Hamburg

Müssen Badegäste in Deutschland bald frieren?

Jakob Drechsler
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Von Jakob Drechsler
| 01.04.2022 18:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schwimmbadbesucher könnten sich womöglich bald an kälteres Wasser gewöhnen müssen. Foto: Picture Alliance/dpa
Schwimmbadbesucher könnten sich womöglich bald an kälteres Wasser gewöhnen müssen. Foto: Picture Alliance/dpa
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Erste öffentliche Schwimmbäder drosseln Wassertemperaturen. Was eine Gasrationierung für Besucher bedeuten könnte.

Müssen sich Schwimmbadbesucher bald auf kälteres Wasser einstellen? Nach Informationen unserer Redaktion denken bundesweit immer mehr öffentliche Bäder darüber nach, angesichts weiter steigender Energiepreise die Temperaturen zu drosseln.

Nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) haben einzelne Betriebe sogar schon damit begonnen, die Wassertemperatur in Schwimmerbecken um 2 Grad Celsius zu senken. Auch Warmbadetage werden mitunter bereits eingeschränkt.

„Natürlich bereiten auch wir uns auf die massiven Folgen von drohenden Lieferengpässen und Gasrationierungen oder gar eines vollständigen Embargos vor“, sagt DGfdB-Geschäftsführer Christian Mankel, dessen Verband etwa 1000 der rund 7000 öffentlichen Hallen- und Freibäder vertritt.

„Um in diesen Szenarien einen Basisbetrieb der Bäder dennoch aufrecht erhalten zu können, wird über Maßnahmen wie Schließung von Außenbecken und Rutschen sowie ‚Luxus-Angeboten‘ nachzudenken sein“, sagt Mankel.

Neben der Wasser- könnten auch die Lufttemperatur gesenkt und Blockheizkraftwerke außer Betrieb gesetzt werden müssen. Die meisten Bäder werden mit Gas oder Fernwärme geheizt. Mankel: „Unser Arbeitskreis Energie und Ressourcen bereitet gerade eine umfassende Checkliste vor.“

Sollte es in Deutschland vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs zu einem russischen Gaslieferstopp kommen, könnten städtische Bäder sogar komplett geschlossen werden.

In Nordrhein-Westfalen haben erste Großstädte ihre Badbetreiber nach Informationen unserer Redaktion bereits konkret dazu angehalten, Notpläne für den Fall einer Gasrationierung zu entwickeln.

Auch Hamburg bereit sich auf entsprechende Szenarien vor. „Wir haben nicht den Auftrag zu gucken, ob wir auch funktionieren, wenn die Wassertemperatur kälter ist“, sagt Michael Dietel vom städtischen Betreiber Bäderland zwar.

Gleichwohl werde geprüft, wie ein Schwimmbad auch mit weniger Energie betrieben werden könne. „Aber das hat dann Auswirkungen auf die bislang erwartete Qualität: Entweder man kann nicht rutschen oder in die Sauna gehen oder hat ein bisschen kühleres Wasser.“

In den Bäderland-Becken reichen die Wassertemperaturen von 28 Grad im Mehrzweckbecken über 32 Grad im Nichtschwimmerbecken bis zu 37 Grad etwa in einem Whirlpool. In den vergangenen Jahren wurde das Wasser immer wärmer – weil es vielen Schwimmern danach verlangt.

„Früher war man mit 25 Grad schon zufrieden, jetzt sind 28 Grad für viele schon zu kühl“, sagt Dietel. Nur in der rein auf sportliches Klientel ausgerichteten Alster-Schwimmhalle ist das Wasser mit 27 Grad noch ein wenig kälter geblieben. „Aber darunter wird es auch unangenehm.“

Nicht auszuschließen, dass sich in Hamburg alle Badegäste angesichts der Gas-Frage bald umgewöhnen müssen. „Wenn es exorbitant teurer wird, müssen wir vielleicht ein halbes Grad weniger fahren“, sagt Dietel. „Oder im Sommer wird das Ganzjahresfreibad nicht mehr beheizt.“

Gleichwohl hätten die Schließung der sieben beheizten Freibäder und drei Außenrutschen einen nur geringen Einspareffekt. „Um wirklich was zu retten, müsste man schon ganze Bäder schließen“, sagt Dietel. „Das geht aber nicht, weil die Nachfrage aus der Daseinsvorsorge einfach da ist.“

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