Stadtentwicklung

Weener: Widerstand gegen Hausboote im Alten Hafen

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 19.03.2022 08:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So könnten nach Vorstellung der Verwaltung die Hausboote aussehen, mit denen der Hafen von Weener touristisch aufgewertet werden soll. Foto: Unruh/Marine.Werder/Havel
So könnten nach Vorstellung der Verwaltung die Hausboote aussehen, mit denen der Hafen von Weener touristisch aufgewertet werden soll. Foto: Unruh/Marine.Werder/Havel
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Schwimmende Ferienwohnungen sollen den Hafen von Weener touristisch aufpeppen. Diese Idee der Stadtverwaltung stößt bei einigen Anliegern auf Widerstand.

Weener - Schwimmende Ferienhäuser als neue Attraktion im Hafen von Weener – die Idee der Hafen und Tourismus GmbH (HuT) und der Stadtverwaltung stößt nicht überall auf Begeisterung. Das wurde in der Sitzung des Bauausschusses der Stadt Weener am Donnerstagabend deutlich. Dabei wurde dieser Punkt von der Tagesordnung genommen und von der Politik gar nicht diskutiert. Sehr zum Ärger von Anliegern, die eigens wegen dieses Themas zu der Sitzung gekommen waren.

Was und warum

Darum geht es: In der SItzung des städtischen Bauausschusses wurde deutlich, dass die Idee, den Hafen von Weener mit Hausbooten zu beleben, nicht überall ankommt.

Vor allem interessant für: Urlauber und Tagesgäste, die sich gerne im Hafen von Weener aufhalten, und für die Anwohner

Deshalb berichten wir: Die Verwaltung hat vorgeschlagen, den Hafen von Weener durch Hausboote touristisch attraktiver zu machen. Im Bauausschuss sollte von der Politik eigentlich ein Grundsatzbeschluss dazu gefasst werden. Dazu kam es aber nicht.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Einige nutzten daher die Bürgerfragestunde, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Wir haben sehr viele Mühen auf uns genommen, um an dieser Sitzung teilzunehmen und jetzt wird darüber gar nicht beraten“, sagte Ejnar Tonndorf, der mit seiner Frau Christine das denkmalgeschützte Haus Am Hafen 24 saniert hat. „Die Hausboote passen nicht zum Alten Hafen, den Traditionsschiffen und den historischen Gebäuden“, machte Elke Rathay deutlich. Man sei auch deshalb entsetzt über die Pläne, weil es vorab keine Informationen oder Gespräche mit den Anwohnern gegeben habe. Durch die Vorschlag der Verwaltung fühlen sie sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Christine Tonndorf stimmte ihr zu. „Die modernen Hausboote, die in der Vorlage dargestellt werden, sehen aus wie schwimmende Bungalows.“

Bürgermeister Heiko Abbas liegt viel daran, dass Potenzial, das im Hafen schlummert weiterzuentwickeln. Foto: Gettkowski
Bürgermeister Heiko Abbas liegt viel daran, dass Potenzial, das im Hafen schlummert weiterzuentwickeln. Foto: Gettkowski

Politik sieht „viele offene Fragen“

Die vorgebrachte Kritik lief allerdings ins Leere. Bürgermeister Heiko Abbas, gleichzeitig Geschäftsführer der HuT, konnte nicht an der Sitzung teilnehmen. Auf Antrag der CDU-Fraktionschefin Hildegard Hinderks entschied der Ausschuss einstimmig, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen. „Es gibt für uns in der Politik bei dem Thema so viele offene Fragen, auf die wir heute keine Antwort bekommen, weil der Bürgermeister erkrankt ist“, so Hinderks, „unter diesen Voraussetzungen macht eine Beratung keinen Sinn.“

Viele Anwohner sind der Überzeugung, dass Hausboote nichts im historischen Teil des Hafens verloren haben. Foto: Gettkowski
Viele Anwohner sind der Überzeugung, dass Hausboote nichts im historischen Teil des Hafens verloren haben. Foto: Gettkowski

Die Verwaltung hatte in der Vorlage vorgeschlagen, Liegeplätze für Hausboote „an der Steganlage im Alten Hafen mit einer Zuwegung über die Grünfläche bei der Emsstraße sowie unmittelbar am Marina-Service-Center im Sportboothafen“ zu schaffen“. Grundsätzlich hält Abbas an der Idee fest. „Ich bin aber sicher, dass der gesamte Hafen von einer punktuellen und qualitativ hochwertigen Belebung profitieren wird.“ Nach eigenen Worten hat Abbas inzwischen mit Anwohnern gesprochen. In einigen Punkten rudert der HuT-Geschäftsführer inzwischen zurück.

Im Hafen von Weener gibt es einige historische Schiffe, die von den Eignern zum Teil dauerhaft bewohnt werden. Foto: Gettkowski
Im Hafen von Weener gibt es einige historische Schiffe, die von den Eignern zum Teil dauerhaft bewohnt werden. Foto: Gettkowski

Bürgermeister rudert zurück

„Sowohl Verwaltung wie auch die Hafen- und Tourismus GmbH sind sich einig, dass der Charakter und das Ambiente unseres Alten Hafens unbedingt erhalten werden müssen“, teilte Abbas auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Das gehe nur mit historischen Schiffen und Traditionsbooten. Darum sei für Verwaltung und HuT auch klar, dass moderne Hausboote weder für den Alten Hafen noch für die Kaikante des Hafens bis mindestens zur Höhe „Hafen55“ geeignet seien. „Diese Fragen sollen ja im angedachten Verfahren besprochen werden – übrigens mit umfangreicher Beteiligung der Öffentlichkeit, vor allem der Anwohner des Hafens“, teilte der Bürgermeister mit. Der in der Planungsskizze in der Sitzungsvorlage als Liegeplatz dargestellte Bereich an der Steganlage am Alten Hafen sei nur mit eingezeichnet worden, weil es für die Wasserfläche keinen Bebauungsplan gebe.

Historische Gebäude und Traditionsschiffe prägen die besondere Atmosphäre im Hafen von Weener. Foto: Gettkowski
Historische Gebäude und Traditionsschiffe prägen die besondere Atmosphäre im Hafen von Weener. Foto: Gettkowski

Auch die weiteren Fragen nach Anzahl und Größe der Hausboot, technischer Ausstattung und Belegungszahl sollen nach Vorstellung des Verwaltungschefs im Bebauungsplan-Verfahren geklärt werden. Voraussetzung für ihn ist es, „dass der Charme unseres Hafens nicht im Massentourismus ertrinkt“.

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