Flüchtlingshilfe

Barßelerin nimmt Frauen aus der Ukraine auf

Hans Passmann
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Von Hans Passmann
| 02.03.2022 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei Martina Beha (Mitte) haben die beide Ukrainerinnen Liubov Sorokovske (li) und Enkelin Uliana Heleta Zuflucht gefunden.
Bei Martina Beha (Mitte) haben die beide Ukrainerinnen Liubov Sorokovske (li) und Enkelin Uliana Heleta Zuflucht gefunden.
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Martina Beha aus Barßel ist entsetzt über den Krieg in der Ukraine. Sie schritt zur Tat und nahm zwei Frauen aus dem Kriegsgebiet auf. Weitere Menschen sollen folgen. Doch dafür braucht sie Hilfe.

Elisabethfehn - Bei Liubov Sorokovske rollen die Tränen über die Wangen. Sie ist immer noch sprachlos darüber, was in ihrer Heimat der Ukraine passiert. Dort sprechen die Waffen, und ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Über die Ereignisse kann sie kaum sprechen, und es fällt ihr schwer, dazu etwas über die Lippen zu bringen. Zusammen mit ihrer Enkelin Uliana Helta ist sie aus ihrem Dorf Nähe Kiew geflohen und über Polen nun in Elisabethfehn gelandet.

Bei der Renovierung packen (von links) Uliana Heleta und Liubov Sorfokovske tatkräftig mit an. Fotos: Passmann
Bei der Renovierung packen (von links) Uliana Heleta und Liubov Sorfokovske tatkräftig mit an. Fotos: Passmann

Dort hat Martina Beha aus der Schleusenstraße den beiden Ukrainerinnen zunächst ein Zuhause gegeben. Ihre eigene Wohnung in der Ukraine haben die beiden Geflücheten aufgegeben, und sie wissen nicht, ob ihr Haus nach einem möglichen Ende des Krieges noch steht. „Ich habe gewaltig Angst und verabscheue, was der russische Präsident Putin mit uns macht. Es ist grausam“, sagt die 67jährige Sorokovske. Der Mann aus Moskau sei größenwahnsinnig, findet sie, und dass man ihn doch stoppen können müsste. „Meine drei Söhne, die zwischen 20 und 32 Jahre alt sind, müssen zur Waffe greifen, um ihr Land zu verteidigen. Vielleicht sehe ich sie nie wieder und meine anderen Enkelkinder auch nicht. Wenn ich jemals in meine Heimat zurückkomme“, sagt die Ukrainerin und bricht in Tränen aus.

Männer müssen im Land bleiben

Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen das Land nicht verlassen, weil sie im wehrfähigen Alter sind. „Es ist ganz schlimm, was dort gerade passiert. Ich versetze mich in die Lage der dortigen Menschen“, sagt Martina Beha. Vor gut zehn Jahren ist sie von Berlin in die Gemeinde Barßel gezogen. Gerade zieht sie um vom Kernort Barßel nach Elisabethfehn. „Das bedeutet eine Menge Arbeit für mich. Aber in dieser Situation war es mir egal. Ich will jetzt einfach helfen und versuchen, dass viele Flüchtlinge hier ein sicheres Zuhause haben, wie jetzt Liubov und Uliana bei mir“, sagt Beha.

Sie renoviert ihr Obergeschoss. Dabei packen die beiden Ukrainerinnen tatkräftig mit an. Aber nicht immer bekomme sie Hilfe, sagt Beha und schildert, wie es ihr bei einem örtlichen Baustoffhandel erging: „Der Inhaber war nicht bereit, mir einige Rollen Rauhfasertapeten zu spenden. Seine Antwort war: Komm’ nächsten Monat mal wieder“.

Kontakt zu Hundezüchtern

Gute Beziehungen nach Berlin und auch nach Polen hat Beh immer noch. So ist jetzt auch ihre Flüchtlingshilfe zustande gekommen. Freunde haben die beiden Ukrainerinnerinnen von Berlin nach Elisabethfehn gebracht. Beh ist Züchterin von Hunden der Rasse Papillon. Dadurch hat sie freundschaftliche Beziehungen zu einer Familie in Polen, die ebenfalls Hunde züchtet. „Auch diese Familie möchten gerne flüchten, kommen aber nicht über die Grenze. Sie haben gerade Welpen. Weil ich selbst züchte, möchte ich natürlich, dass nicht nur die Familie, sondern auch die Hunde in Sicherheit gebracht werden“, sagt die Wahl-Barßelerin.

Daher hat sie über die sozialen Medien einen Aufruf gestartet: „Ich appelliere an Sie. An ihre Empathie. Wer hat Wohnraum und ist bereit, Frauen, Kinder oder auch Frauen mit Hunden aufzunehmen? Wir organisieren, dass die Leute direkt zu Ihnen gebracht werden.“ Die Menschen kämen an der polnischen Grenze in Przemysl an. Es werde dringend Hilfe gebraucht. „Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen Kleinbus hat und den kostenlos zur Verfügung stellt. Vielleicht gibt es auch Unterstützer mit Benzingeld“, hofft Beha. Die Entfernung betrage rund 1500 Kilometer.

„Es gab viele Rückmeldungen. Leider kamen aber auch einige böse Kommentare wie: Wenn ihr kein Benzingeld habt, dann könnt ihr auch nicht helfen“, bedauert die Alleinstehende vom Elisabethfehnkanal. Doch sie will nicht aufgeben. Sie schlafe schlecht, denn: „Der Krieg lässt mich nicht mehr los“, sagt sie.

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