Gewalt
Hohe Kosten für Sanierung: Frauenhaus kann bald bezogen werden
Das Frauenhaus des Landkreises Leer wird derzeit saniert. Die Arbeiten gehen schneller voran als gedacht. Sorgen bereitete eine neue Richtlinie des Landes.
Landkreis Leer - „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass es so schnell ging“, sagt Cäcilie Schürmann. Sie ist als Sozialarbeiterin im Frauenhaus des Kreises Leer angestellt. Wovon sie redet: Die grundlegenden Sanierungen des Frauenhauses sind auf der Zielgeraden und das eher als gedacht. Noch im Herbst dieses Jahres soll das Haus fertig saniert sein. Dann können die Sozialarbeiterinnen und die Bewohnerinnen zurück an die gewohnte Adresse.
Was und warum
Darum geht es: Das Frauenhaus des Landkreises Leer wird modernisiert
Vor allem interessant für: Frauen, die von Gewalt betroffen sind und deren Angehörige
Deshalb berichten wir: Die Sanierung kommt schneller voran als geplant Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Für die Übergangszeit hat der Landkreis eine andere Immobilie angemietet. Dazu noch eine Wohnung. „Wir sind etwa zu Weihnachten in die Immobilie gekommen. Da hieß es noch, dass es mindestens ein Jahr, eher aber 1,5 Jahre dauern würde, bis wir zurück können“, so die Sozialarbeiterin. 460.000 Euro hat der Landkreis für die Sanierung in die Hand genommen. Hinzu kommen 675.000 Euro an Fördermitteln, sodass das Frauenhaus für 1,135 Millionen Euro in Stand gesetzt wird. Mehrkosten seien wegen der gestiegenen Materialkosten allerdings noch möglich. Sorge herrschte, wegen einer neuen Richtlinie des Landes.
Begrenzung des Aufenthalts
„Es gab die Befürchtung, dass der Aufenthalt von Frauen im Frauenhaus auf drei Monate begrenzt werden könnte“, sagt Schürmann. Dazu kam es dann aber nicht. „Letztendlich entscheiden die Sozialarbeiter in den Häusern über die Dauer des Aufenthalts“, erklärt Kerstin Wolff, Sprecherin des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. „Das sollte erst strenger formuliert sein. Jetzt haben wir Spielraum“, sagt Schürmann. Diesen neuen Spielraum bieten auch die Räumlichkeiten.
Statt fünf können ab Herbst sieben Plätze angeboten werden. Es werden insgesamt sieben Drei-Bett-Zimmer geschaffen. Dazu gehört auch der Ausbau des Dachbodens. Die übrigen Betten in den Zimmern stünden dann Kindern zur Verfügung, die mit den Frauen ins Frauenhaus kommen. Jedes Zimmer wird ein eigenes Bad bekommen. Vor der Renovierung gab es zwei Gemeinschaftsbäder. Darüber hinaus wird ein Wintergarten geschaffen, der dann zusätzlichen Platz bietet. Das Erdgeschoss soll barrierefrei ausgebaut werden. Zudem wird das Sicherheitskonzept überarbeitet. „Wir sind sehr glücklich. Es wird die Gesamtsituation erleichtern“, betont die Sozialarbeiterin.
Mehr Beratungen
„Wir gehen davon aus, dass es während der Pandemie mehr häusliche Gewalt gab“, sagt Cäcilie Schürmann. Die Zahl der Bewohnerinnen sei jedoch nicht gestiegen. Anders sieht das bei der Nachfrage nach Beratungen aus. So gab es im Jahr 2019 noch 73 Frauen, die beraten wurden. Im Jahr 2021 suchten 115 Frauen die Hilfe der Sozialarbeiter.
„Für uns hat es Vorrang, dass die Gewalt endet. Das kann auf unterschiedlichen Wegen geschehen. Wenn eine Frau sich bei uns meldet, heißt es nicht, dass die Beziehung vorbei sein muss“, sagt sie. So gebe es auch das Angebot einer Paarberatung, um über häusliche Gewaltprobleme zu sprechen. „Oft haben Frauen die Hoffnung, dass der Mann in einer Krise steckt und, dass es wieder besser wird. Vielfach ist das aber nicht so“, erklärt sie. Es gebe jedoch diese Fälle, in denen eine gewaltfreie Beziehung wieder möglich sei. „Das kann beispielsweise durch eine Therapie für den Partner geschehen“, sagt Schürmann.
Alle Schichten betroffen
Gewalt in der Beziehung ziehe sich dabei durch alle sozialen Schichten und Nationalitäten. Diejenigen, die sich ans Frauenhaus wenden, hätten in den meisten Fällen wenig Geld. Frauen mit finanziellem Spielraum hätten es leichter, eine Wohnung zu finden. Ein Drittel der Frauen, die aus der Beziehung flüchten, verlassen das Frauenhaus aber innerhalb einer Woche wieder. „Die gehen meistens zurück“, sagt sie. Das sei okay. Die Sozialarbeiter des Landkreises bieten ihre Unterstützung allen Frauen an, die Hilfe benötigen. Und auch nach dem Aufenthalt im Frauenhaus stehen sie für Gespräche zur Verfügung. „Wir beraten kostenlos und auch anonym. Niemand wird von uns zu etwas gezwungen“, sagt sie.
Die Sozialarbeiter sind sowohl telefonisch unter 0491/65898 als auch per Mail an frauenhaus@lkleer.de erreichbar.