Hamburg

Haustiere aus der Ukraine: Dramatische Lage in Tierheimen

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 10.03.2022 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Szenen einer Flucht: Am Bahnhof in Lwiw, Ukraine, versucht eine Frau gemeinsam mit ihren Hund einen Zug in Sicherheit zu besteigen. Foto: ZUMA Press Wire
Szenen einer Flucht: Am Bahnhof in Lwiw, Ukraine, versucht eine Frau gemeinsam mit ihren Hund einen Zug in Sicherheit zu besteigen. Foto: ZUMA Press Wire
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In deutschen Tierheimen müssen immer mehr Haustiere ukrainischer Flüchtlinge aufgenommen werden. Der Tierschutzbund fordert Hilfe von der Politik.

Dramatisch sei die Lage, sagt Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder im Gespräch mit unserer Redaktion. Und die Situation „spitzt sich von Stunde zu Stunde zu. Geht es so weiter, dann brechen die Tierheime unter der Last zusammen“. Denn immer mehr Haustiere von Flüchtlingen aus der Ukraine müssen kurzfristig untergebracht werden.

Schröder forderte einen sofortigen Krisengipfel der für Tierschutzfragen zuständigen Minister auf Bundes- und Länderebene sowie den kommunalen Spitzen. Bundesminister Cem Özdemir müsse einladen. „Wir fühlen uns alleine gelassen, wir brauchen Lösungen statt Zuständigkeitsgerangel“, so Schröder. Es entstehe der Eindruck, die politisch Verantwortlich wollten sich wegducken.

Viele Menschen sind aus der Ukraine gemeinsam mit ihren Haustieren geflüchtet. In Deutschland angekommen, dürfen Tiere in vielen Fällen nicht mit in Flüchtlingsunterkünfte genommen werden. „Es werden Familien, die ohnehin schon alles verloren haben, gezwungen, auch noch ihr Haustier abzugeben“ sagte Schröder. Das sei gerade für Kinder zusätzlich traumatisch. Hinzu kommen Tiere aus evakuierten Tierheimen in der Ukraine. Sie alle müssten untergebracht werden. Wegen des unklaren Impfstatus gelten Quarantänefristen.

„Die Quarantäne in Privathaushalten muss erlaubt werden, das wäre ein erster Schritt, um Druck rauszunehmen und den Familien mit Tier Hoffnung zu geben“, forderte Schröder. So könnten geflüchtete Familien ihre Tiere mit in die neue Unterkunft nehmen. Zudem sei vielfach die Finanzierungsfrage ungeklärt. „Es gibt keine Klarheit, wer für die mit der Unterbringung verbundenen Kosten aufkommt. Soll denn jetzt jeder Verein vor Ort einzeln verhandeln? Das ist unzumutbar, es braucht eine bundesweite Regelung, kostendeckend“, so Schröder.

Er nannte als Beispiel ein Tierheim aus Großstadt in Sachsen, das kurzfristig 13 Hunde und 4 Katzen habe aufnehmen müssen. „Das Tierheim ist damit voll, das ist kein Einzelfall und wird auch keiner bleiben. Neben der humanitären ist der Ukraine-Krieg auch eine Tierschutz-Katastrophe, die immer bedrohlicher wird“, so Schröder.

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