Osnabrück
Deshalb hat der ARD-Quotenhit „Mord mit Aussicht“ ein neues Team
Comeback für den ARD-Quotenhit „Mord mit Aussicht“: Heute Abend geht’s los mit einer Doppelfolge im Ersten, das Polizeirevier im fiktiven Eifelörtchen Hengasch ist allerdings komplett neu besetzt.
Es war einmal ein Serienhit, dessen Erfolg den ausstrahlenden Sender wohl am meisten überraschte. Als am 7. Januar 2008, einem Montag, die erste Folge von „Mord mit Aussicht“ über die Bildschirme flimmerte, ahnte bei der ARD und dem federführenden WDR wohl niemand, welche Erfolgsgeschichte die komische Krimiserie aus der Eifel einmal schreiben würde. Eine „Krimödie“ aus der Provinz sollte bundesweit das Publikum begeistern? Kaum vorstellbar. Und tatsächlich entsprachen die Einschaltquoten der ersten Folgen auch eher den skeptischen Erwartungen – sie waren schwach.
Was folgte, ist TV-Geschichte: „Mord mit Aussicht“, die Serie um eine aus Köln in die Eifel strafversetzte Polizistin, stieg und stieg in der Publikumsgunst, die wunderbaren Hauptdarsteller Caroline Peters und Bjarne Mädel avancierten zu Lieblingen der Zuschauer, die schrägen Geschichten aus dem fiktiven Eifelort Hengasch wurden zum Serienhit im Ersten. 6,52 Millionen Zuschauer schalteten 2014 im Durchschnitt ein – mehr schaffte damals keine Serie im deutschen Fernsehen.
Zu diesem Zeitpunkt war zumindest hinter den Kulissen allerdings schon klar, dass die heile Welt von Hengasch Risse bekommen hatte. Anfang Januar 2014 machte Bjarne Mädel als Darsteller des Dorfpolizisten Dietmar Schäffer in der „Süddeutschen Zeitung“ seinem Ärger Luft: Der damalige ARD-Programmdirektor Volker Herres habe kurz vor Weihnachten in einem Brief seine Arbeit noch in höchsten Tönen gelobt – wenige Tage später bekam er dann von der ARD die Mitteilung, dass die Drehzeit pro Folge „Mord mit Aussicht“ auf achteinhalb Tage reduziert werde, nach anfänglich zehn und zwischenzeitlich neun Tagen.
„Da loben sie dich und nehmen dir gleichzeitig die Wurst vom Brot,“ schimpfte Mädel und ärgerte sich zudem darüber, dass die Serie am Vorabend wiederholt wurde: „Ich habe nicht für eine Vorabendserie unterschrieben.“ Er beklagte dann noch den „lieblosen Umgang“ mit Schauspielern und kündigte seinen Ausstieg bei „Mord mit Aussicht“ an.
Nach einem ersten abendfüllenden Spielfilm wurde das Ensemble vom Sender in eine „kreative Pause“ verabschiedet – nicht wissend, dass diese „Pause“ für sie das Ende markiert. Nun, fast acht Jahre später, ist „Mord mit Aussicht“ zurück – und vom zentralen Cast mit Caroline Peters, Bjarne Mädel und Meike Droste niemand mehr dabei.
Auf die Frage, ob sie nicht gewollt habe oder nicht gefragt worden sei, antwortete Caroline Peters kürzlich in einem Interview mit unserer Redaktion: „Ich wurde nicht gefragt, das fand ich schon ein bisschen komisch. 2014 hat man uns in eine kreative Pause geschickt, aus der wir nie wieder zurückgeholt wurden. Anfangs hätte ich es schon gerne fortgesetzt und zumindest noch eine Staffel gedreht, aber irgendwann war ich auch froh über die neuen Räume, die dadurch entstanden sind, und die anderen Sachen, die ich machen konnte.“
Statt der drei früheren Hauptdarsteller sind nun Katharina Wackernagel als Marie Gabler, eine von Köln in die Eifel versetzte Kriminalkommissarin und neue Dienstgruppenleiterin in Hengasch, Sebastian Schwarz als Dorfpolizist Heino Fuß und Eva Bühnen als übereifrige Polizeischülerin Jennifer Dickel dabei.
Der Rest hat sich in über sieben Jahren kaum verändert, vertraute Figuren wie Hans Zielonka (Michael Hanemann) und Heike Schäffer (Petra Kleinert) sowie altbekannte Locations wie das Hengascher Polizeirevier und die Dorfkneipe sollen beim Publikum Wiedersehensfreude entfachen.
Alles so wie immer, nur mit neuem Personal? Ja, gerade die erste Folge kommt fast wie ein Abziehbild der ersten Folge von 2008 daher: Kölner Kommissarin in die Eifel strafversetzt, soll die Polizeidienststelle in Hengasch auf Vordermann bringen, trifft auf einen bestens vernetzten Dorfpolizisten, eine überambitionierte Polizeischülerin und eine misstrauische Dorfgemeinschaft. Unterkunft bezieht sie auf einem weit draußen gelegenen Campingplatz, weil niemand ihr ein Zimmer vermieten will.
„Same same but different“ sagen viele Menschen Südostasiens in gebrochenem Englisch, wenn sie meinen „Das Gleiche, nur ein bisschen anders“. Und genau dieses Motto hat Producer Thomas Klimmer denn auch für die neuen Folgen ausgegeben. Das deutsche Sprichwort „Alter Wein in neuen Schläuchen“ würde es in diesem Fall auch treffen.
Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel findet das nicht schlimm: „Es hat ja schon oft Reihen gegeben, bei denen sich die Besetzung geändert hat, das ist jetzt kein Hexenwerk,“ sagte sie im Interview mit unserer Redaktion. „Der Kosmos dieses Eifel-Örtchens Hengasch ist derselbe geblieben und ich finde, dass die Tonart der Serie sehr schön fortgesetzt wird.“
Mord mit Aussicht. Das Erste, Dienstag, 8. März, 20. 15 Uhr.