Soziales

Rentner sollte 5000 Euro für zehn Frauen zahlen

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 10.04.2022 11:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Siegfried Wittrin kannte seine Frau Luise schon als Schüler. Seitdem sie vor eineinhalb Jahren gestorben ist, fühlt der Weeneraner sich sehr einsam. Nun sucht der unternehmungslustige 80-Jährige eine neue Partnerin für gemeinsame Unternehmungen. Foto: Gettkowski
Siegfried Wittrin kannte seine Frau Luise schon als Schüler. Seitdem sie vor eineinhalb Jahren gestorben ist, fühlt der Weeneraner sich sehr einsam. Nun sucht der unternehmungslustige 80-Jährige eine neue Partnerin für gemeinsame Unternehmungen. Foto: Gettkowski
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Siegfried Wittrin ist Witwer und sucht eine Partnerin. Durch eine Kontaktanzeige fand der Weeneraner aber nicht die erhoffte neue Bekanntschaft, sondern erlebte eine herbe Enttäuschung.

Weener - Seine 80 Jahre sieht man Siegfried Wittrin nicht an. Der Weeneraner steckt voller Unternehmungslust. Er fährt gerne mit dem Fahrrad oder unternimmt Tagesausflüge mit dem Auto die Küste. Normalerweise war seine Frau Luise immer mit dabei. Vor eineinhalb Jahren endete der gemeinsame Lebensweg. „Luise ist an Krebs gestorben“, sagt der Rentner. Nun möchte er eine neue Partnerin kennenlernen. Am liebsten so eine wie Beate aus der Bekanntschaftsanzeige, auf die er sich gemeldet hat. Nach den Erfahrungen mit einer Partnervermittlung hat Siegfried Wittrin so seine Zweifel, ob diese Beate wirklich existiert.

Was und warum

Darum geht es: Ein Weeneraner fühlt sich durch eine Partnervermittlungsfirma getäuscht.

Vor allem interessant für: Menschen, die einen Partner suchen.

Deshalb berichten wir: Ein Rentner hat sich in der Redaktion gemeldet, um vor dem in seinen Augen unlauteren Geschäftsgebahren einer Partnervermittlungsfirma zu warnen.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

In einer Tageszeitung wurde Wittrin auf die Bekanntschafts-Annonce aufmerksam: Beate, 69 Jahre, Witwe, 1,63 Meter groß, schön und junggelblieben, bin gerne Frau und sehne mich nach Liebe und Zärtlichkeit. Suche guten, anständigen Mann, den ich gerne umsorgen und versorgen möchte, auch bis 80 Jahre, lautete der Text. „Ich fand diese Beschreibung sehr ansprechend und habe mich gemeldet“, erzählt der Weeneraner. Mit dem Kürzel „pv“ vor der Telefonnummer konnte er zu dem Zeitpunkt noch nichts anfangen. Heute weiß er, dass die Buchstaben „pv“ auf eine gewerbliche Partnervermittlung hinweisen. „Damit nahm das Lügentheater mit der Partnervermittlungsfirma seinen Lauf“, sagt der Weeneraner.

Ärger über „Lock-Anzeige“

Unter der Nummer meldete sich nach den Worten des Rentners die Mitarbeiterin einer Partnervermittlung. Man vereinbarte einen Besuch in seiner Wohnung. „Wir führten ein nettes, unverfängliches Gespräch“, erzählt er. Die Frau wollte einiges von ihm wissen und habe auch einiges über Beate erzählt. „Weil sie meinte, dass wir gut zueinander passen, wollte ich wissen, wo diese Beate denn wohnt.“ Die Partnervermittlerin habe ihm mitgeteilt, dass sie auf der anderen Seite der Ems in der Nähe von Leer wohne. Weitere Auskünfte habe er aber nicht erhalten. Erst müsse das Geschäftliche erledigt werden, hieß es. Auf das Drängen der Frau habe er sich tatsächlich überreden lassen, einen Vertrag zu unterzeichnen.

„Als sie weg war, habe ich mir das in Ruhe durchgelesen und den Vertrag sofort widerrufen“, erzählt er. Die Partnervermittlung habe von ihm 5000 Euro verlangt, dafür wollte man ihm den Kontakt zu zehn Frauen vermitteln, die an einer Partnerschaft interessiert wären. Siegfried Wittrin sieht sich von dem Unternehmen arglistig getäuscht. „Ich will ja keine x-beliebige Frau, sondern nur die in der Anzeige beschriebene Beate kennenlernen“, stellt er klar. Er hält die Annonce für eine reine Lock-Anzeige und wollte das Unternehmen zur Rede stellen. Unter der auf der Visitenkarte von der Mitarbeiterin der Partnervermittlung angegebenen Telefonnnummer sei niemand mehr zu erreichen gewesen.

Tänzer haben gute Chancen

Mareke Eilers, Verbraucherberaterin der Verbraucherzentrale in Aurich, warnt vor solchen Geschäftspraktiken. Vor allem mit online abgeschlossenen Vermittlungsverträgen gebe es häufiger Probleme. „Man sollte sich nicht unter Druck setzen lassen und sich ausreichend Zeit nehmen, Verträge sorgfältig durchzulesen, um gut informiert Entscheidungen treffen zu können“, rät sie. Die Vermittler seien speziell geschulte Verkäufer. Insbesondere wenn diese energisch zur Unterzeichnung eines Vertrages drängen würden, sei Vorsicht geboten, warnt die Verbraucherberaterin.

Siegfried Wittrin will nach dieser herben Enttäuschung die Initiative ergreifen und selbst eine Bekanntschaftsanzeige in der Tageszeitung schalten. Die Psychologin und Paartherapeutin Dr. Ute Schulewski hält das für eine gute Idee. „Dabei ist es sinnvoll, sich selbst, aber auch die eigenen Erwartungen an einen Partner oder eine Partnerin zu beschreiben“, sagt sie. Es gebe aber durchaus Möglichkeiten, andere Menschen persönlich kennenzulernen, beispielsweise bei Freizeitaktivitäten. Als Beispiele nennt die Psychologin das Engagement in einem Verein, eine Gruppenreise oder den Tanztee in Bad Zwischenahn. „Männer, die tanzen können, sind sehr gefragt“, sagt Dr. Ute Schulewski.

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