Essen
Hoffentlich genug Spargel für Ostern
Kurz vor der Ernte kam die Kälte: Dass er alle Kunden an Ostern mit Spargel versorgen kann, hofft Daniel Santen aus Diele. Wir tragen zusammen, wie es um Preise und Saisonarbeiter bestellt ist.
Landkreis Leer/Landkreis Cloppenburg - Plötzlich kam die Kälte und die mag der Spargel so gar nicht. „Wir hatten super Wetter, als wir letzte Woche Montag das erste Mal gestochen haben“, sagt Daniel Santen, der in Diele einen Spargel- und Erdbeerhof betreibt. Dann ging es rapide bergab mit den Temperaturen. „Die Ernte ist seither um 80 Prozent zurückgegangen“, sagt er. Derzeit rücken er und die Helfer nur jeden zweiten Tag aus, um die Stangen zu stechen, bei besserem Wetter täglich. Die Gruppe der Saisonarbeiter aus Polen komme seit Jahren zum Hof von Santen, sagt er. Manchmal gebe es Nachbarn oder Freunde, die hinzukämen. In diesem Jahr gebe es aber bald mehr neue Gesichter. „In diesem Jahr wollen auch gerne Geflüchtete aus der Ukraine helfen und sich etwas dazuverdienen.“ Derzeit warteten fünf auf die Genehmigung dafür.
Was und warum
Darum geht es: Spargel ist beliebt. Wir haben nachgefragt, wie die Preise in diesem Jahr aussehen und ob das Wetter dem Spargelessen an Ostern einen Strich durch die Rechnung machen könnte.
Vor allem interessant für: Die, die gerne Spargel mögen
Deshalb berichten wir: Die Saison geht los. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Gerade die Osterfeiertage sind ein absatzstarkes Geschäft – wenn nicht wie im vergangenen Jahr die Pandemie dazwischenkommt. „Die Gastronomie ist in diesem Jahr wieder ein Abnehmer“, so Santen. Das sei sehr positiv. Er hoffe allerdings gleichzeitig, dass er allen Kunden genug Spargel liefern könne. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 1,7 Kilo Frischware ist Spargel nach wie vor das beliebteste Frühlingsgemüse in Deutschland, teilt die Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer Niedersachsen mit. Ob gerade an Ostern genug Stangengemüse da sein werde, wisse er nicht.
Verkauf startet noch nicht überall
„Die Stürme haben in diesem Jahr zu einigen Ausfällen geführt, und durch das Wetter derzeit ernten wir nicht so viel, aber wir geben alles“, so Santen. Und das täten sicherlich auch die anderen Spargelbauern in der Region, fügt er hinzu. „Es wird schwierig, aber wir werden es schaffen“, sagt der Großwolder Gemüsebauer und Hofladenbetreiber Janno Schmid. Mit „wir“ meint er sich und seine fünf polnischen Erntehelfer. Im Hofladen in Diele wird der Spargel seit Mittwoch verkauft. Aber wie sich der Preis für das Kilo entwickeln wird, könne man noch nicht sagen, so Santen. „Man hört von den ersten Händlern auf den Märkten, dass der Preis zwischen 15 und 18 Euro liegt.“ So ist es zum Beispiel bei Santens Berufskollegen Andreas Döpke aus Garrel im Kreis Cloppenburg. Am 1. April fand sein Spargel im Frischehof-Laden an der B 72 reißenden Absatz – obwohl das Kilo knapp 16 Euro kostete.
In Großwolde bleibt der Hofladen, den Janno Schmid leitet, noch geschlossen, wie es auf Facebook heißt: „Aufgrund des quasi Wintereinbruchs können wir unsere Tore noch nicht öffnen. Es dauert noch gut eine Woche.“ Nach Ostern werde dann allerdings nicht nur dort, sondern auch im neuen Laden im Tichelmarkt in Tichelwarf Spargel verkauft. Mit den Preisen vom Discounter könne wohl keiner der Läden mithalten, wird Fred Eickhorst, Geschäftsführer und Vorstandssprecher der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer Niedersachen in einer Mitteilung zitiert. Eines der strengsten Pflanzenschutzmittelgesetze der Welt und hohe Mindestlöhne sind einige Gründe, weshalb der Spargel aus der Region teurer sei. „Im Supermarkt konkurrieren unsere Produkte dann mit Obst und Gemüse aus europäischen Nachbarländern und Übersee, die neben den niedrigeren Sozial- und Umweltstandards noch mit einem höheren CO2-Fußabdruck zu uns transportiert werden“, so Eickhorst weiter.
Angebot und Nachfrage
„Wie immer bestimmten natürlich Angebot und Nachfrage den Preis“, sagt Spargelbauer Santen. In den vergangenen Jahren habe zum Beispiel der Lieferservice, den der Hof anbot, guten Absatz gefunden. „Es ging darum, gerade Älteren, die Angst hatten, in den Hofladen zu kommen, unsere Produkte zu bringen. Es wurde oft genutzt. Mal sehen, ob das so bleibt“, sagt er.
Ob sich „die Verbraucher angesichts der allgemein kräftig gestiegenen Verbraucherpreise – besonders bei Energie – noch das Luxusgemüse Spargel gönnen werden“, sei noch nicht klar, meint Vereinigungs-Vorsitzender Eickhorst. Teurer werde es aber wohl: Wenn im Oktober der Mindestlohn auf zwölf Euro pro Stunde steige, bedeute das eine Lohnsteigerung innerhalb von zehn Monaten um 25 Prozent, so Eickhorst. Der Lohnkostenanteil in diesem Bereich liege für Betriebe in Deutschland zwischen 40 und 60 Prozent.
Die im Oktober anstehende Anpassung des Mindestlohns sorge schon jetzt für eine Lohnsteigerung, sagt Spargelbauer Andreas Döpke. „Viele unserer polnischen Erntehelfer gehen davon aus, dass sie schon jetzt Anspruch auf die zwölf Euro haben. Die zahlen wir bisher nicht, sind aber nur noch knapp drunter“, schildert Döpke und weiß: „Wenn man den Erntehelfern noch weniger zahlen wollte, setzten die sich sofort wieder ins Auto und führen wieder zurück nach Polen.“ Die höheren Kosten müssten natürlich über den Verkaufspreis aufgefangen werden. „Ein schmaler Grat“, meint Döpke, denn: „Unser Produkt muss noch bezahlbar, für den Kunden erschwinglich sein. Und die technischen Mittel, um Kosten im Rahmen zu halten, seien beim Spargelstechen so gut wie ausgereizt. Die höheren Kosten müssten natürlich über den Verkaufspreis aufgefangen werden. „Spargel ist eben ein Lebensmittel, für das sehr viel Handarbeit nötig ist“, so Santen. Wolle man gute Qualität, müsse sie auch entlohnt werden.