Fußball
Verworrene Lage nach Tumult und Polizeieinsatz in Aurich
Beim Fußball-A-Juniorenspiel in Aurich ging es hoch her. Die Darstellungen der Emder Gäste und der Auricher Heimmannschaft weichen stark voneinander ab.
Aurich - Der Eklat am Sonnabend beim A-Junioren-Fußballspiel in Aurich, der mit einem Abbruch und einem Polizeieinsatz endete, schlägt weiterhin hohe Wellen. Beide Seiten schildern den Tumult höchst unterschiedlich.
Die Verantwortlichen der JSG RW Emden/Kickers Emden II erheben weiterhin schwere Vorwürfe gegen Gastgeber SpVg Aurich. „Wir überlegen noch, Anzeige zu erstatten“, sagt ein spürbar wütender Klubchef Markus Tebben, der in dieser Partie als Betreuer der Gäste fungierte. Das Prekäre an der aufgeheizten Stimmung: In zwei Wochen sollen sich die Teams zum Rückspiel in Emden treffen.
Hitzige Szenen gab es schon vorher
Der Auricher Vorsitzende Werner Hoffmann hofft auf besonnenes Verhalten aller Beteiligten. „Die Sache war unschön, aber wir müssen das jetzt abhaken.“ Die einseitige Schuldverteilung durch die Gäste kann er nicht nachvollziehen. „Es war kein Ruhmesblatt für beide Mannschaften“, sagt Hoffmann. „Aber es gibt bei einer Rudelbildung im Fußball sicherlich nicht eine reine Täter- und eine Opferseite.“
Der gemeinsame Nenner bei den Darstellungsweisen ist ziemlich klein. Beide Seiten räumen ein, dass es schon vor dem Abbruch in der 44. Minute hitzige Szenen gab. „Es gab auch ein paar Sprüche zwischen den Trainerbänken – aber alles noch einigermaßen im Rahmen“, sagt der Chef der Sportvereinigung.
Emder Foul war Auslöser
Einig sind sich auch beide Seiten, dass dann ein mit der Gelben Karte geahndetes Foulspiel eines Emders die Eskalation auslöste. Selbst Gäste-Trainer Markus Tebben gefiel die Grätsche seines Spielers nicht. „Wir hätten auch eine Rote Karte akzeptiert.“
Bei den darauffolgenden Szenen gehen die Wahrnehmungen aber weit auseinander. Tebben spricht von aggressiven Aurichern und sich wehrenden Emdern. Der Gäste-Spieler, der das Foul begangen hatte, soll von hinten umgeschubst worden sein und sich dabei das Knie geprellt haben. Dann hätte sich ein anderer Emder schützend vor seinen Mitspieler gestellt. Dieser soll dann attackiert worden sein. „Der Auricher Co-Trainer hat unseren Spieler am Hals gewürgt und ein Auricher Akteur ihm dann sogar ins Gesicht geschlagen.“ Der betroffene Emder wäre hinterher sogar im Krankenhaus gewesen.
Rudelbildung mit Handgemenge
Werner Hoffmann mag diese Sichtweise nicht bestätigen. „Erst haben sich der Gefoulte und der Gegenspieler Nase an Nase gegenüber gestanden. Wenig später mischten fast zwei komplette Mannschaften mit“, sagt er. „Natürlich gab es Handgreiflichkeiten, aber ich wundere mich, dass Herr Tebben einzelne Aktionen so genau gesehen haben will. Für mich war das in diesem Gemenge nicht möglich.“
Und den Auricher Co-Trainer nimmt Hoffmann in Schutz. „Er gilt als sehr besonnen und wollte in dem riesigen Knäuel schlichten“, sagt Hoffmann. „Das geht nicht, ohne jemanden zu berühren. Aber er hat mir versichert, niemanden attackiert zu haben.“
Zweiter Vorsitzender schlichtete
Tebbens Kritik gilt neben dem Co-Trainer auch dem Auricher Trainer. Beide seien äußerst aggressiv gewesen. „Dadurch ist die Sache noch weiter eskaliert.“
Wem es dann tatsächlich gelang, das wilde Knäuel aufzulösen, da gibt es nicht zwei Meinungen. Der zweite Vorsitzende der SpVg Aurich ist ein durchaus kräftiger Mann. „Holger Dreiling hat die Sache beruhigt“, sagt Werner Hoffmann. Und diese friedlichen Bemühungen bestätigt auch Tebben.
Rückspiel am 19. März
Der Emder Trainer lobt zudem, dass sich der Auricher Kapitän Adam Toufailli nach dem Tumult entschuldigt habe. „Das war wirklich super.“ Hoffmann vermisste hingegen ähnlich versöhnliche Gesten der Gäste. „Die Auricher haben stattdessen die Polizei gerufen, als wir unsere Spieler schon in die Kabine geschickt hatten. Das war aus meiner Sicht der Tiefpunkt.“ Tebben begründet das mit anhaltenden und heftigen Drohungen durch etliche Zuschauer.
Nun ist die Sache verzwickt. Neben der Polizei sind die Sportrichter gefordert – und beruhigte Gemüter. Denn schon am 19. März folgt das Rückspiel. Und da soll ein ansehnliches Fußballspiel geboten werden und keine hässlichen Szenen.