Salamanca in Spanien. Im Frühjahr 2007 legte sie ihren Abschluss als Magistra Artium an der Uni Mainz ab.
Nach dem Studium war Spiegel, die ein Faible für Fremdsprachen hat und gerne Italienisch und Spanisch spricht, zwei Jahre als Sprachtrainerin tätig, unter anderem bei Berlitz, in Mannheim und Heidelberg.
Wie verlief Spiegels politische Karriere?
Ihre politische Karriere startete Spiegel beim Landesvorstand der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz. Auf der internationalen politischen Bühne war sie 2005 als Jugenddelegierte bei einer Generalversammlung der Vereinten Nationen. 2011 dann der Durchbruch: Spiegel wurde Landesabgeordnete, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und setzte sich für die Gleichstellung von Frauen ein, warb für Integration und Migration. Vor allem Flüchtlingspolitik, Frauenförderung, Kinder, Familie und Jugend liegen ihr am Herzen.
Von Mai 2016 bis Mai 2021 war sie Ministerin für Familie, Jugend, Integration und Verbraucherschutz des Landes Rheinland-Pfalz, ab Januar 2021 - nach dem Rücktritt von Ulrike Höfken - zusätzlich Umweltministerin sowie Stellvertreterin der Ministerpräsidentin im rheinland-pfälzischen Kabinett Malu Dreyer. Spiegel bezeichnet sich selbst als Feministin und leidenschaftliche Familienpolitikerin. Seit dem 8. Dezember 2021 ist sie Bundesfamilienministerin im Kabinett Scholz - am 11. April 2022 gab sie ihren Rücktritt bekannt.
Was ist über Spiegels Ehemann und die gemeinsamen Kinder bekannt?
Spiegel ist Mutter von vier Kindern. Drei bekam sie während ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete, das vierte 2018 während ihrer Zeit als Familienministerin in Rheinland-Pfalz. Die Familie lebt in Speyer.
Verheiratet ist Spiegel mit dem Schotten Daniel Spiegel, der bei der Geburt der ersten Tochter seinen Job aufgab und seitdem den Haushalt schmeißt, wie die Ministerin im Gespräch mit „Bunte“ sagte: „Mein Mann kümmert sich seit dem ersten Kind komplett um den Nachwuchs. Er liebt es wirklich.“ In einem Interview mit der „Welt“ sprach sie über Diskriminierung, die Väter erfahren, wenn sie sich um Kinder und Haushalt kümmern: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Mann, der komplett zu Hause ist und sich um die Kinder kümmert, auch Diskriminierungserfahrungen macht – etwa, wenn ihm im Café überfürsorgliche Mütter zeigen wollen, wie man einem Baby die Flasche gibt.“ Ohnehin sei sie Lästereien wegen der Rollenverteilung gewohnt.
Auf ihrer Webseite schreibt Spiegel, dass sie gerne Zeit mit ihren Kindern verbringt, Spieleabende liebt und gerne wandert und kocht. Seit 25 Jahren ist sie bekennende Vegetarierin. Das Backen übernimmt ihr Mann. Privat interessiert sich Spiegel außerdem für Kaiser- und Königspinguine und hat eine Leidenschaft für Second-Hand-Mode.
Kranker Mann, vier Kinder, Corona-Pandemie - eine zu hohe Belastung?
Den gemeinsamen Familienurlaub in Frankreich rechtfertigte Spiegel damit, dass ihr Mann nach dem Schlaganfall im März 2019 unbedingt Stress vermeiden sollte. Zudem hätte die Corona-Pandemie die vier Kinder stark belastet: „Die Corona-Pandemie war für uns mit vier kleinen Kindern, ein Kind im Kita-Alter, und drei Kindern im Grundschulalter eine wahnsinnige Herausforderung.“
Bereits zuvor sagte die Familienministerin in mehreren Interviews, dass ihre Kinder während der Lockdown-Phasen sehr unter der Schließung von Kitas und Schulen gelitten hätten. Auch die geschlossenen Spielplätze seien schwer zu verkraften gewesen, wie sie dem RND im Dezember 2021 sagte: „Als sie die Absperrbänder gesehen haben, flossen die Tränen.“ Diese Zeit habe zu Dauerstress geführt: „Gleichzeitig Homeschooling organisieren und die kleineren Kinder davon abhalten, die größeren zu stören.“
Im Februar 2022 fragte „Spiegel“-Redakteur Markus Feldenkirchen die Familienministerin, ob sie ihren Mann bei der Familien- und Hausarbeit unterstützen könne. Darauf antwortete sie: „Ich tue was ich kann. Vor allem sorge ich dafür, dass, wann immer ich mal Zeit habe, mein Mann seine Auszeit kriegt.“