Leer
Wolf am Emsdeich: Die Lage am Montag
Vergangene Woche wurden mehrere Schafe durch Wölfe gerissen. Erst im Februar hatte die Moormerländer Deichacht gefordert, der Deich müsse wolfsfrei bleiben.
Leer - Es regnet an diesem Montagmittag. Auch der Emsdeich ist triefnass. Kein Schaf weit und breit. Es wirkt friedlich und ruhig. Am Freitag wurden am Emsdeich in Leer zwei tote Schafe gefunden. Ein Wolf hatte zugeschlagen, das habe der Gutachter Erich Delfs bestätigt.
„Bei uns hat es am Wochenende keine weiteren Risse gegeben“, sagt Adolf Wilken von der Moormerländer Deichacht. In der vergangenen Woche kam es zu mehreren Rissen durch Wölfe in der Region. Neben den beiden am Freitag an der Leeraner Deichstraße gefundenen Tieren, wurde am Donnerstag bei Terborg ein Schaf gerissen. Ob es sich bei den Vorfällen um das gleiche Tier handelt, ist unklar.
Verlammung möglich
Laut Adolf Wilken war die restliche Herde nach dem Wolfsangriff auf der Flucht. Es seien viele tragende Mutterschafe darunter gewesen. Der Schäfer fürchte nun, dass sie verlammen – das heißt, ihren ungeborenen Nachwuchs verlieren. „Das können wir aber erst nach der Lammzeit mit Gewissheit sagen. Der Riss könnte langfristige Folgen für den Schäfer haben“, so Wilken.
Heiko Albers, Oberdeichrichter der Moormerländer Deichacht, hatte erst im Februar gefordert, dass der Deich wolfsfrei bleiben müsse. Eine in Panik geratene Herde sei für den Schäfer lange Zeit nicht unter Kontrolle zu bringen. Die Folge: Die Deichpflege könne nicht so betrieben werden, wie es sein müsste. Man müsste drüber nachdenken, eine Obergrenze für die Wölfe einzuführen. Ziel müsse es sein, die Schafe zu schützen, da sie für den Deich unverzichtbar seien, so Albers im Februar.
Politik fordert Eingreifen
Mit dieser Forderung ist Albers nicht alleine. Der CDU-Bezirksverband Ostfriesland will eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, um dem Küsten- und Hochwasserschutz höhere Priorität einzuräumen, als dem Artenschutz für den Wolf. Der CDU-Bezirksvorsitzende Ulf Thiele: Wir fordern, dass die sturmflut- und hochwassergefährdeten Küstenregionen zu Wolfs-freien Zonen erklärt und Wölfe hier grundsätzlich entnommen werden dürfen.“
Auch die Leeraner FDP zeigt sich betroffen. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch wir hier an der Ems von den Wolfsrissen erneut betroffen sind,“ sagt Jens Völker, Chef der Leeraner Freidemokraten. „Die Landesregierung muss dringend eine Wolfsverordnung vorlegen, die uns hier an der Küste tatsächlich hilft,“ fordert der Leeraner Partei- und Fraktionsvorsitzende. Die Fraktion im Leeraner Kreistag beantragte vorerst einen Sachstandsbericht für den nächsten Kreisausschuss, der am 1. April stattfindet.