Bildung

Bis 2026 werden alle Grundschulen in Leer zu Ganztagsschulen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 21.03.2022 17:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das gemeinsame Mittagessen gehört in einer Ganztagsschule dazu. Die Räume dafür sind nur ein Teil der notwendigen Umbauten. Foto: dpa
Das gemeinsame Mittagessen gehört in einer Ganztagsschule dazu. Die Räume dafür sind nur ein Teil der notwendigen Umbauten. Foto: dpa
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Bis 2026 sollen alle Leeraner Grundschulen zu Ganztagsschulen werden. Das wäre schon unter normalen Bedingungen eine große Herausforderung. Die Stadt hat aber mit zusätzlichen Problemen zu kämpfen.

Leer - Seitdem absehbar war, dass die Bundesregierung ab 2026 einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung in Grundschulen festlegen will, hatte die Gruppe SPD/Linke im Leeraner Stadtrat ihr Schwerpunktthema gefunden: Man erwarte, dass bis dahin alle Grundschulen ein vollständiges Ganztagsangebot vorhalten, machte Heinz Dieter Schmidt, der Sprecher der Gruppe, bei allen sich bietenden Gelegenheiten klar.

Das Bingumer Schulgebäude ist ein Sorgenkind der Stadt. Foto: Stadt Leer
Das Bingumer Schulgebäude ist ein Sorgenkind der Stadt. Foto: Stadt Leer

Zuletzt in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses, in der die Stadtverwaltung ihren Zeitplan vorstellte: In der Plytenbergschule soll der nötige Umbau im Jahr 2023 abgeschlossen werden, in der Eichenwallschule und der Grundschule Logabirum 2025 sowie in der Ludgerischule und der Grundschule Bingum 2026. Die Bundesregierung will den Anspruch zunächst nur für die Erstklässler formulieren und ihn dann nach und nach auf die anderen Klassenstufen ausweiten. Die Gruppe SPD/Linke will, dass in Leer von Anfang an alle Grundschüler in den Genuss einer Ganztagsbetreuung kommen können.

Beinahe einsturzgefährdet

Das Pensum, das die finanziell schlecht dastehende Stadt deshalb bis 2026 zu bewältigen hat, ist stattlich: Eine Ganztagsschule braucht unter anderem einen Essensraum, eine Küche, Räume für die Hausaufgabenbetreuung und für Freizeitangebote.

In den Mauern des Bingumger Schulgebäudes gibt es tiefe Risse. Foto: Stadt Leer
In den Mauern des Bingumger Schulgebäudes gibt es tiefe Risse. Foto: Stadt Leer

Im Falle der Grundschule Bingum hat die Stadt aber noch ganz andere Herausforderungen zu bewältigen: „Einsturzgefährdet ist das Gebäude noch nicht, das ist die gute Nachricht“, sagte Alexandra Abraham vom Fachdienst Gebäude- und Energiemanagement in der Stadtverwaltung, mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. Weit davon entfernt sei es aber nicht. Die verschiedenen Gebäudeteile seien unterschiedlich gegründet. Deswegen und wegen des nachgebenden Bodens seien im Gebäude Risse entstanden, die zum Teil gravierend seien.

Ausweichen ins Dorfgemeinschaftshaus?

Die jüngste Bauwerksprüfung habe die Note „ausreichend“ ergeben. Hinzu komme, dass es Schadstoffe in den Wänden gebe, die Fenster erneuert werden müssten, ein baulicher zweiter Rettungsweg fehle und Klassenräume und Lehrerbereiche saniert werden müssten. „Wir müssen ernsthaft überlegen, ob es nicht mehr Sinn macht, ein neues Schulgebäude zu bauen“, sagte dazu Erster Stadtrat Detlef Holz.

Die Risse im Bingumer Schulgebäude sind so breit und tief, dass sie den Verantwortlichen Sorgen machen. Foto: Stadt Leer
Die Risse im Bingumer Schulgebäude sind so breit und tief, dass sie den Verantwortlichen Sorgen machen. Foto: Stadt Leer

Sollte die Grundschule Bingum aber in ihrem jetzigen Gebäude bleiben, sei aus dem Kollegium der Vorschlag gekommen, das Ganztagesangebot im benachbarten Dorfgemeinschaftshaus umzusetzen, berichtete Abraham. Dort könnte im Foyer der Essbereich entstehen, Küche, Büro und verschiedene Räume könnten ebenfalls eingerichtet werden. Das käme einer Schließung des Dorfgemeinschaftshauses gleich, warnte Schmidt. „Das nehmen wir heute ausdrücklich nicht zustimmend zur Kenntnis. Darüber muss noch geredet werden.“

Plytenbergschule braucht keinen großen Anbau

Was der Umbau einer Grundschule zur Ganztagsschule finanziell bedeutet, ist derzeit an der Plytenbergschule zu beobachten. Auf knapp 2,5 Millionen Euro netto belaufen sich die Kosten, die Abraham aufgelistet hatte. Allerdings wäre ein Teil davon irgendwann sowieso angefallen. Zum Beispiel wird im Zuge des Umbaus die Heizanlage erneuert und eine Asbestsanierung durchgeführt. Rechnet man diese Kosten raus, bleiben noch etwa 1,7 Millionen Euro für den Umbau zur Ganztagsschule.

Anders als zunächst geplant, will die Stadt keinen großen Anbau mehr bauen, sondern die notwendigen Räume im bestehenden Gebäude einrichten. Dazu sollen auch das Dach ausgebaut und das erste Obergeschoss genutzt werden. Das ist eine schlechte Nachricht für die Eisenbahnfreunde, die dort bisher noch eine Unterkunft haben. Sie müssen ausziehen.

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