Osnabrück
Ukrainische Flüchtlinge bringen Haustiere mit – wohin mit ihnen?
Viele Ukrainer sind gemeinsam mit ihren Haustieren vor dem Krieg geflohen. Einige Länder haben die Einreisebedingungen für Tiere gelockert, so auch Deutschland. Doch es gibt Schwierigkeiten bei der Unterbringung.
Mehr als zwei Million Menschen sind nach Schätzungen des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine auf der Flucht. Viele mussten ihren gesamten Besitz zurücklassen. Und doch: Ihre Haustiere versuchen viele von ihnen zu retten. Bilder von Katzen, Hunden und anderen Tieren in Rucksäcken, Taschen oder in Jacken und Decken gewickelt, gehen um die Welt.
Um die Einreise der Haustiere zu vereinfachen, haben viele Nachbarländer der Ukraine und einige EU-Mitgliedsstaaten wie Deutschland ihre Regeln vorübergehend angepasst. Normalerweise ist die Einreise aus der Ukraine in die EU an verschiedene Vorschriften gebunden, weil die Ukraine als so genanntes „nicht gelistetes Drittland“ zählt. Zum Beispiel müssen die Tiere aus Nicht-EU-Ländern eine gültige Tollwutimpfung haben, die mindestens 21 Tage zurückliegt.
Grund dafür ist, dass die EU nach jahrzehntelanger Bekämpfung als tollwutfrei gilt. Die Infektionskrankheit, die über den Speichel eines infizierten Tieres übertragen wird, gilt als lebensgefährlich für Mensch und Tier. In Ausnahmesituationen können Länder, wie jetzt auf Bitte der EU-Kommission geschehen, ihre Vorschriften unbürokratisch lockern.
Tierhalter werden gebeten, sich mit den lokalen Veterinärbehörden in Verbindung zu setzen, um den Gesundheitsstatus des Tieres im Hinblick auf Tollwut zu bestimmen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gibt an, dass das Risiko einer Tollwuteinschleppung als gering bewertet wird.
In vielen Notunterkünfte dürfen Geflüchtete ihre Tiere nicht mitnehmen. Der Deutsche Tierschutzbund und Peta rufen Innenministerin Nancy Faeser und die kommunalen Behörden dazu auf, Unterkünfte so auszustatten, dass die Tiere bei ihren Besitzern bleiben können.
„Haustiere sind Familienmitglieder. Allen Ukrainern, die hierher mit ihren Tieren fliehen konnten, muss deshalb unbedingt eine gemeinsame Unterbringung ermöglicht werden. Eine Trennung wäre eine zusätzliche Belastung für Mensch und Tier, die auf jeden Fall zu vermeiden ist“, wird Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, auf der Webseite zitiert. Gerade für Kinder sei das traumatisch.
Die Hilfsbereitschaft unter den Menschen ist groß. So bietet zum Beispiel die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover an, Haustiere von geflüchteten Ukrainern kostenfrei zu behandeln. Die Besitzer müssen lediglich vorweisen, dass sie die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzen und geflohen sind. Auch viele Privatpersonen wollen helfen. Sie bieten in unterschiedlichen Facebook-Gruppen an, Tiere aus der Ukraine vorübergehend aufzunehmen.
Das Haustiere nicht mit in die Flüchtlingsunterkünfte dürfen, wird auch zum Problem. Denn immer mehr müssen kurzfristig in Tierheimen untergebracht werden. „Geht es so weiter, dann brechen die Tierheime unter der Last zusammen“, so Schröder. Er fordert einen sofortigen Krisengipfel der für Tierschutzfragen zuständigen Minister auf Bundes- und Länderebene sowie den kommunalen Spitzen.
Die Situation wird zusätzlich durch die Tiere aus evakuierten Tierheimen in der Ukraine verschärft. Alle müssen untergebracht werden. Zudem gelten wegen des unklaren Impfstatus Quarantänefristen.
Auch der Tierschutzbund ist im Einsatz, um Tiere aus der Ukraine zu retten. Gemeinsam mit dem Bundesverband Gemeinschaft Deutscher Tierrettungsdienste haben sie ein Basislager an der polnisch-ukrainischen Grenze errichtet. Dort kümmern sie sich nach eigenen Angaben um Menschen, die mit ihren Tieren die Grenze erreichen.