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Die Beete wollen jetzt vorbereitet werden

Thomas Harms
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Von Thomas Harms
| 10.04.2022 11:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor Mitte Mai ist es nachts noch zu kalt, auch wenn die sonnigen Tage das Gewächshaus schon gewaltig aufheizen und den Hobbygärtner auf dumme Gedanken bringen, meint Gärtnermeister Thomas Harms. SymbolFoto: AdobeStock
Vor Mitte Mai ist es nachts noch zu kalt, auch wenn die sonnigen Tage das Gewächshaus schon gewaltig aufheizen und den Hobbygärtner auf dumme Gedanken bringen, meint Gärtnermeister Thomas Harms. SymbolFoto: AdobeStock
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Die Gartenarbeit steht an: Thomas Harms ist Rhauderfehner Gärtnermeister und GA-Kolumnist und weiß, was nun im Gemüsegarten gepflanzt werden muss.

Rhauderfehn - Die Sonne im März hatte die Stauden ja schon ziemlich dazu angeregt, anzutreiben und die ersten Triebe aus dem Boden zu schieben, da war es jetzt also mal an der Zeit, die Pflanzenreste abzuschneiden, die bislang noch als Winterquartier für viele Gartennützlinge gedient hatten. Damit auch die Langschläfer unter den überwinternden Insekten nicht unsanft geweckt werden, ist es meiner Meinung nach sinnvoll, den Gartenschnitt nicht sofort zu kompostieren, sondern zuerst an einer ruhigen Stelle im Garten zu lagern, wo sich das Gartenleben dann in Ruhe weiter entfalten kann.

Ich habe in den letzten Jahren dadurch sehr viele Falter, Käfer, Bienen und andere Insekten an mein Grundstück binden können. Die Vögel kommen dann von selbst und man hat ganz von allein ein kleines heiles Stück Natur im Garten.

Vor der Ernte steht die Arbeit

Für mich sind die Riesenbunde von Schnittgrün Wochen vor den Abholterminen der Müllabfuhr immer wieder ein persönliches Ärgernis. Hier wird, damit der Garten zu Ostern „schön aufgeräumt“ aussieht, die Säge und die Schere meist wahl- und planlos angesetzt. Zurück bleiben dann bis auf den Stumpf verkrüppelte Ziersträucher.

Wer im letzten Jahr dem Trend zum Gemüse aus dem eigenen Garten gefolgt ist, hat die Preisanstiege bei Obst und Gemüse wohl nicht so extrem spüren müssen wie diejenigen unter uns, die ihren täglichen Vitaminbedarf im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt einkaufen müssen. Wir waren auch in der glücklichen Lage, uns mit Möhren, Zwiebeln, Bohnen, Kohl, Zucchini und Porree aus dem Garten und Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen aus dem Gewächshaus versorgen zu können.

pH-Wert des Boden ist stellenweise gesunken

Aber vor der Ernte steht die Arbeit. Also: Stiefel an und Ärmel hoch! Die Beete wollen vorbereitet werden. Dort, wo bereits komplett abgeerntet war, habe ich den Boden von Gräsern und Kräutern befreit, mit einer Hacke aufgelockert und mit frischem Kompost angereichert. Durch die Niederschläge des Winters und die damit verbundene teilweise Vernässung war der pH-Wert des Boden stellenweise ziemlich gesunken. Hier musste noch mit Gartenkalk nachgeholfen werden. Ist der Boden zu sauer, werden Nährstoffe festgelegt und sind nicht mehr für die Pflanze verfügbar. Aber, Vorsicht: Auch ein durch zu üppige Kalkgaben hoher pH-Wert kann zur Festlegung von Nährstoffen führen.

Hier hilft ein im Landhandel oder dem Gartenmarkt erhältlicher pH-Test bei der Bestimmung des Ist-Zustandes und der Wahl der Behandlung. Jetzt sind zuerst folgende Pflanzen an der Reihe, in den Boden gebracht zu werden: Zwiebeln, Schalotten, Knoblauch, Möhren, Spinat, Radieschen und große Bohnen. Alle diese Pflanzen kommen mit einem relativ geringen Nährstoffangebot aus. Es reicht also meist eine Zugabe von Kompost und eventuell etwas Hornspänen und gekörntem Rinderdung.

Mutterboden und Kompost 1:1

Anders verhält es sich hier mit Kartoffeln. Die wollen schon etwas geboten bekommen, um sich mit guten Erträgen zu Bedanken. Da mein Garten relativ tief liegt und bei heftigen Regenfällen schnell dazu neigt, länger nass zu stehen, pflanze ich meine Kartoffeln gerne in Kübel. Ich mische dazu Mutterboden und Kompost 1:1, gebe reichlich Hornspäne dazu (frischer Stallmist beherbergt meistens Drahtwürmer, die sich liebend gerne in den Kartoffeln einnisten und die Ernte vermiesen) und fülle meine Kübel zu einem Drittel mit dieser Mischung.

Die im Gewächshaus vorgekeimten Kartoffeln pflanze ich ca. vier Zentimeter tief und kann jetzt im Laufe des Wachstums regelmäßig meine Mischung aus Kompost und Erde auffüllen. Das ist vergleichbar mit dem Anhäufeln der Kartoffeln im Freiland. Durch die Kultur in Kübeln vermeide ich, dass die Kartoffeln bei Regen im Wasser stehen und kann mir außerdem die Ernte erleichtern, indem ich lediglich den Kübel auskippen muss und später bei der Ernte keine Kartoffel mit der Grabegabel verletze.

Im Gewächshaus ist jetzt noch relative Ruhe, hier wachsen Kohlrabi und Kopfsalat, im Hochbeet Radieschen. Tomaten, Gurken, und andere wärmeliebende Pflanzen stehen in den geheizten professionellen Gewächshäusern meiner Kollegen bedeutend besser als in meinem Hobby-Gewächshaus. Die Nächte sind immer noch viel zu kalt, auch wenn bereits die ersten Pflanzen zum Verkauf angeboten werden. Ich bleibe dabei – vor Mitte Mai ist es nachts noch zu kalt, auch wenn die sonnigen Tage das Gewächshaus schon gewaltig aufheizen und den Hobbygärtner auf dumme Gedanken bringen.

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