Berlin

Gerhard Schröder macht sich unmöglich

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 01.03.2022 15:41 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Gerhard Schröder Foto: Kay Nietfeld
Gerhard Schröder Foto: Kay Nietfeld
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Um Altkanzler Gerhard Schröder wird es einsam. Jetzt rücken auch die Mitarbeiter seines Bundestags-Büros von ihm ab. Und er selbst?

Wer Schröders Äußerungen der vergangenen Wochen zur Kenntnis nahm – er unterstellte der Ukraine angesichts des Aufmarschs der russischen Truppen an ihren Grenzen „Säbelrasseln – wundert sich, dass er ein solches Büro im Bundestag überhaupt noch hat. Der Steuerzahler kommt jährlich mit mehreren Hundertausend Euro für Sicherheit und Personal auf, die Schröder als Altkanzler zustehen. Da Schröder sich seit Langem dafür entschieden hat, als „Privatmann“ Lobbyist für Putins Interessen in Deutschland zu sein, stellt sich die Frage, ob man ihm diese Leistungen für sein erstes Leben als Bundeskanzler jetzt noch gewähren möchte. 

Viel zu spät hat die SPD begriffen, dass ihre verstohlene Duldung seiner Gazprom-Aktivitäten nicht gut ist, um in ihrer Russland-Politik glaubwürdig zu bleiben. Man war noch bis vor wenigen Tagen der Ansicht, es reiche aus, immer wieder zu sagen, dass der aktuelle Regierungschef heute Olaf Scholz heißt. Dass man Schröder so lange gewähren ließ, hat auch damit zu tun, dass die Putin-Verklärung in der SPD bis vor Kurzem eben doch noch ihre Fürsprecher hatte. Erst als die Absichten des russischen Präsidenten sich im Angriff auf die gesamte Ukraine vollends offenbarten, fand Parteichef Klingbeil zur nötigen Klarheit in Sachen Schröder. Doch seine Aufforderung, von allen Gazprom-Aktivitäten abzusehen, bleibt unerhört. Für den Altkanzler gilt jetzt offenbar: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert. Ein unwürdiges Ende eines einstmals großen Politikers. Den Moment der Ehrenrettung hat er endgültig verpasst. 

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