Sorge
Ukrainerin aus Flachsmeer: „Alles tut weh“
Oksana Marks kommt aus der Ukraine und lebt inzwischen in Flachsmeer. Die Nachrichten aus ihrem Heimatland schmerzen sie sehr. Doch auch in Deutschland kann sie helfen.
Flachsmeer/Kiew - Oksana Marks kommen hörbar die Tränen, als sie anfängt, über den Krieg in der Ukraine zu sprechen. „Alles tut weh. Ich wünschte, es wäre nur ein Albtraum, aus dem man wieder aufwacht“, sagt die Flachsmeererin. Die Nachrichten aus ihrem Heimatland schmerzen sie sehr und es fällt ihr schwer, darüber Videos und Berichte zu sehen. „Wenn man im Internet die Videos der Angriffe sieht, kann man nicht ruhig sitzen bleiben“, sagt sie.
Große Sorge macht Marks sich um ihre Familie in der Ukraine. Noch telefoniert sie unter anderem mit ihrem 28-jährigen Sohn täglich, doch wie lange das noch funktioniert, weiß sie nicht. „Es gibt das Gerücht, dass von russischer Seite die Telefone gehackt werden und dann keine Telefonate mehr möglich sind“, sagt sie. Wie sie dann in Kontakt mit ihm, der für sein Land in den Krieg zieht, bleibt, weiß sie noch nicht. Es fällt Marks schwer, scheinbar untätig in Deutschland zu bleiben, während ihr Sohn und andere die Ukraine verteidigen. Doch ihr Ehemann habe sie davon überzeugt, dass sie von Deutschland aus eine größere Hilfe sei, als wenn sie zur Waffe greifen würde. „Trotzdem tut es weh, wenn du dem eigenen Kind nicht helfen kannst“, sagt sie. Also konzertiert sie sich darauf, was sie hier vor Ort tun kann.
Hilfe in Flachsmeer
Und so gibt Marks ihr Bestes, um von Flachsmeer aus zu helfen. Leicht ist das nicht. Doch in ihrem Zuhause haben ihr Mann und sie Zimmer freigeräumt, in denen Ukrainer Obdach finden sollen. Am Dienstag oder Mittwoch sollen eine Nachbarin ihrer Eltern mit ihrer Tochter ankommen. „Ich kenne sie noch, seit sie ein Kind war“, erzählt Marks. Wie lange sie bleiben werden und sich vor dem Krieg in Sicherheit bringen müssen, ist ungewiss. Marks und ihre Familie haben ganz selbstverständlich Platz geschaffen. Und auch für weitere Kriegsflüchtlinge wäre Raum da. Die Ukrainerin will zudem ihre Kontakte in ihr Heimatland nutzen, um dort Familien und Kinder zu unterstützen, die nicht fliehen können. Aber damit ist noch nicht genug: „Ich überlege unaufhörlich, wie ich helfen kann“, sagt sie.
Jeder Toter ist zu viel
Marks ist gerührt von der weltweiten Solidarität. Auch der Zuspruch von russischstämmigen Freunden bedeutet ihr viel. „Trotzdem: Jeden Tag sterben Unschuldige“, sagt sie. Sie bewundert den Mut der russischen Demonstranten, die trotz harter Strafen für den Frieden protestieren. „Viele von ihnen haben auch Angehörige in der Ukraine und verlieren nun selber Familienmitglieder an diesen Krieg. Eines ist sicher, nichts rechtfertigt den militärischen Angriff auf mein Land.
Familien, sowohl in Russland, als auch in der Ukraine, werden ihre Söhne verlieren, Kinder ihre Väter“, sagt sie. Es sei nicht das russische Volk, das die Ukraine angegriffen habe, sondern die russische Regierung. An Menschen, die diesen Angriff als rechtens ansehen, appelliert sie: „Überdenkt dies, denkt an die Verbrechen an Personen, die der russischen Regierung nicht mehr genehm waren.“ Derweil hofft sie weiterhin auf Frieden.