Krieg in Europa

EWE-Chef blickt auf schweren Winter

| | 16.03.2022 12:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zentrale Rolle für die Gasversorgung im Nordwesten: die Filteranlage des Erdgasspeichers in Jemgum. Die Oberkante des für die Speicherung genutzten Salzstocks liegt in einer Tiefe von rund 450 Metern. Foto: Wagner/DPA
Zentrale Rolle für die Gasversorgung im Nordwesten: die Filteranlage des Erdgasspeichers in Jemgum. Die Oberkante des für die Speicherung genutzten Salzstocks liegt in einer Tiefe von rund 450 Metern. Foto: Wagner/DPA
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Die Oldenburger EWE AG rechnet für diesen Winter mit Versorgungsengpässen im gesamten Nordwesten. Selbst Flüssigerdgas kann erst 2023 helfen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Ostfriesland.

Ostfriesland/Oldenburg - Die Versorgungslage mit Erdgas könnte dramatischer nicht sein. Sollte die Belieferung mit russischem Erdgas - von welcher Seite auch immer - wegen des Krieges gekappt werden, dürfte es nach Ansicht der Oldenburger EWE AG schwierig werden, die Haushalte und nicht zuletzt die Industrie in diesem Winter mit Energie zu versorgen. Das sagte EWE-Chef Stefan Dohler am Mittwoch bei einer virtuellen Pressekonferenz.

Den Ausweg suchen Politik und Wirtschaft nun über den Aufbau eines Flüssiggas-Terminals in Wilhelmshaven. Die EWE als Mitglied einer vom Land Niedersachsen auf den Weg gebrachten Task-Force will nun den noch zu bauenden LNG-Terminal in Wilhelmshaven mit den EWE-Kavernenspeichern Nüttermoor/Jemgum und Huntorf sowie über die nachgelagerten Gasnetze bis zu den Industrie- und Haushaltskunden verbinden.

Ausbau bis nach Westerstede

Das Konzept kann allerdings erst im nächsten Jahr greifen. Schneller geht es nicht. Die Anbindung erfolgt laut Dohler auf Basis bereits bestehender Leitungen und einem zu realisierenden Lückenschluss zwischen Sande und einem Anschlusspunkt nahe Westerstede mit einer Länge von rund 45 Kilometern. Hier träfe die neue Leitung dann auf das Ferngasnetz der GTG Nord, so dass die Anbindung an die genannten Speicher entstehe, was eine Stärkung der Versorgungssicherheit bedeute, so der EWE-Vorstandsvorsitzende.

Dohler rechnet damit, eine jährliche Kapazität von bis zu vier Milliarden Kubikmeter Gas über die Leitungen befördern zu können. „Im Ems-Weser-Elbe-Gebiet haben wir einen Absatz im Netz der EWE von ca. drei Milliarden Kubikmeter jährlich, könnten uns damit also rein rechnerisch und dank der Speicher vollständig mit LNG versorgen - soweit genug LNG ankommt“, sagte Dohler am Mittwoch. Zur deutschlandweiten Einordnung: Russland liefert derzeit 50 Milliarden Kubikmeter Gas.

EWE fordert schnelle Genehmigungen

Die EWE fordert nun die unverzügliche planungsrechtliche Genehmigung inklusive der dafür notwendigen Anpassung der Verwaltungsverfahren auf europäischer und nationaler Ebene sowie entsprechende politische und gesetzgeberische Unterstützung.

Für diesen Winter nutzt das allerdings wenig. „Der nächste Winter wird der schwerste“, sagte Dohler. In der Kürze der Zeit kann offenbar nicht woanders genügend Erdgas beschafft werden. Unterm Strich bedeutet dies, dass die EWE AG ihre Kunden im Extremfall schon jetzt zum Energiesparen aufruft. Problematischer dürfte aber die Versorgungslage der Industrie werden. Kann nicht produziert werden, fallen Arbeitsplätze weg und muss der Umstieg auf Erneuerbare Energien verschoben werden. Paradoxerweise wird deshalb gerade jetzt das Erdgas aus Russland benötigt, um demnächst genau von diesem Erdgas unabhängig sein zu können. EWE-Chef Dohler nennt das ein „Dilemma“.

LNG ist tiefgekühltes, unter hohem Druck verflüssigtes Erdgas, das sich in Tankern transportieren lässt und in Europa als Alternative zu Pipeline-Gas genutzt werden soll. Bisher bezieht die EU knapp die Hälfte ihres herkömmlichen Erdgasbedarfs aus Russland. Diese Abhängigkeit soll nun so rasch wie möglich verringert werden.

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