Regionalkultur

Sprachwissenschaftler im Saterland

Hans Passmann
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Von Hans Passmann
| 11.03.2022 16:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Henk Wolf ist nicht nur Saterfriesisch-Beauftragter, sondern auch Hochschuldozent. Jetzt unternahm ein Studienseminar einen Ausflug ins Saterland mit dem Ziel, wissenschaftliche Feldstudien zu treiben.

Ramsloh - Das Saterland ist die kleinste Sprachinsel Europas. 1990 wurde die Sprache auf Initiative des gebürtigen Scharrelers und jetzigen Geschäftsführers des Erholungsgebietes Dammer Berge, Bernd Stolle, ins „Guinnessbuch der Rekorde“ eingetragen.

Saterfriesisch, Saterländisch oder Seeltersk ist die letzte verbliebene Varietät der ostfriesischen Sprachen. Die Regionalsprache wird in der Gemeinde Saterland nach unterschiedlichen Schätzungen von nur noch rund 2000 Menschen gesprochen. Daher bemühen sich die Gemeinde und der Heimatverein „Seelter Buund“ seit Jahren darum, dass die Sprache nicht ausstirbt. So wird beispielsweise in Kindergärten und Schulen erster Kontakt mit der Sprache spielerisch vermittelt und Sprachunterricht angeboten.

Feldstudien im Saterland

Auf Einladung von Henk Wolf, dem wissenschaftlichen Beauftragten der saterfriesischen Sprache bei der Oldenburgischen Landschaft, der sein Büro als Saterfriesisch-Beauftragter der Gemeinde im Rathaus in Ramsloh hat, unternahmen jetzt 14 Studierende der NHL Stenden Hogeschool in Leeuwarden/Groningen einen Tagesausflug ins Saterland, um mehr über die Regionalsprache zu erfahren. Wolf ist Dozent der Hochschule und leitet dort ein Seminar für „Sprachen und Kulturen der Frieslande“.

Seine Seminaristen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren studieren Friesisch, entweder als Hauptfach im Rahmen einer Dozentenausbildung oder als Nebenfach. Mit dabei war Britta Refferscheidt, Friesischstudentin der Universität Kiel. „Ich stamme von der Nordsee. An der Ostsee, wo ich jetzt studiere, kennt man die saterfriesische Sprache nicht. Aber dieser Dialekt interessiert mich nun einmal. Für mich ist mit der Sprache eine neue Welt aufgegangen“, erklärte sie.

Kontakt ging vom Seelter Buund aus

Den Kontakt zu den Studierenden hatte Malin Tellmann vom Seelter Buund geknüpft. „Die Studenten haben sich auf das Treffen vorbereitet und sich über WhatsApp mit Saterländern ausgetauscht und mit Hilfe von Wörterbüchern Geschichten auf Saterfriesisch gelesen“, schildert Wolf.

Für den Kurs ging es zunächst nach Sedelsberg, um den Natur-Lehrpfad zu erkunden, dessen Erläuterungen auf Hochdeutsch und Seeltersk vermittelt werden. Nach der Mittagspause wurde die Gruppe im Rathaus in Ramsloh von Bürgermeister Thomas Otto empfangen sowie den Vertretern des Seelter Bundes Stephan Dannebaum und Malin Tellmann.

Saterländer Zeugnis abgelegt

Während Dannebaum einiges über das Saterland, seine Sprache und über den Seelter Buund erzählte, berichtete Malin Tellmann davon, dass sie als junge Frau Angst um das schöne Saterfriesisch habe. Ihre Freundinnen und Freunde würden die Sprache kaum noch sprechen. Als Mitglied im Vorstand der Landjugend konnte sie nun allerdings mehrere Mitglieder dafür erwärmen, Seeltersk zu lernen.

Wie fit die angehenden Sprachwissenschaftler sind, zeigte sich beim Seelter Tjuchnis, dem Saterländer Zeugnis. Dafür mussten die Absolventen saterfriesische Begriffe ins Hochdeutsche übersetzen. „Das hat gut geklappt. Alle haben die Prüfung bestanden“, bescheinigte Dannebaum.

Poster in Regionalsprache

Im Schulzentrum in Ramsloh übergaben die Gäste der Schulleitung von ihnen selbst gefertigte Poster mit Naturmotiven und Erklärung auf Saterfriesisch. Im Schulzentrum in Ramsloh übergaben die Gäste der Schulleitung von ihnen selbst gefertigte Poster mit Naturmotiven und Erklärung auf Saterfriesisch. Zum Abschluss gab es einen Abstecher ins Moor beim Naturschutzgebiet Imkehörn.

Für den niederländischer Fernseh- und Hörfunksender „Omrop Fryslän“, Teil des dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland vergleichbaren Publieke Omroep, arbeitet Jitske de Hoop.

Omrop Fryslân unterscheidet sich von den übrigen Sendern durch den Gebrauch der westfriesischen Sprache, anstatt des Niederländischen. „Ich möchte Saterfriesisch bei uns mehr verbreiten. Auch am Arbeitsplatz“, sagt de Hoop.

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