Berlin
Böhmermann lässt ersten öffentlich-rechtlichen Sexfilm drehen
Jan Böhmermann und das ZDF Magazin Royale haben den ersten öffentlich-rechtlichen Porno veröffentlicht. Warum er trotzdem nicht im ZDF zu sehen ist, erklärt Produzentin Paulita Pappel.
In diesem Artikel erfährst Du:
Böhmermann dreht jetzt Sexfilme. Auf Twitter verkündet er: „Die heutige Ausgabe des @zdfmagazin ist erst ab 16 freigegeben und darum erst ab 22 Uhr in der Mediathek. Im Ernst.“ Der Grund: In der kürzlich erschienenen Folge des ZDF Magazin Royale thematisiert er die Probleme der Pornobranche.
Aufhänger war die Sperrung von „X-Hamster“, dem beliebtesten Pornoportal in Deutschland. Gesperrt wurde die Seite unter anderem wegen fehlendem Jugendschutz. Ein Klick reicht aus, um als Minderjähriger uneingeschränkten Zugriff auf Erotikplattformen wie X-Hamster oder PornHub zu erhalten. Zu sehen ist da viel, nur keine Aufklärungsarbeit. „Vielleicht ist es mal an der Zeit, dass wir über Pornos sprechen“, sagt Böhmermann. Nicht nur gesagt, sondern auch getan: Der Satiriker hat einen richtigen Porno veröffentlicht, finanziert von öffentlich-rechtlichen Geldern.
In Zusammenarbeit mit der Regisseurin Paulita Pappel sei der Porno innerhalb von knapp drei Wochen produziert worden. Die 34-Jährige stimmt Böhmermann in der Aussage zu, dass öffentlich-rechtliche Medien einen Bildungsauftrag zu leisten haben. „Wir zahlen alle, um Informationen zu bekommen, die objektiv sind und verschiedene Perspektive zeigen“, sagt Pappel auf Nachfrage von #neo. Dazu gehöre auch Pornografie, ein Teil unserer Gesellschaft. „Filme mit FSK 18 laufen auch im Fernsehen, das klappt. Nur bei Pornos geht das rechtlich nicht.“
Tatsächlich taucht der Porno in der ZDF-Mediathek nirgends auf. Nicht mal die Folge, in dieser der Film kurz angekündigt wird, ist tagsüber zu sehen. Erst ab 22 Uhr bis 6 Uhr morgens, mit einer Altersbeschränkung ab 16 Jahren. Dabei wird der Sexfilm als erster „öffentlich-rechtlicher Porno“ vermarktet. „Das ist genau das Problem“, sagt Paulita Pappel. „Das ist die Absurdität der Gesetzes- und Richtlinien in Deutschland. Pornos werden als etwas Schlechtes dargestellt und verbannt. Das macht es kaum möglich, gute Pornos zu produzieren.“
Auf YouTube darf das ZDF Magazin Royale die Folge zur Pornografie veröffentlichen, da dort die Altersbeschränkung geregelt werden kann. Hier siehst Du die Sendung, nicht den Film:
Das ZDF Magazin Royale verweist – wohl aus rechtlichen Gründen – auch nicht auf die Seite, auf die der Porno zu finden ist: Lustery. Die Erotik-Plattform von Paulita Pappel möchte qualitative Amateurpornos zeigen, die divers und authentisch sein sollen. In diesem Stil ist auch der Porno des ZDF Magazin Royale gehalten. Er stellt die Nutzung von Leck-Tüchern ästhetisch dar, zeigt diverse Menschen, schwarze und quere Personen mit „normalen“ Körperformen.
Die Rückmeldung zur Sendung und zum Film sei laut Pappel positiv. Wie es nun weitergeht? Die Regisseurin ist Teil des Free Speech Coaltion Europe. Der „Berufsverband für die Urheber:innen, Arbeitnehmer:innen und Unternehmen der Erwachsenenunterhaltung in Europa“ hat einen offenen Brief an die Kommission für Jugendmedienschutz geschrieben. Dabei fordern sie auf, über „derzeitige Regelungen und Maßnahmen“ zu sprechen, die „unser aller Freiheit bedrohen“.