Sicherheit

Ein Drittel der Viertklässler kann nicht schwimmen

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 08.03.2022 18:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor dem Schwimmspaß steht der Unterricht: Viele Kinder im Landkreis Leer haben das Schwimmen noch nicht gelernt. Foto: Ortgies/Archiv
Vor dem Schwimmspaß steht der Unterricht: Viele Kinder im Landkreis Leer haben das Schwimmen noch nicht gelernt. Foto: Ortgies/Archiv
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Rasend schnell waren Schwimmkurse des Friesenbades in Weener voll, Schulen aus dem Kreis Leer brauchen Extra-Zeiten: Kinder müssen schwimmen lernen. Die Versäumnisse sind groß – und gefährlich.

Weener - Eine Sekunde nicht aufgepasst und jemand stürzt ins Wasser: Dass Kinder so früh wie möglich das Schwimmen lernen, ist wichtig. Da sind sich alle Verantwortlichen im Landkreis Leer einig. Dennoch gibt es derzeit große Defizite, was das Angebot von Schwimmkursen angeht. Eine Abfrage der CDU-Kreisfraktion ergab, dass ein großer Anteil des Schwimmunterrichts pandemiebedingt ausgefallen ist.

Eine Umfrage der Bürgermeister von Ostrhauderfehn, Leer, Moormerland, Hesel, Bunde, Westoverledingen, Uplengen und Rhauderfehn ergab ein erschreckendes Bild: Rund 30 Prozent der Viertklässler können gar nicht schwimmen. Nur die Hälfte hat das Bronzeabzeichen, das eigentlich alle haben sollten, wenn sie die Grundschule verlassen. Auf Initiative der SPD-Landtagsabgeordneten Sascha Laaken aus Ostrhauderfehn und Hanne Modder aus Bunde haben sich deshalb die Verwaltungschefs, der Landrat sowie Vertreter von Schwimmvereinen, der DLRG und des Kreissportbundes getroffen. Eine schnelle Lösung gibt es für das Problem nicht.

Kursplätze per Losverfahren

Allerdings gibt es Ideen: Die Bürgermeister, so heißt es in einer Mitteilung, wollten Gespräche mit den DLRG-Ortsvereinen sowie den Schwimmvereinen und Grundschulen führen, die DLRG wolle Lehrkräften Auffrischungskurse anbieten, der Kreissportbund wolle bei der Suche nach Übungsleiterinnen und Übungsleitern helfen. Die Abgeordneten wollen sich darum kümmern, bürokratische Hemmnisse zu beseitigen und Förderquellen zu erschließen. All das braucht jedoch Zeit.

Ein Ort, an dem sich gerade jetzt etwas tut, ist das Friesenbad in Weener. Hier laufen die Vorbereitungen auf die Saison gerade auf Hochtouren, und die Schulen haben schon großen Bedarf angemeldet: „Die Grundschulen in Weener haben zusätzliche Zeiten für Schwimmunterricht angefragt“, erklärt Markus Bakker, Meister für Bäderbetriebe, im Friesenbad. Auch Schulen aus Dörpen haben Interesse, „die Schule in Warsingsfehn plant Projektwochen, um Zeit aufzuholen. Die Greta-Schoon-Schule in Leer hat sich ebenfalls wieder angemeldet“, so Bakker.

Seepferdchen heißt nicht schwimmen können

Bei Kindern ist die Rutsche im Friesenbad beliebt. Foto: Gettkowski/Archiv
Bei Kindern ist die Rutsche im Friesenbad beliebt. Foto: Gettkowski/Archiv
Die Schwimmkurse, die im Friesenbad angeboten werden sollen, waren innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. „Es werden zehn unterschiedliche Kurse sein. Über den Ferienpass wird es weitere geben. Da werden die Teilnehmer ausgelost, damit jeder die gleichen Chancen hat“, sagt Bakker. Man merke, dass in den vergangenen beiden Jahren viel verpasst worden sei. „Sonst waren die Kinder eher fünf bis sechs, jetzt sieben bis neun Jahre alt, wenn sie schwimmen lernen“, so Bakker.

Gleichzeitig müsse man wissen, dass zum echten Schwimmer mehr nötig ist als ein Seepferdchen. „Das sind nur Grundkenntnisse. Man kann erst ab dem Bronzeabzeichen davon sprechen, dass ein Kind schwimmen kann“, sagt er. In der Wassergewöhnung könnten die Eltern viel Vorarbeit leisten. Kinder, die vor der Corona-Pandemie ein Seepferdchen absolviert haben, aber seither nicht mehr im Wasser waren, müssten wahrscheinlich wieder von vorne beginnen.

Wann geht es denn in Weener los?

Florian Berenz, Fachangestellter für Bäderbetriebe (von links) Markus Bakker, Meister für Bäderbetriebe, und Friesenbad-Geschäftsführer Hermann Welp stehen in dem noch leeren Becken. Es wird derzeit gereinigt. Foto: Vogt
Florian Berenz, Fachangestellter für Bäderbetriebe (von links) Markus Bakker, Meister für Bäderbetriebe, und Friesenbad-Geschäftsführer Hermann Welp stehen in dem noch leeren Becken. Es wird derzeit gereinigt. Foto: Vogt
Alle Vorbereitungen im Innenbereich des Freibades sind erledigt. Nun geht es an den Außenbereich. Das Becken wird derzeit gereinigt. Schwimmfreunde können wahrscheinlich Ende April wieder ihre Bahnen im Wasser ziehen. Normalerweise geht die Saison über fünf Monate von Mitte April bis Mitte September. In den vergangenen zwei Jahren konnte erst deutlich später geöffnet werden. In diesem Jahr hat die Verspätung aber nichts mit Corona zu tun: Zwei Pumpen müssen noch ausgetauscht werden. „Es sind Hocheffizienzpumpen“, erklärt Friesenbad-Geschäftsführer Hermann Welp.

Das Becken für die Saison startklar zu machen, ist eine Menge Arbeit. Ende April soll der Betrieb losgehen. (Fotos: Vogt und Gettkowski/Archiv)

Die Pumpen, die ausgetauscht werden, hatten Jahrzehnte auf dem Buckel. „Ein Tausch hätte ohnehin bald nötig werden können. Außerdem sparen wir große Mengen Energie ein, weil die Leistung der neuen Pumpen an die Auslastung des Beckens angepasst werden kann“, so Welp. Bereits im Dezember 2020 sei der Antrag auf Förderung gestellt worden. „Diese wurde bewilligt und dann kam die Lieferzeit“, so Welp. Am 1. April sollen die Geräte kommen. Ende April könnte der Betrieb losgehen, wenn alles glatt läuft. „In zwei bis drei Jahren haben wir die Kosten der Pumpen durch die Energieersparnis wieder drin“, so Welp. Dennoch koste ein Freibad einer Kommune immer viel Geld. „Das ist aber nötig, Kinder müssen schwimmen lernen, dafür brauchen wir die Bäder.“

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