Gemüsebau

Stecher bekommen mehr Geld: Spargel wird teurer

Günter Radtke
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Von Günter Radtke
| 01.04.2022 17:09 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Spargel zählt in Deutschland zu den beliebtesten Gemüsesorten. Foto: Pixabay
Spargel zählt in Deutschland zu den beliebtesten Gemüsesorten. Foto: Pixabay
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Trotz Nachtfrost und Schnee: Auf hiesigen Feldern wird jetzt der erste Spargel gestochen. Er wird um die 20 Prozent teurer als im vorherigen Jahr. Gemüsebauer Andreas Döpke in Garrel erklärt, warum.

Großwolde/Rhauderfehn/Garrel - „Wir haben die ersten Stangen schon gefunden“, scherzt Janno Schmid, Hofladenbetreiber in Großwolde, und fügt flugs hinzu: „Aber zum Spargelernten ist es noch zu kalt.“ Sein Berufskollege Andreas Döpke aus Garrel im Kreis Cloppenburg hingegen wagt es. „An diesem Freitag fangen wir an und stechen den ersten Spargel der Saison“, versichert er, während er die Wetter-App auf seinem Smartphone öffnet und staunend sagt: „Es soll doch tatsächlich Frost und Schnee geben.“ Und genau so kommt es.

Döpke hält trotzdem an seinem Plan fest. Am Freitag stechen polnische Erntehelfer den ersten Spargel des Jahres. Wenige Stunden später steht er bei Döpkes Frischehof-Laden an der B 72 zum Verkauf und findet reißenden Absatz – obwohl das Kilo knapp 16 Euro kostet.

„Es wird schwierig“

Auf den Spargelfeldern von Schmids Hofladen in Großwolde hingegen werden die Warmhaltefolien das für Frühling stehende Stangengemüse voraussichtlich noch eine Woche länger hüten. „Wir müssen schauen, ob es so kalt wird, dass sich der Spargel nochmal wieder zurückzieht oder ob es unter den Folien so warm bleibt, dass er weiter austreibt“, erklärt Gemüsebauer Janno Schmidt. In den kommenden Tagen werde sich über die Temperaturen entscheiden, wie schnell der Spargel wachse.

Am allerliebsten hätte Schmid für seine Pflanzen ein Frühlingswetter wie in der Vorwoche – mit viel Sonnenschein und Temperaturen bis um die 18 Grad. Doch danach sieht es jetzt und in der kommenden Woche nicht ansatzweise aus. „Es wird schwierig, aber wir werden es schaffen“, übt er sich der Großwolder in Zuversicht. Mit „wir“ meint er sich und seine fünf polnischen Erntehelfer.

Schon jetzt Lohnsteigerung

Auf Döpkes Spargelfeldern im Kreis Cloppenburg sorgt die maschinell noch ausgefeiltere Ausstattung dafür, dass unter einer Doppelfolie und einem mit etwas Abstand darüber ausgebreiteten Vlies „der erste Spargel schon von unten gegen die Folie drückt“, wie Andreas Döpke sagt. Auch er spricht von einer schwierigen Situation, meint damit aber nicht das Erntewetter, sondern die Kosten für Ernte und Vermarktung des Stangengemüses. Die im Oktober anstehende Anpassung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde sorge schon jetzt für eine Lohnsteigerung von rund 20 Prozent im Vergleich zum vorherigen Jahr.

„Viele unserer polnischen Erntehelfer gehen davon aus, dass sie schon jetzt Anspruch auf die zwölf Euro haben. Die zahlen wir bisher nicht, sind aber nur noch knapp drunter“, schildert Andreas Döpke und weiß: „Wenn man den Erntehelfern noch weniger zahlen wollte, setzten die sich sofort wieder ins Auto und führen zurück nach Polen.“ Die höheren Kosten müssten natürlich über den Verkaufspreis aufgefangen werden.

„Ein schmaler Grat“, meint Andreas Döpke, denn: „Unser Produkt muss noch bezahlbar, für den Kunden erschwinglich sein. Eine Delikatesse, aber kein Luxusartikel.“ Und die technischen Mittel, um Kosten im Rahmen zu halten, seien beim Spargelstechen so gut wie ausgereizt. „Wir werden deshalb den ersten Spargel bis um Ostern herum für 15,90 Euro je Kilo anbieten“, sagt Döpke, der in den kommenden Spargel-Monaten bis zu 20 aus Polen angereiste Erntehelfer beschäftigen wird.

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