Kolumne: Artikel 1, GG
Wer kennt Fury?
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal in der Woche eine Kolumne. Mittwochs geht es um Verbindendes und Trennendes in den Kulturen.
„Na Fury, wie wär’s mit einem kleinen Ausritt, hast du Lust?“ So begann mein guter Freund Dirk neulich das Telefongespräch. Ich lachte herzlich, weil ich verstand, was es mit diesem Satz auf sich hat, ich Dirk gut kenne und um seinen Humor weiß.
Dirk und ich tauschen uns viel am Telefon aus. Vor allem, wenn er von Hamburg in das Kaff fährt, wo er die Renovierung des Hauses beaufsichtigt, das seine Frau und er sich als Alterssitz gekauft haben. Mal führen wir ernste Gespräche, mal blödeln wir rum.
Zur Person
Canan Topçu (56) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.
Vielleicht kennen auch Sie Fury und wissen, was es mit dem Zitat auf sich hat. Es ist aus dem Vorspann der US-amerikanischen Serie, die auch in Deutschland lief und von dem Waisenjungen Joey und seinem Freund Fury handelt. Wenn Joey den Namen des Pferdes in die Landschaft ruft, hört es Fury von der Ferne, galoppiert zu Joey, kniet sich vor ihm, damit der Junge aufsteigen kann. Dann reiten beide davon.
Warum erzähle ich Ihnen das? Weil Dirk und ich uns Gedanken darüber machten, was Menschen so alles verbindet. Dirk ist auch Journalist, allerdings schon in Altersteilzeit, acht Jahre älter und im Ruhrgebiet als Nachkommen von polnischen Einwanderern aufgewachsen. Unsere Freundschaft hält schon seit rund 20 Jahren; uns verbinden gemeinsame Erlebnisse – und eben auch Fury.
Es sind auch kulturelle Kontexte und Codes, die verbinden. So das Ergebnis unseres gemeinsamen Nachdenkens. Und „Fury“ ist so ein Code. Wir beide haben, wenn auch nicht in denselben Jahren, diese Serie geguckt und können uns darüber austauschen, was wir an dieser Serie toll fanden, warum wir uns mit Joey identifizierten und Fury so toll fanden. Das schafft Nähe.
Was lässt sich darauf ableiten? Dass Gemeinsamkeiten helfen, Fremdheit zu überwinden und wir alle unseren Teil dazu beitragen können. Sei es, dass wir Möglichkeiten für gemeinsame Erlebnisse schaffen. Kunst und Kultur – auch die populäre wie eben eine US-amerikanische Serie – sind eine Brücke.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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