Tourismus

Urlaub mal anders: Mit dem Wohnmobil auf den Bauernhof

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 04.03.2022 16:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit dem Wohnmobil auf einem Bauernhof stehen. Das ist in vielen Orten schon möglich, auch im Landkreis Leer soll es bald so weit sein. Foto: Luisenhof Landvernügen/Madlen Krippendorf
Mit dem Wohnmobil auf einem Bauernhof stehen. Das ist in vielen Orten schon möglich, auch im Landkreis Leer soll es bald so weit sein. Foto: Luisenhof Landvernügen/Madlen Krippendorf
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Wohnmobil-Urlaub ging durch die Decke. Orte wie Ditzum kamen an ihre Grenzen. Jetzt nimmt die Idee, Stellplätze auf Bauernhöfen anzubieten, konkrete Formen an. Wann treffen sich Kuh und Caravan?

Rheiderland - Weites Grün, ein paar Schwarzbunte und endloser blauer Himmel. Ostfriesland ist bei Touristen beliebt. Durch die Pandemie wurde der Urlaub im eigenen Land attraktiver, gerade mit der Unabhängigkeit eines Wohnmobils. Orte wie Ditzum wurden nahezu überrannt. Annegret Bommelmann, Vorsitzende des Verkehrsvereins Ems-Dollart, setzt sich schon seit 2020 dafür ein, dass Landwirte auf ihren Höfen Stellplätze anbieten dürfen. Jetzt kommt Bewegung in die Sache. In einem ersten Schritt erstellt das Bauamt des Landkreises Leer „einen sogenannten Onepager, also eine Art Leitfaden“, erklärt Sprecher Philipp Koenen. Gedruckt und auf der Homepage. Dort finden interessierte Landwirte die Voraussetzungen, die es gibt. Außerdem gebe es einen festen Ansprechpartner, der sich bei Interesse von Landwirten die Standorte ansieht.

Was und warum

Darum geht es: Beliebte Orte wie Ditzum wurden von Wohnmobilen fast überrollt. Viele Menschen wollten unabhängig Urlaub auf vier Rädern machen. Schon eine Weile gibt es die Idee, Landwirten die Möglichkeit zu geben, bis zu drei Stellplätze anzubieten. Wann steht denn das Wohnmobil neben der Schwarzbunten?

Vor allem interessant für: Urlauber, Einheimische, Wohnmobiltouristen

Deshalb berichten wir: Ostfriesland ist ein beliebter Urlaubsort – Das möchte man ausbauen.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Bommelmann ist selbst passionierte Wohnmobilistin und hat unterschiedlichste Höfe zum Beispiel in Frankreich besucht, die Stellplätze anboten, wie sie schildert: „Einen Honigbauern oder ein Weingut. Das war über ‚Landvergnügen‘. Das ist ein Konzept für Wohnmobilübernachtungen auf Bauernhöfen. Dieses und andere gibt es auch in Deutschland“, sagt sie. Rückendeckung erhielt sie schon früh von Klaus Borde, dem Vorsitzenden des Kreisverbandes Leer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland. Es gebe durchaus Landwirte, die sich vorstellen könnten, Plätze gegen ein kleines Entgelt zur Verfügung zu stellen. Bommelmann wandte sich mit ihrer Bitte um Schaffung von rechtlicher Sicherheit nicht nur an Landrat Matthias Groote, sondern auch an Landtagsabgeordnete und an Landesumweltminister Olaf Lies. Ihre Beharrlichkeit zahlt sich aus.

Von wie vielen Plätzen wird gesprochen?

Jeder Landwirt kann sich melden, wenn die Voraussetzungen stimmen, können bis zu drei Stellplätze angeboten werden. „Ab vier Stellplätzen greift bauordnungsrechtlich automatisch die Campingplatzverordnung“, so Bommelmann.

Wieso braucht man zusätzliche Plätze?

Zunächst einmal kann das eine Entlastung sein für die Orte, die in den vergangenen Saisons geradezu überrollt worden sind: „Vielleicht ist es der ‚Sackgassenlage’ von Ditzum geschuldet, dass wir uns besonders um Lösungen bemühen wollen. Von diesem Standort aus kann man Urlauber nicht einfach weiterschicken, hier ist eben das ‚Entje van de Welt‘“, sagt sie. Außerdem werde der Verkehr beruhigt, da die Möglichkeit, an der Straße zu stehen, von weniger Touristen wahrgenommen werden müsse. Dies sei nämlich durchaus erlaubt.

Die Stellplätze in Ditzum sind beliebt. Foto: Wolters/Archiv
Die Stellplätze in Ditzum sind beliebt. Foto: Wolters/Archiv
Es geht aber nicht nur um Ditzum: „Die Nachfrage ist auch in anderen Orten sehr groß“, sagt Kurt Radtke, Chef der Touristik-GmbH Südliches Ostfriesland. Das Angebot würde dann im kompletten Feriengebiet des Kreises gelten. „Wir planen, die Stellplätze bei den Landwirten ebenso zu vermarkten wie die herkömmlichen Stellplätze“, sagt er.

Und die Natur?

„Stellplätze müssen nicht auf die Spitzenauslastungen hin immer weiter vergrößert werden“, sagt Bommelmann. Man müsse so keine weiteren Flächen versiegeln, sondern könnte bestehende nutzen und mit den Plätzen bei den Höfen Spitzen abfangen.

Landwirte und Touristen?

Landwirte und Touristen haben häufig ein skeptisches Verhältnis zueinander, sagt die Verkehrsvereinsvorsitzende. Im Straßenverkehr treffen sie oft aufeinander, Vorurteile gegen den jeweils anderen seien nicht selten. „Am besten lernt man sich kennen und verstehen, wenn man sich unmittelbar trifft“, sagt Bommelmann. Bei ihren Urlauben habe sie durch das Anfahren von Höfen ihr Urlaubsziel auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen können – das sei auch in der Region möglich.

„Landwirtschaft und Tourismus gehören eng zusammen“, sagt Touristik-Chef Radtke. Die Bauern schafften als Kulturkünstler mit ihrer Arbeit das, was die Region so attraktiv mache. „Die Stellplätze geben die Möglichkeit, die Landwirtschaft kennenzulernen. Gleichzeitig haben Landwirte, die das möchten, Menschen um sich“, so Radtke. Könnten „en bietje wat proten“ Außerdem könnten sie sich etwas dazuverdienen, die Teilnahme stehe jedem offen, das sei das Schöne. „Auch Wohnmobilisten sind verschieden gestrickt. Es gibt die, die spontan für eine Nacht auf einem Hof stehen wollen und die, die einen langen Urlaub auf dem Stellplatz vorziehen.“ So könne man jedem etwas bieten. „Wir sind gespannt, wie viele Landwirte mitmachen möchten“, sagt er.

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