Berlin

Befristetes Tempolimit - welche Auswirkungen hätte es?

Torben Kessen
|
Von Torben Kessen
| 06.04.2022 16:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Artikel teilen:

Die Ampel-Koalition ist sich beim befristeten Tempolimit uneinig. Ein Faktencheck zeigt, welche Einsparpotenziale eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen wirklich bietet.

Die Bundesregierung ringt intensiv um ein Tempolimit: Vor allem die Grünen sind für ein befristetes Tempolimit auf Autobahnen, um die Abhängigkeit von russischem Öl kurzfristig zu reduzieren. FDP-Verkehrsminister Volker Wissing konterte, ein Tempolimit sei aufgrund von Schildermangel nicht umsetzbar. „Man müsste entsprechende Schilder aufstellen, wenn man das für drei Monate macht, und dann wieder abbauen“, sagte Wissing der „Hamburger Morgenpost“. So viel Schilder habe man laut dem Bundesverkehrsminister gar nicht auf Lager.

Video: Diese Auswirkungen hätte ein befristetes Tempolimit

In Deutschland wird nicht erst seit dem Ukraine-Krieg, sondern schon seit Jahrzehnten über ein mögliches Tempolimit auf den Autobahnen gestritten. Dabei werden immer wieder Argumente dafür und dagegen genannt. Ein Faktencheck.

Sicher ist, dass durch ein Tempolimit insgesamt weniger Kraftstoff verbraucht würde und damit weniger Öl aus Russland importiert werden müsste. Laut Umweltbundesamt (UBA) hängt der verbrauchte Kraftstoff in hohem Maße von der Fahrweise und dem Nutzungsverhalten ab. Dabei wird vor allem bei Höchstgeschwindigkeiten viel Sprit benötigt. Ein Auto mit einer mittleren Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometer (km/h) statt 120 km/h spart bei gleicher Streckenlänge rund 15 Prozent Kraftstoff ein.

Unbestritten ist, dass der Ausstoß klimaschädlicher Gase bei niedrigerer Geschwindigkeit zurückgeht. Es gibt jedoch unterschiedliche Auffassungen, ob dies ein generelles Tempolimit auf Autobahnen rechtfertigt. Das UBA legte im Februar 2020 dazu eine neue Studie vor. Demnach ließen sich mit einem Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde die Treibhausgasemissionen des Verkehrs um jährlich 1,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente mindern. Zum Vergleich: Insgesamt war der Verkehrssektor nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2017 für Emissionen in Höhe von 115 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich.

Grafik: Diese Statista-Karte zeigt die deutsche Sonderrolle

Dieses Argument ist in der Debatte umstritten. Eine vom Potsdamer Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung 2007 veröffentlichte Studie für Brandenburg ergab, dass dort, wo in dem Bundesland Tempolimits eingeführt wurden, die Zahl der Unfälle, Getöteten und Verletzten deutlich zurückging. Der ADAC hält einen Einfluss genereller Tempobegrenzungen auf die Unfallzahlen gleichwohl für nicht erwiesen. Er setzt auf flexible Höchstgrenzen, die den aktuellen Bedingungen auf der Straße angepasst sind, damit der Verkehr gut fließt.

Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft aus dem September 2021 stützt diese Aussage. Rund 77 Prozent der Autofahrer fahren laut der IW-Studie auch auf Abschnitten ohne Tempolimit langsamer als 130 km/h. Weitere zwölf Prozent fahren zwischen 130 und 140 km/h, und weniger als zwei Prozent fahren schneller als 160 km/h.

Ein weiterer Trend wurde durch die gestiegenen Spritpreise im Zuge des Ukraine-Krieges sichtbar: In einer YouGov Deutschland-Umfrage vom 1. bis zum 4. April gaben 12 Prozent an, gar kein Auto mehr zu fahren. 44 Prozent würden weniger Auto und ein Drittel (33 Prozent) langsamer fahren.

(mit dpa)

Ähnliche Artikel