Finanzen

Stadt Weener will Schrottschiffe aus dem Hafen verbannen

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 25.03.2022 14:05 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die „Captiva“ wurde an Land geholt. Foto: Gettkowski
Die „Captiva“ wurde an Land geholt. Foto: Gettkowski
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Der maritime Charakter macht den besonderen Reiz des Hafens von Weener aus. Vor der Altstadtkulisse sind die Schiffe ein besonderer Hingucker. Viele sind aber gleichzeitig das Sorgenkind der Stadt.

Weener - Der Alte Hafen in der historischen Altstadt ist das Aushängeschild der Stadt Weener. Auch aktuell stehen dort wieder Wohnmobile dicht an dicht, um direkt an der Hafenkante den einmaligen Ausblick zu genießen. Doch die schön anzusehenden Traditionsschiffe, die dem Hafen seine einzigartige Atmosphäre verleihen, werden immer weniger. Großes Sorgenkind sind die Schrottschiffe im Hafen.

Was und warum

Darum geht es: Der Hafen von Weener ist die Visitenkarte der Stadt – finanziell betrachtet ist er allerdings ein Fass ohne Boden. Nicht nur die Entschlickung und die Sanierung der Schleuse schlagen ins Kontor. Großes Sorgenkind sind die vielen Schrottschiffe.

Vor allem interessant für: alle, die sich für den Hafen von Weener interessieren.

Deshalb berichten wir: Im Rat wurde der Wirtschaftsplan der Hafen und Tourismus GmbH beraten.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Mit der Yacht „Captiva“ musste unlängst wieder ein marodes Schiff aus dem Hafen an Land geholt werden. „Die Bergung der Captiva wurde auch vonseiten des Eigners veranlasst“, teilte Stadtsprecherin Kerstin Beier auf Nachfrage mit. Der Abtransport der Yacht stehe nach aktueller Aussage des Eigners nun unmittelbar bevor. Im Wirtschaftsplan der Hafen und Tourismus Gmbh (HuT) sind 25.000 Euro Entsorgungskosten vorgesehen – obwohl die Tochtergesellschaft der Stadt eigentlich einen strikten Sparkurs fahren muss. „Es steht zu befürchten, dass weitere Schrottschiffe aus dem Hafen geholt werden müssen“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Die hat bereits ihre Erfahrungen gemacht.

Heiko Abbas liegt der Hafen von Weener besonders am Herzen. Abbas ist nicht nur Bürgermeister der Stadt, sondern auch Geschäftsführer der Hafen und Tourismus GmbH. Foto: Gettkowski
Heiko Abbas liegt der Hafen von Weener besonders am Herzen. Abbas ist nicht nur Bürgermeister der Stadt, sondern auch Geschäftsführer der Hafen und Tourismus GmbH. Foto: Gettkowski

Stadt ließ maroden Kahn verschrotten

Im vergangenen Jahr war der ehemalige Kutter „Miltiades“ endgültig abgewrackt worden. Das Schiff war bereits im Sommer 2020 Leck geschlagen und aus Sicherheitsgründen an Land geholt worden. Weil der Eigner sich nicht um die Entsorgung kümmerte, ließ die Stadt den maroden Kahn verschrotten – und bleibt wie es aussieht auf den Kosten sitzen und das nicht zum ersten Mal. Im Jahr 2010 war im Hafen die „Nora von Bremerhaven“ auf Grund gesunken und musste geborgen werden – auf Kosten der Stadt. Bergung und Entsorgung des Zweimastschoners kosteten damals 25.000 Euro. Die Befürchtung der Verwaltung, dass sich solche Vorfälle wiederholen könnten, kommt nicht von ungefähr. Entlang der Kaimauer kann man noch so manchen einen alten Kahn entdecken, dem man eine Seetauglichkeit nicht mehr zutraut.

Nicht alle Schiffe im Hafen von Weener sind in einem guten Zustand. Foto: Gettkowski
Nicht alle Schiffe im Hafen von Weener sind in einem guten Zustand. Foto: Gettkowski

„Probleme tauchen dann auf, wenn etwa die aktuellen Eigner nicht ermittelt werden können oder ihren Pflichten nicht nachkommen“, so die Stadtsprecherin weiter. Eine Lösung für die sachgerechte Entsorgung zu finden, sei für die Verwaltung stets mit viel Kommunikationsaufwand und rechtlichen Prüfungen verbunden. Die Hafenordnung biete die Möglichkeit, sogenannte Schrottschiffe Zug um Zug aus dem Hafen herauszubekommen. Ein Problem sei es häufig, wenn Eigentümer der HuT nicht mitgeteilt würden. „Hiervon sind grundsätzlich alle Häfen betroffen.“

Die Traditionsschiffe machen den besonderen Reiz des Hafens von Weener aus. Foto: Gettkowski
Die Traditionsschiffe machen den besonderen Reiz des Hafens von Weener aus. Foto: Gettkowski

Problem ist auch in Leer bekannt

In der Stadt Leer ist dieses Problem nicht unbekannt. Dort war im Jahr 2013 der Kutter „Sirius“ gesunken. Das Schiff lag als schwimmender Fischimbiss im Leeraner Hafen. Der Eigner hatte die Frist zur Bergung seinerzeit verstreichen lassen. Um weitere Schäden durch das marode Schiff abzuwenden, ließen die Stadtwerke es zu einer Schiffsverwertung nach Papenburg bringen. Doch die Firma gab den Betrieb auf und die „Sirius“ musste wieder zurück nach Leer gebracht werden. Der Rechtsstreit der Stadtwerke mit dem Eigentümer des Kutters dauert nach Auskunft von Stadtwerkesprecher Edgar Behrendt immer noch an. Der Streitwert liegt inzwischen bei mehr als 100.000 Euro. „Es geht um die Übernahme der Bergungs- und Lagerungskosten für das Schiff.“

Das Schiff „Animo“ (im Hintergrund) hat kein Problem mit der Seetauglichkeit. Regelmäßig fährt es vom Liegeplatz zur Ver- und Entsorgungsstation im Hafen. Foto: Gettkowski
Das Schiff „Animo“ (im Hintergrund) hat kein Problem mit der Seetauglichkeit. Regelmäßig fährt es vom Liegeplatz zur Ver- und Entsorgungsstation im Hafen. Foto: Gettkowski

Verzögerung hat positiven Effekt

Mit Blick auf die Finanzen ist der Hafen von Weener auch in anderer Hinsicht ein Fass ohne Boden. Die Schleusensanierung ist neben der fehlenden Wassertiefe durch den Hafenschlick das größte Problem. Im vergangenen Jahr hatte die HuT 260.000 Euro für die Sanierung eingeplant. Dann stellte sich heraus, dass dieser Betrag bei weitem nicht ausreichen wird. Inzwischen geht HuT-Geschäftsführer und Bürgermeister Heiko Abbas von einem mittleren Millionenbetrag aus. Der Sanierungsbedarf ist groß. Die Schleusenkammer ist durch Wassereinspülungen gefährdet. Außerdem müssen die Tore samt Antrieb sowie die Steuerungstechnik und der Schleusenstand erneuert werden. Die Finanzierung ist derzeit noch offen. Für 42.000 Euro sollen zunächst nur sicherheitsrelevante Maßnahmen erledigt werden.

Die Pflege und Instandhaltung von Schiffen ist mit Aufwand verbunden. Foto: Gettkowski
Die Pflege und Instandhaltung von Schiffen ist mit Aufwand verbunden. Foto: Gettkowski

Der Schlick im Hafen hatte in der Vergangenheit immer wieder für Ärger vor allem bei den Seglern gesorgt. Eigentlich war für 400.000 Euro eine grundlegende Entschlickung geplant. Weil noch eine Genehmigung ausstand, verzögerte sich das Vorhaben. Und davon profitiert die HuT nun. Sie kann bei der NBank einen Zuschussantrag stellen, der die auf mittlerweile eine halbe Million Euro gestiegenen Kosten zu 70 Prozent kompensiert.

Nicht alle Schiffe im Hafen von Weener sind in einem guten Zustand. Foto: Gettkowski
Nicht alle Schiffe im Hafen von Weener sind in einem guten Zustand. Foto: Gettkowski

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