Technik
Mithören, was im Weltall gesprochen wird
Markus Janssen aus Aschendorf empfängt Funksprüche von der Raumstation ISS. Das kann jeder mit einfacher Technik und ganz legal, sagt er. Allerdings gibt es dafür auch Regeln.
Aschendorf - Funkamateur Markus Janssen (41) aus Aschendorf hört zeitweise auf der Internationalen Raumstation (ISS) mit – und zwar ganz legal und technisch wenig aufwendig.
„Jeder kann mit einfachsten Mitteln den Sprechfunk der Raumfahrer mithören“, sagt Janssen und erklärt:
„Die Aussendungen der rund 400 Kilometer über der Erdoberfläche kreisenden Raumstation sind für die Funkwellen nur ein Katzensprung.“
Dazwischenfunkenist verboten
Aber ist das Mithören denn überhaupt erlaubt? Ja, antwortet Janssen. Alle Astronauten seien auch Funkamateure und sendeten im Amateurfunkbereich, in dem jeder mithören dürfe – mit der Betonung auf Mithören. Selbst senden, also gewissermaßen dazwischenfunken, ist verboten. Und: Jeder Funkamateur muss nach einer umfangreichen Ausbildung eine von der Bundesnetzagentur anerkannte Prüfung meistern. Zudem ist die Teilnahme am Amateurfunkdienst an eine Reihe rechtlicher Vorschriften geknüpft.
Wie Markus Janssen weiter ausführt, braucht man weder eine Satellitenschüssel noch eine besondere Antenne, um Signale aus dem Weltraum zu empfangen. „Es genügt ein einfacher Scanner oder ein Handfunkgerät, das ab 30 Euro erhältlich ist.“
Auch Bilder empfangen
Damit könne man nicht nur Sprechfunkverkehr hören, sondern auch Bilder empfangen, die von der ISS in Form von Sonderaktionen in unregelmäßigen Abständen gesendet werden. Öffnen lassen sie sich mithilfe einer App. Wer Janssen zuhört, spürt schnell die Leidenschaft des zweifachen Familienvaters für den Amateurfunk. Sie ist dem gebürtigen Ostfriesen zwar nicht direkt in die Wiege gelegt worden, die technische Begeisterung wurde aber früh geweckt.
„Mein Vater war Servicetechniker für Telefonanlagen“, erzählt Janssen unserer Redaktion. Entsprechend sei zuhause immer technische Ausstattung vorhanden gewesen. Als Kind legte er sich ein erstes CB-Funkgerät zu. Später erlosch die Leidenschaft vorübergehend.
Im Wald steckengeblieben
Wiedergeweckt wird sie, als er vor einigen Jahren mit seinem Neffen in einem Geländewagen auf einer Off-Road-Tour im Fursten Forest in Fürstenau stecken bleibt – nicht nur in einem Erd-, sondern auch in einem Funkloch. Die Konsequenz: Janssen besorgt sich wieder ein CB-Funkgerät und baut es in seinen Geländewagen ein. In der Folge knüpft der gelernte Kfz-Mechaniker, der hauptberuflich als Chauffeur bei der Papierfabrik UPM Nordland in Dörpen tätig ist, Kontakte zu anderen CB-Funkern. Einige von ihnen sind auch Funkamateure und Mitglied im Papenburger Ortsverein i57 des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC). Dem DARC gehören rund 33.000 Mitglieder an.
Janssens Interesse ist geweckt. Er stürzt sich in die Ausbildung für die Einsteigerklasse – in Corona-Zeiten sei das gar nicht so einfach gewesen, berichtet Janssen. Er büffelt Betriebstechnik und Gesetze, vieles davon im Selbststudium. „Es gibt 863 Prüfungsfragen“, skizziert der Aschendorfer den Umfang. Auch die Prüfung zu absolvieren sei in der Pandemie nicht einfach gewesen. Aber er meistert sie und erhält damit auch sein persönliches Rufzeichen. „Das ist weltweit einmalig und in etwa so wie ein Kfz-Kennzeichen“, erklärt der 41-Jährige.
Logbuch führen ist Pflicht
Im Schuppen hat er seinen „Shack“ eingerichtet – den Raum, von wo aus Funkamateure weltweit auf Sendung gehen. So kommt er rund um den Globus mit Gleichgesinnten in Kontakt. Im Logbuch, das jeder Funkamateur führen muss, sind beispielsweise welche aus den USA, von den Azoren, aus Spanien, Israel, Russland und dem Libanon dokumentiert.
Ausgetauscht werde sich oft über technische Dinge, erzählt Janssen. „Man kann aber auch über Gott, das Wetter und die Welt reden. Tabu sind aber politische und religiöse Themen.“ In der Ukraine herrscht wegen des Krieges derzeit Amateurfunkstille. Wer gewissermaßen wahllos Kontakt sucht, geht mit der Buchstabenkombination CQ auf Sendung. Die Buchstaben stehen als Abkürzung von „seek you“ (suche dich).
Technik steht an erster Stelle
Janssen verhehlt nicht, dass es in erster Linie die Technik ist, die ihn am Amateurfunk interessiert. „Die Kommunikation steht für mich erst an zweiter Stelle“, sagt er.
Als Janssen am Montagvormittag per Digitalfunk allgemein mit seinem Rufzeichen DO1UP „durchruft“ und sich auf Basis des internationalen Buchstabieralphabets mit „Delta Oscar 1 Uniform Papa“ meldet, signalisieren beispielsweise Funkamateure aus Italien und Griechenland, dass sie ebenfalls da sind.
Kontakt zur ISS nur zu festgelegten Zeiten
Kontakt zur ISS sei indes nur zu festgelegten Zeitpunkten möglich, sagt Janssen. Ohnehin seien Funksignale von der Raumstation auch nur für jeweils etwa zehn Minuten zu empfangen – und zwar dann, wenn eine „theoretische Sichtverbindung“, wie er es nennt, besteht.
Das bedeutet, dass die ISS in ihrer Erdumlaufbahn nahe genug über einer Empfangsstation ist. Für einen Umlauf benötige die Station etwa anderthalb Stunden. Wie Janssen berichtet, sind es im Übrigen auch Funkamateure, die Schulklassen dabei unterstützten, eine Verbindung zur ISS aufzubauen, um direkt mit den Raumfahrern zu sprechen. Zu den aktuellen Besatzungsmitgliedern der Station gehört der Deutsche Matthias Maurer. Er vollendet am Freitag, 18. März, im All sein 52. Lebensjahr.