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Dach über dem Kopf für vertriebene Ukrainer

der Lokalredaktion
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Von der Lokalredaktion
| 08.03.2022 18:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Gemeinde Moormerland hat eine große Spende vom Möbelhaus Ikea erhalten. Möbel und Einrichtungsgegenstände sollen für Wohnungen für Geflüchtete genutzt werden. Foto: Stromann
Die Gemeinde Moormerland hat eine große Spende vom Möbelhaus Ikea erhalten. Möbel und Einrichtungsgegenstände sollen für Wohnungen für Geflüchtete genutzt werden. Foto: Stromann
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Privatleute und Firmen spenden, was das Zeug hält. Die Ukrainerinnen und Ukrainer, die im Kreis Leer ankommen, brauchen aber auch ein Dach über dem Kopf. Wie bereitet man sich vor und wo ist Bedarf?

Landkreis Leer - Die Hilfsbereitschaft für Menschen, die aus der Ukraine flüchten, ist riesig. Privatleute aber auch Firmen spenden, was das Zeug hält. Aber die Menschen brauchen auch ein Dach über dem Kopf. Die Redaktion des Landkreises hat sich umgehört, wie es mit dem Angebot von Wohnraum für Geflüchtete aussieht.

Was und warum

Darum geht es: Die Gemeinden im Landkreis Leer bereiten sich auf die Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine vor.

Vor allem interessant für: Menschen, die anderen helfen wollen, und sich um die Menschen in der Ukraine sorgen

Deshalb berichten wir: Hunderttausende Menschen fliehen derzeit aus der Ukraine. Wir wollten wissen, wie sich die Gemeinden auf die Ankunft von Flüchtlingen vorbereiten.

Die Autoren erreichen Sie unter: red-leer@zgo.de

Landkreis Leer

Der Landkreis ist mitten in den Vorbereitungen für die ankommenden Flüchtlinge aus der Ukraine. „Der Landkreis Leer hat vom Land Niedersachsen bislang allerdings keine Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine zugewiesen bekommen“, sagt Sprecher Philipp Koenen. Er betont, dass es bisher auch kein Amtshilfegesuch zur Aufnahme von Seiten des Landes gegeben habe. Das war 2015 der Fall, „weil die Aufnahmeeinrichtungen des Landes Niedersachsen so überfüllt waren, dass auch der Landkreis Leer die Erstaufnahme der Flüchtlinge übernehmen musste und die Menschen dann innerhalb des Kreisgebietes auf die Städte und Gemeinden verteilt hat“, so Koenen.

Vor allem Frauen und Kinder aus der Ukraine werden in Deutschland – wie auf dem Bild in einer Aufnahmeeinrichtung in Leipzig erwartet. Foto: Schmidt/dpa
Vor allem Frauen und Kinder aus der Ukraine werden in Deutschland – wie auf dem Bild in einer Aufnahmeeinrichtung in Leipzig erwartet. Foto: Schmidt/dpa

Er lobte die Hilfsangebote aus der Bevölkerung: „Wir sind alle dankbar dafür, dass so viele Menschen aus dem Kreisgebiet ihre Hilfe anbieten und Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine bei sich aufnehmen möchten.“ Er betont, dass die Flüchtlinge vorrangig in Wohnungen untergebracht werden sollen. Darin seien sich der Landkreis und die Bürgermeister einig. Um die Unterbringung an sich kümmern sich die Städte und Gemeinden. Doch was ist, wenn sehr viele Menschen auf einmal kommen? „Natürlich kann für diesen Fall nicht ausgeschlossen werden, dass übergangsweise auch Sammelunterkünfte eingerichtet werden müssten. Das haben die Kommunen und der Kreis gemeinsam im Blick. Es werden geeignete Objekte geprüft“, so der Kreissprecher.

Gemeinde Moormerland

Über eine Spende des schwedischen Möbelhauses Ikea freut sich die Gemeinde Moormerland. Das Unternehmen lieferte am Sonnabend Möbel und Einrichtungsgegenstände im Wert von mehr als 15.000 Euro. Damit sollen vier Wohnungen für Geflüchtete aus der Ukraine ausgestattet werden, sagte Bürgermeister Hendrik Schulz.

Er hatte sich an Ikea Deutschland gewandt und um Unterstützung für Flüchtlinge gebeten. „Im ersten Schritt statten wir sofort vier Wohnungen aus, die bisher nicht für Asylbewerber zur Verfügung standen und in denen wir rund 20 bis 30 Personen unterbringen können“, so Schulz. „Diese Häuser haben wir ausgewählt, weil sie sich besonders für Familien eignen und auch einen kleinen Garten haben, damit sie sich hier auch ein wenig wohl fühlen können.“ Die Gemeinde habe aber noch weitere Möglichkeiten, Flüchtlinge in den bisherigen Asylbewerberunterkünften unterzubringen, wenn der Bedarf bestehen sollte, betonte der Bürgermeister.

Stadt Leer

„Uns wurden noch keine Spenden angeboten“, teilt Sabine Dannen, Sprecherin der Stadt Leer am Montag auf Anfrage mit. Trotzdem könne man ukrainischen Flüchtlingen Unterkünfte anbieten, sofern der Landkreis sie der Stadt zuteile. „Die Stadt Leer verfügt über eine Sammelunterkunft und einige bezugsfertige Wohnungen“, so Dannen. Außerdem hätten sich schon hilfsbereite Leeranerinnen und Leeraner gemeldet, die der Stadt Wohnungen zur Miete angeboten hätten. Aktuell frage der Landkreis die freien Unterkunftskapazitäten bei den Gemeinden ab, um dann abschätzen zu können, ob es notwendig ist, auch noch Turnhallen herzurichten.

Samtgemeinde Jümme

„Wir hatten bereits erste Anfragen von Privatleuten, die helfen wollen, die Spenden organisieren oder die Flüchtlinge aufnehmen möchten“, teilt der Bürgermeister der Samtgemeinde Jümme, Christoph Busboom, mit. Das werde jedoch nicht reichen, weshalb weiterer Wohnraum gesucht werde. „Darüber hinaus werden wir uns mit unseren Mitgliedsgemeinden Detern, Filsum und Nortmoor, den Kirchengemeinden und Ehrenamtlichen abstimmen und ein Netzwerk für Hilfsangebote in der Samtgemeinde aufbauen“, so Busboom weiter.

„Die Zuweisung der Flüchtlinge wird von der Landesaufnahmebehörde über die Landkreise an die Städte und Gemeinden vorgenommen. Bislang liegt uns jedoch von dort noch nichts vor“, ergänzt Ralf Möhlmann, allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters. Wer Wohnraum zur Verfügung stellen oder auf andere Weise helfen möchte, könne sich an Thomas Wissmann vom Sozialamt der Samtgemeinde wenden. Das Amt ist per E-Mail an die Adresse sozialamt@juemme.de und telefonisch unter der Nummer 04957/91800 zu erreichen.

Gemeinde Uplengen

„Die Unterbringung von Asylbewerbern, Flüchtlingen und Obdachlosen ist für die Kommunen generell eine große Herausforderung“, sagt Uplengens Bürgermeister Heinz Trauernicht. Aktuell könne die Gemeinde zwei eigene Wohnungen, eine in Remels und eine in Jübberde, kurzfristig nutzen. Zur Bewältigung der anstehenden Aufgabe, den Menschen aus der Ukraine ein Dach über den Kopf zu geben, sei man jedoch auf die Hilfe der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Deshalb bittet die Gemeinde Uplengen alle Vermieter, freien Wohnraum zu melden. Telefonisch könne man sich im Rathaus an Wilfried Diener (Tel.: 04956/911726) oder Stephan Janßen (Tel.: 04956/911721) wenden. Eine Einquartierung in Sammelunterkünfte wolle man vermeiden.

Gemeinde Westoverledingen

„Auch bei uns melden sich viele hilfsbereite Personen, die Wohnungen bereitstellen können oder Flüchtlinge im eigenen Haus aufnehmen möchten“, teilt Kirsten Beening, Sprecherin der Kommune, mit. Diese Meldungen würden gesammelt und seien hilfreich, da die Gemeinde nur über sehr begrenzte Aufnahmekapazitäten verfüge. Freier Wohnraum, der sofort belegt werden könnte, stehe aktuell nicht zur Verfügung. Die bisher über private Aktivitäten in Westoverledingen angekommenen Kriegsflüchtlinge seien in privaten Unterkünften aufgenommen worden.

Gemeinde Jemgum

Die Gemeinde Jemgum bereitet sich ebenfalls auf die Flüchtlinge aus der Ukraine vor. „Wir haben hierfür einen Krisenstab gebildet, der sich sehr intensiv mit dem Thema befasst und alles koordiniert“, erklärte der Verwaltungschef. Bereits in den vergangenen Tagen seien der Gemeinde, aber auch den Flüchtlingen direkt verschiedene Wohnungen angeboten worden, so Heikens. „Von daher sind wir derzeit in der Lage, die Flüchtlinge, die hier im Moment noch auf private Initiativen ankommen, auch entsprechend unterzubringen.“

Allerdings sei völlig ungewiss, wie viele Flüchtlinge in den nächsten Wochen und Monaten noch kommen würden. Und auch die Zuteilung über die Landkreise sei bisher noch nicht angelaufen. „Das ist für uns derzeit noch eine große Unbekannte.“ Dennoch wolle man sich bereits jetzt vorbereiten. „Aus diesem Grunde sind wir auf der Suche nach entsprechenden Wohnungen. Es ist einfach gut, wenn wir ausreichend Wohnraum in der Hinterhand haben, auf den wir bei Bedarf zurückgreifen können“, so der Verwaltungschef. Interessierte könnten sich gerne bei Sonja Sluiter (Tel.: 04958/918134) oder Christiane Dorenbos (Tel.: 04958/918113) melden. Hier würden die Wohnungen zunächst zentral gesammelt. Meldungen könnten aber auch unter der E-Mail-Adresse jemgum-hilft@jemgum.de erfolgen.

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