Unfall

Das haben die Ermittlungen zum Fährunfall in Norddeich ergeben

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 11.04.2022 17:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Juist-Fähre (Foto) der Frisia-Reederei war am Sonntagnachmittag gegen ein Norderney-Fährschiff gedrückt worden. Foto: Bodo Kiefer
Eine Juist-Fähre (Foto) der Frisia-Reederei war am Sonntagnachmittag gegen ein Norderney-Fährschiff gedrückt worden. Foto: Bodo Kiefer
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Am Sonntagnachmittag waren zwei Fähren der Reederei Frisia im Norddeicher Hafen zusammengestoßen. Wir haben zu den Ermittlungen und auch dem Osterferien-Fährverkehr nachgefragt.

Norddeich - Die Polizei-Ermittlungen zu dem Fährunfall im Norddeicher Hafen am Sonntagnachmittag sind abgeschlossen. Das teilt die Wasserschutzpolizei in Emden auf Nachfrage mit. Derzeit werde das Meldeblatt geschrieben, das dann an die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) gehe, heißt es. Andere Behörden waren noch am Montag für Untersuchungen an Bord. Zum Unfallhergang heißt es von der Wasserschutzpolizei, dass gegen 16 Uhr eine Fähre der Reederei Frisia - die „Frisia IX“ - kurz nach dem Ablegen im Norddeicher Westhafen mit Fahrtziel Juist durch starken Seitenwind aus westlicher Richtung erfasst worden war.

Die Juist-Fähre wurde durch den Zusammenstoß beschädigt. Fensterscheiben sind zerbrochen. Foto: Bodo Kiefer
Die Juist-Fähre wurde durch den Zusammenstoß beschädigt. Fensterscheiben sind zerbrochen. Foto: Bodo Kiefer

Der Wind drückte das rückwärtsfahrende Schiff seitlich gegen eine an der Kaimauer stillliegende Autofähre, die „Frisia I“, die zwischen Norden und Norderney verkehrt. Der Beamte von der Wasserschutzpolizei nannte es im Gespräch mit dieser Zeitung ein „Manöver, das nicht geglückt war“ und dass „fahrtechnisch“ und nicht technisch etwas schief gelaufen sein müsse. Bei der Juist-Fähre „Frisia IX“ wurde durch den Zusammenstoß die Backbordseite in der Mitte des Schiffs eingedrückt. Drei Scheiben des unteren Salons gingen dadurch zu Bruch. Fünf der 320 Fahrgäste wurden dadurch leicht durch Glassplitter verletzt. Diese Zeitung hatte zunächst von vier leichtverletzten Personen berichtet. Die Passagiere mussten jedoch nicht behandelt werden und konnten zusammen mit den anderen Fahrgästen ihre Reise nach Juist auf einer anderen Fähre fortsetzen.

Das bedeutet der Unfall für den Fährverkehr

Bis auf Kratzer und Farbschäden im Bereich der Scheuerleiste achtern an Backbord ließen sich bei der Norderney-Autofähre keine Schäden erkennen, so die Wasserschutzpolizei. Insgesamt wird der Schaden auf einen fünfstelligen Betrag geschätzt. Die genaue Begutachtung erfolge durch die zuständige Klassifikationsgesellschaft der beiden Schiffe. Frisia-Reederei-Sprecher Fred Meyer erklärte auf Nachfrage dieser Zeitung am Montag, dass das beschädigte Juist-Schiff nach Beendigung der Polizeiuntersuchungen von der Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr begutachtet würde und dann - sobald die zerstörten Scheiben mit Platten provisorisch verschlossen würden - zur Werft gebracht werde.

Weil die Reederei eine „große Flotte“ habe, werde das Ausfallen der Fähre auch zu den Osterferien, zu denen traditionell die Insel-Saison richtig Fahrt aufnimmt, „ausgeglichen werden können“, so Fred Meyer. „Es ist unsere kleinste Juist-Fähre“, meinte er. Der sehr viel stärker genutzte Fährverkehr nach Norderney sei dadurch beispielsweise nicht gestört. Zu den aktuellen Ermittlungen, etwa auch zum laut Wasserschutzpolizei missglückten Manöver, wollte er nichts sagen. Man müsse erst einmal abwarten.

Bei der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen mit Sitz in Hamburg wurde der Unfall bereits „zur Kenntnis“ genommen, sagte ein Vertreter gegenüber dieser Zeitung. Die Wasserschutzpolizei werde „grundlegende Details“ dazu an sie weiterleiten, dann werde der BSU-Direktor entscheiden, inwieweit von ihrer Seite aus weiter ermittelt werden müsse. „Es hängt von der Schwere ab“, sagte der Vertreter. Generell würden sie aktiv, wenn es sich um sehr schwere oder schwere Seeunfälle handle oder wenn ein Sicherheitsproblem vermehrt auftrete. Er verglich es mit dem Straßenverkehr, bei dem auch Unfallschwerpunkte stärker untersucht werden. Während die Wasserschutzpolizei vor Ort schaue, ob Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten zu einem Schiffsunfall geführt hatten, schaue die BSU bei Sicherheitsproblemen genau hin. In dem Fall des Fährenunfalls sehe er es bislang nicht so, dass ein „grober Verstoß“ vorliege.

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