Interview

Fridays for Future in Leer: „Es gibt uns noch“

Katja Mielcarek
|
Von Katja Mielcarek
| 31.03.2022 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Bewegung Fridays for Future hat in Leer viele junge Leute mobilisiert und sensibilisiert. Unser Foto ist von der ersten Demonstration im März 2019. Damals kamen mehr als 1000 Teilnehmer. Foto: Ortgies/Archiv
Die Bewegung Fridays for Future hat in Leer viele junge Leute mobilisiert und sensibilisiert. Unser Foto ist von der ersten Demonstration im März 2019. Damals kamen mehr als 1000 Teilnehmer. Foto: Ortgies/Archiv
Artikel teilen:

Was ist los mit Fridays for Future in Leer? Vor einer Woche demonstrierten junge Aktivisten in mehr als 300 deutschen Städten, in Leer rührte sich nichts.

Leer - Am vergangenen Freitag gab es in Deutschland in mehr als 300 Städten Demonstrationen von Fridays for Future. In Leer demonstrierte niemand. Was ist los mit Fridays for Future in Leer, wollten wir vom Sprecher der jungen Aktivisten, Mischa Lauterbach, wissen.

Ähnliche Artikel

Redaktion: Gibt es Fridays for Future in Leer überhaupt noch?

Mischa Lauterbach: Sie meinen, weil es am Freitag in Leer keine Aktion von uns gab? Doch, es gibt uns noch, aber wir haben im Moment Probleme, Nachwuchs für unsere Gruppe zu finden. Während der Pandemie in den vergangenen zwei Jahren sind kaum neue Leute zu uns gestoßen. Gleichzeitig haben viele Ältere und besonders Aktive von uns das ländliche Ostfriesland verlassen, weil sie woanders arbeiten oder studieren. Unter diesen Bedingungen haben wir es diesmal leider nicht geschafft, eine Demonstration zu organisieren.

Mischa Lauterbach Foto: Mielcarek
Mischa Lauterbach Foto: Mielcarek

Redaktion: Hat das Interesse bei den jungen Leuten nachgelassen, oder warum kommen keine neuen Mitglieder?

Lauterbach: Bei uns gibt es keine Mitgliedschaft. Wir haben eine offene und hierarchielose Struktur. Jede und Jeder kann dazukommen und niemand muss sich verpflichten. Das ist, wie ich finde, eine große Stärke von Fridays for Future. Aber während der Pandemie war das auch ein Problem. Früher haben wir offene Versammlungen im JUZ gemacht, die wir Plena nennen. Dabei haben wir Themen besprochen und Aktionen verabredet. Das konnte so nicht mehr stattfinden. Und auch richtige Demos konnten wir ja nicht machen. Dass zu unserer letzten Aktion vor der Bundestagswahl wieder 700 Teilnehmende kamen, zeigt aber, dass das Interesse nach wie vor groß ist.

Redaktion: Fridays for Future ist in Leer bekannt geworden, als die Gruppe der Politik mit einer Analyse der Situation in der Stadt und vielen Verbesserungsvorschlägen den Spiegel vorgehalten hat. Viel umgesetzt wurde aber nicht. Nicht sehr motivierend, oder?

Lauterbach: Für viele von uns ist Fridays for Future ihr erstes politisches Engagement. Die Erkenntnis, dringend nötige und auch mögliche Veränderungen nicht innerhalb einiger Monate erreicht zu haben, kann sehr enttäuschend und desillusionierend sein. Man muss oft gegen Wände laufen, bis sie schließlich fallen – das ist keine besonders leichte Erfahrung.

Redaktion: Ihre Gruppe hat aber immerhin einen beratenden Sitz im Ausschuss für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr bekommen. Würden Sie mir zustimmen, dass sie in den vergangenen Jahren da eine Chance liegen gelassen haben, etwas zu verändern?

Lauterbach: Ja, das sehe ich auch so. Wir haben uns nicht so stark eingebracht, wie wir das hätten tun können. Aber wir haben den Sitz ja weiterhin und wir wollen uns in dieser Wahlperiode deutlich aktiver zeigen. Es gibt aus unserer Sicht in Leer noch vieles, was besser laufen könnte.

Fridays for Future in Leer sorgte für Aufsehen, als Mischa Lauterbach, Luzie Richter und Johann Bartz (von links) den Mitgliedern des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr viele Missstände in Leer aufzeigten. Rechts der Ausschussvorsitzende Jochen Kruse. Foto: Mielcarek
Fridays for Future in Leer sorgte für Aufsehen, als Mischa Lauterbach, Luzie Richter und Johann Bartz (von links) den Mitgliedern des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr viele Missstände in Leer aufzeigten. Rechts der Ausschussvorsitzende Jochen Kruse. Foto: Mielcarek

Redaktion: Wie soll es denn jetzt mit Fridays for Future in Leer weitergehen?

Lauterbach: Ich bin überzeugt davon, dass die Bewegung bei vielen das Bewusstsein für die Dramatik der Klimakrise und ihre Bedeutung für jede Einzelne und jeden Einzelnen geweckt hat. Ich bin optimistisch, dass wir unsere Bewegung wieder beleben können. In Aurich und Emden haben wir eine solche Entwicklung auch beobachtet. Und wenn wir uns den fahrradfreundlichen Umbau des Innenstadtrings oder die geplante Fahrradstation am Bahnhof anschauen, tut sich in Leer ja wirklich etwas. Dazu haben wir unseren Beitrag geleistet. Der durch europäische Energieimporte finanzierte Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine zeigt einmal mehr, dass Klimaschutz und der Kampf für Menschenrechte und Demokratie immer zusammen gedacht werden müssen. Das wird sich auf unsere Region auswirken - Stichwort Fracking.