Osnabrück

Alte Wörter nicht in Vergessenheit geraten lassen: Was bedeutet „bass“?

Stefan Lüddemann
|
Von Stefan Lüddemann
| 09.03.2022 10:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Wörterbücher verzeichnen es noch, das Wörtchen „bass“ und seinen Verwandten „fürbass“. Foto: Stefan Lüddemann Foto: Stefan Lüddemann
Die Wörterbücher verzeichnen es noch, das Wörtchen „bass“ und seinen Verwandten „fürbass“. Foto: Stefan Lüddemann Foto: Stefan Lüddemann
Artikel teilen:

In der Sprachkolumne „Wortklauber“ geht es um Sprachschätze, die in Gefahr sind, verloren zu gehen. Das Wort heute: bass/fürbass

Manche Menschen sind bass erstaunt, wenn sie bemerken müssen, dass man heute nur noch sehr erstaunt, wenn nicht gleich geflasht ist und dann spontan ausruft: Das ist ja krass! Ja, es ist wahr: In früheren Zeiten – und so weit liegen die noch nicht zurück – war man bass erstaunt, wenn es darum ging, wirkliche Überraschung auszudrücken. Wer es auf eine Kurzformel bringen wollte, sagte dann: Jetzt bin ich aber baff! Doch auch das kleine Wörtchen bass entfaltete einige Aussagekraft. Ich bin bass erstaunt: Dieser Satz wurde mit der Betonung auf dem Wörtchen bass gesprochen. Die Intonation lieferte den Beleg dafür, dass es das kleine Wort war, das hier den Unterschied machte.

Aber manches kleine Wort spült es, so mir nichts, dir nichts, aus dem Sprachgebrauch. Sein Verschwinden wird kaum bemerkt, sein Verlust nicht bedauert, auch wenn es half, feine Nuancen zu artikulieren. Das Wörtchen bass ist uns sacht entschwunden. Seine Verdrängung blieb unbemerkt. Es hat Wurzeln, die weit zurückreichen. Doch das Wort bass hat entscheidende sprachinterne Konkurrenzen verloren. Es speist sich aus der indogermanischen Wurzel „bhad“, die nichts Anderes als gut bedeutet. Bass stellt die Steigerung von gut oder wohl dar. Durchgesetzt hat sich allerdings die Steigerungsform besser. Bass hat das Nachsehen – inzwischen wohl endgültig.

Schade eigentlich. Dabei gibt es noch ein interessantes zusammengesetztes Wort mit bass. „So ritt ich fürbass in die aufsteigende Dämmerung hinein“, heißt es in Theodor Storms Novelle „Aquis Submersus“. Die 1877 publizierte Erzählung lohnt gerade heute wieder die Lektüre, weil sie das Leid von Menschen im Krieg thematisiert. Es sind ältere Texte wie jener von Theodor Storm, die Wörter aufbewahren, die, womöglich zu Unrecht, als veraltet gelten. Wer fürbass geht oder reitet, der bewegt sich einfach weiter fort. Mit dem Wort fürbass geht es, dem Sinn nach, weiter vorwärts. Dem Wort selbst geht es inzwischen ganz anders. Es bleibt zurück. Das ist schade, wie bei manch anderem der älteren Wörter.

Ähnliche Artikel