Fußball
Spielabbruch bei der A-Jugend: Beide Vereine werden bestraft
Rudelbildung, Abbruch und ein Polizeieinsatz: Ein A-Junioren-Spiel in Aurich lief aus dem Ruder. Das Sportgericht bestraft nun beide Klubs. RW/Kickers Emden ist entsetzt. Der Trainer zog Konsequenzen.
Hesel - Das abgebrochene A-Junioren-Spiel zwischen der SpVg Aurich und der JSG Rot-Weiß Emden/BSV Kickers Emden II wird gegen beide Mannschaften gewertet. Beide Teams erhalten null Punkte und 0:5 Tore. Die Entscheidung des Sportgerichts des Fußballkreises Ostfriesland nach einer mündlichen Verhandlung am Donnerstagabend in Hesel hat bei den Emdern für große Aufregung gesorgt. „Das geht nicht. Wir gehen in Berufung“, sagte Rot-Weiß-Klubchef Markus Tebben. Für seinen Verein hat das Urteil weitere Konsequenzen: Trainer Bernd Balbach war so entsetzt, dass er von seinem Traineramt zurückgetreten ist. Aurichs Vorsitzender Werner Hoffmann kündigte für seinen Verein keine weiteren Schritte an. „Auch wenn wir uns etwas Milderes gewünscht hätten, akzeptieren wir das Urteil. Wir hoffen, dass das Thema damit abgeschlossen ist.“
Beide Vereine erhielten wegen der Verurteilung Geldstrafen. Zudem wurde ein Auricher Spieler, der einen Emder geschlagen haben soll, für bis zu zwölf Wochen gesperrt. Aurichs Co-Trainer muss zudem ebenfalls für einen tätlichen Angriff eine Geldstrafe bezahlen.
Tumulte kurz vor der Pause
Rückblick: Das Fußball-Spiel der Ostfrieslandliga war am Sonnabend, 5. März, kurz vor der Pause von Schiedsrichter Gerhard Dorenbusch abgebrochen worden, nachdem es zu einer Rudelbildung gekommen war, an der sich in kurzer Zeit nicht nur Spieler beteiligt hatten. Als der Unparteiische in der Kabine verschwunden war, war der Tumult noch in vollem Gange und konnte dann von Vorstandsmitgliedern aufgelöst werden. Weil die Emder sich nach eigener Darstellung auch von Auricher Zuschauern bedroht gefühlt hatten und deshalb nicht die Kabine aufsuchen wollten, riefen sie die Polizei. Drei Streifenwagen mit sechs Polizisten rückten an und stellten auch eine Halsverletzung eines Emder Spielers fest, die – so der Vorwurf der Emder – vom Auricher Co-Trainer verursacht worden war.
Auslöser für den Tumult in dem Spiel mit schon aufgeheizter Stimmung war ein Foulspiel kurz vor der Pause. Ein Emder foulte einen Auricher von hinten. Als der Schiedsrichter den Gästespieler mit einer Karte bestrafen wollte, revanchierte sich der Auricher mit einem Schubser. Diese Sichtweise teilen alle Beteiligten. Wer dann wie und wann in den Tumult eingriff, wird von beiden Seiten unterschiedlich gesehen. „Es gibt bei einer Rudelbildung im Fußball sicherlich nicht eine reine Täter- und eine Opferseite“, hatte Aurichs Klubchef Werner Hoffmann, der wie Emdens Markus Tebben (unterstütze das Trainerteam) das Spiel verfolgte, schon im direkten Nachgang des Spieles gesehen.
Emder Trainer tritt zurück
Das sehen die Emder anders. Sie fühlen sich zu unrecht bestraft. „Wir sind erst nach dem Abbruch von Außen auf den Platz gekommen, um zu deeskalieren. Dass wir dafür nun bestraft werden, können wir einfach nicht akzeptieren“, sagte Markus Tebben.
Nachdem beide Vereine das Urteil am Freitagvormittag erhalten hatten, sorgte das bei Emdens Trainer Bernd Balbach für großen Frust. Darin war zu lesen, dass beide Vereine für den Spielabbruch verantwortlich seien und die Partie deshalb gegen beide Teams gewertet werde. „Dass wir mit als Täter degradiert wurden, kann ich nicht akzeptieren. Da bin ich an einem Punkt, dass es für mich nicht mehr weiter geht. Für mich werden die Tatsachen verdreht. Deshalb trete ich zurück.“
Wie entscheidet das Bezirksgericht?
Emdens Einspruch gegen das Urteil des Kreissportgerichtes wird dann auf dem Schreibtisch der nächst höheren Distanz landen. Das Bezirkssportgericht wird schauen, ob es dem Urteil des Kreissportgerichts folgen kann oder zu einer anderen Sichtweise kommt.
Brisanterweise trafen beiden Mannschaften schon 14 Tage nach dem Spielabbruch zum Rückspiel aufeinander. Die Partie auf dem Kunstrasenplatz von Rot-Weiß Emden endete Sonnabend wenige Tage vor der Verhandlung 1:1. „Wir hatten auch extra acht Ordner für das Spiel gestellt“, sagt Markus Tebben. Auch wegen der Vorgeschichte kamen rund 300 Zuschauer zu der Partie, die friedlich und problemlos über die Bühne ging. Dafür hatten Verantwortliche beider Vereine auch im Vorfeld gesorgt.
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